Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Dienstag, 14. Mai 2019 Drucken

Kirchheimbolanden

Aus zwei mach eins! (mit Videos)

Von Rainer Knoll und

Kathrin Thomas-Buchen

Zum 1. Januar 2020 wird aus den Verbandsgemeinden Alsenz-Obermoschel und Rockenhausen die VG Nordpfälzer Land. Bereits am 26. Mai wird der künftige Verwaltungschef gewählt. Es kandidieren (auf der Burg Randeck von links) Uwe Krebs (Freie Liste Nordpfalz), Ilonka Schäfer (Einzelbewerberin), Michael Cullmann (SPD), Tanja Gaß (nominiert von der CDU, unterstützt von der FWG Donnersbergkreis) und Frank Haage (FDP).

Zum 1. Januar 2020 wird aus den Verbandsgemeinden Alsenz-Obermoschel und Rockenhausen die VG Nordpfälzer Land. Bereits am 26. Mai wird der künftige Verwaltungschef gewählt. Es kandidieren (auf der Burg Randeck von links) Uwe Krebs (Freie Liste Nordpfalz), Ilonka Schäfer (Einzelbewerberin), Michael Cullmann (SPD), Tanja Gaß (nominiert von der CDU, unterstützt von der FWG Donnersbergkreis) und Frank Haage (FDP). ( Foto: Loeffel)

Bürgermeister-Kandidaten für die VG Nordpfälzer Land äußern sich zur Fusion

Die Stimmung in der Bevölkerung

„Die Stimmung zur Fusion ist oder war gespalten“, sagt Uwe Krebs. Kandidat der Freien Liste Nordpfalz (FLN). Allerdings sind die Diskussionen seiner Meinung nach inzwischen ein Stück weit abgeebbt. Nach wie vor gebe es in der VG Alsenz-Obermoschel Bestrebungen in Richtung Meisenheim beziehungsweise Bad Kreuznach, wobei der Zusammenschluss mit Rockenhausen „nicht unbedingt ein falscher ist“, so Krebs. Zwar habe auch er zunächst ein Ausscheren aus dem Donnersbergkreis befürwortet, doch nun gebe es „nur den Weg nach vorne. In dieser Richtung werden wir von der Freien Liste unterwegs sein.“

Eine „gemischte Stimmung“ hat Einzelbewerberin Ilonka Schäfer wahrgenommen. Kritisiert worden sei, „dass man nicht genau kommuniziert hat, wie es zum Beispiel mit Schulen und Kindergärten weiter geht“. Auch die medizinische Versorgung oder die Werke seien Thema gewesen. Sie teile aber die Ansicht derjenigen, die nun den Blick nach vorne forderten. Was ihr wichtig ist: „Dass man nicht nur eine neue Verbandsgemeinde macht, sondern auch eine neue Verbundenheit herstellt. Etwa, indem man über die Ortschaften hinweg Veranstaltungen organisiert, damit das Wir-Gefühl gestärkt wird.“

Frank Haage (FDP) hat festgestellt, „dass die Fusion mehr in der VG Alsenz-Obermoschel Thema ist“. Dort seien die Menschen „sehr enttäuscht, wie das Ganze gelaufen ist“. Vieles sei schlecht kommuniziert worden, „die Leute haben sich nicht mitgenommen gefühlt von der Landesregierung, teils auch vom VG-Rat“. Nun müsse man daran arbeiten, dass die Enttäuschung überwunden werde: „Wir sind alle Nordpfälzer, aus einer Region, da muss man schauen, das schnellstmöglich wieder zusammenzuführen. Da hängt es ganz klar auch an uns, wie wir vorne weg gehen“, betont Haage.

Zwar sei in den letzten Jahren viel Porzellan zerschlagen worden, bestätigt auch die von CDU und FWG Donnersbergkreis unterstützte Bewerberin Tanja Gaß (parteilos). „Keine einfache Geschichte“ sei etwa das im Januar vom VG-Rat als unzulässig abgelehnte Bürgerbegehren gewesen, so die momentane Beauftragte der VG Alsenz-Obermoschel. „Das war meine bislang schwerste Sitzung.“ Nun sei man aber „auf einem guten Weg. Ich glaube, die Menschen haben akzeptiert, dass man diesen Weg so vorgegeben hat“, so Gaß. In der VG Rockenhausen seien die Menschen ohnehin positiv zur Fusion eingestellt.

„Generell kein Freund von Fusionen“ ist SPD-Kandidat Michael Cullmann. Beispielsweise hätten Rockenhausen und Alsenz-Obermoschel nach der Fusion im Kreis der Bürgermeister im Land nur noch eine statt wie bislang zwei Stimmen. Aber „wenn man fusionieren muss, dann sollte man die Fusion nehmen, die passt“ – das sei hier der Fall, so der Rockenhausener Verbandsbürgermeister. Wichtig ist Cullmann, dass nun die Projekte für die einzelnen Dörfer und Städte bestimmt und „dass diese dann auch realisiert werden“. Entscheidend sei ferner, „dass der Bürgerservice bleibt – mindestens so gut, wie das bisher der Fall gewesen ist“.

Die Bürger-Fusion

In den Köpfen der Bürger aus zwei Verbandsgemeinden eine machen – für Frank Haage „ist es eigentlich gut umzusetzen. Wir reden alle die gleiche Sprache.“ Haage plädiert für eine von der Verwaltung initiierte Veranstaltung, gerne in einem hoch gelegenen Ort wie Dörrmoschel. „Man hätte den Blick über das wunderbare Nordpfälzer Land“, könne gut verdeutlichen, wie schön diese Gegend sei. „Dann denke ich, dass wir die Vorbehalte überwinden können.“ Die Fusion mit Rockenhausen sei „die einzige vernünftige Lösung“, so Haage.

Die Bürger mit einem Wir-Gefühl zusammenzubringen, sieht Tanja Gaß als Herausforderung. Dennoch sei „gar nicht so viel Arbeit notwendig“. „Die Gräben, von denen wir reden, sind überwiegend politische Gräben, keine persönlichen.“ Die Menschen in der Region fühlten sich hier schon jetzt wohl und gingen auf Feste in die Nachbarorte oder zu VG-übergreifenden Veranstaltungen wie etwa dem autofreien Appeltal. „Da spielt eine Verbandsgemeinde jetzt schon keine Rolle mehr.“

Es werde „Jahre dauern, bis man das aus den Köpfen der Bürger herausbekommt“, glaubt dagegen Michael Cullmann. Die Fusion bringe für die Bürger keine Nachteile, das Serviceangebot vergrößere sich und das Land habe Entschuldungshilfe und Projektförderung zugesichert. Entscheidend sei für Bürger aber, dass sich im Ort etwas tue: „In jedem Dorf dieser neuen VG sollte man mal darüber informieren, wie sich die VG zusammensetzt, welche Zuständigkeiten es gibt, welche Vorteile es hat, in dieser neuen VG zu leben – gerade an den Rändern.“

„Für die Bürger wird es eher positiv“, ist sich Uwe Krebs sicher. Bedenken habe er da keine. Auf dem Weg zur neuen VG müssten die Bürger aber eingebunden werden. „Die darf man nicht außen vor lassen. Das zweite Bürgerbegehren, das wohl nicht der Vorschrift entsprach, war aber trotzdem ein Begehren. Es waren Stimmen, die aufkamen und gesagt haben, hier läuft etwas falsch. Ich stelle mir vor, dass wir die Leute fragen: Was hat Euch bewegt in der Vergangenheit, so eine Initiative ins Leben zu rufen? Das einfließen zu lassen in die neue VG.“

Ilonka Schäfer findet es wichtig, „dass das Wir-Gefühl gestärkt ist“. Es sei wichtig, „über dieses Kirchturmdenken“ hinauszukommen, Präsenz zu zeigen und die Bürger im Gestaltungsprozess mitzunehmen. Schäfer sprach sich für orts-, themen- und generationenübergreifende Veranstaltungen aus. Etwa „Kunsttage für Kinder und Senioren oder Handwerk gestern und heute“. Denkbar sei auch, eine Pfälzer Stärke herauszustellen und „Nordpfälzer Dischbedier-Tage“ zu veranstalten. Oder: ein Bienenstock für jede Gemeinde. „Dann macht man etwas Sinnvolles und Verbindendes.“

Verwaltungsfusion

Ob der Zusammenschluss auf Verwaltungsebene gelingt, hängt für Tanja Gaß „auch an uns selbst, an den Mitarbeitern und der Führung“. In Alsenz habe man viele Gespräche geführt. Ihre Mitarbeiter, glaubt Gaß, „fühlen sich in dem Prozess mit eingebunden“. Insgesamt sehe sie die Aufgabe aber entspannt. Schon jetzt arbeiteten die Mitarbeiter beider Verwaltungen zusammen, würden sich bereits kennen. Wenn alles neu organisiert sei, würden die Mitarbeiter auch zu einer Einheit zusammenwachsen. Helfen könnten Workshops und teambildende Maßnahmen.

Weil gute Verwaltungsmitarbeiter rar sind, müsse man Stellen attraktiv gestalten, ist sich Michael Cullmann sicher. In Rockenhausen habe man daher das Entscheidungsprofil der Mitarbeiter ausgeweitet. „Das funktioniert bei uns gut.“ Das gelte auch für die Heimarbeitsplätze, die man Mitarbeitern ermögliche. In der bald größeren Verwaltung werde sich die Arbeitsweise ändern: „Es wird in Zukunft eine Spezialisierung geben“, sagt Cullmann. So müssten Mitarbeiter weniger Sachgebiete abdecken als bisher und könnten mehr Kompetenzen für ihr Sachgebiet erwerben.

Eines, sagt Uwe Krebs, müsse man vermitteln: das Gefühl, dass mit der Fusion nichts Negatives passiert. Niemand werde schlechter gestellt. Seiner Erfahrung nach müsse man die Mitarbeiter mitgestalten lassen: „Arbeitskräfte wollen kreativ sein.“ Für wichtig hält Krebs die versprochene Bürgernähe – Stichwort Außenstelle in Alsenz. Wie genau die Abteilungen aufgeteilt werden, solle aber seiner Meinung nach erst nach der Wahl entschieden werden. Ihm schwebt eine Übergangszeit nach dem 1. Januar 2020 vor, „um dann in geregelten Bahnen die VG zusammenzuführen“.

Keine Entlassungen in der Verwaltung – das findet auch Ilonka Schäfer positiv. Bei der Ansiedlung der Abteilungen sollte ihrer Ansicht nach auch die Örtlichkeit eine Rolle spielen. So fände sie es etwa mit Blick auf Zoar und Krankenhaus sinnvoll, das Standesamt in Rockenhausen zu belassen. Dem Bereich Tourismus würde Schäfer mehr Raum geben. „Man könnte mal so ein Gebiet wie den Tourismus nach Obermoschel auslagern.“ Tourismus sei ein „absolutes Zukunftsthema“. „Ich denke, dass das auch in Zukunft zeitaufwändiger sein wird.“

Er habe einen Vorteil, erklärte Frank Haage: Er habe beruflich schon eine Fusion miterlebt. Gut gefallen habe ihm damals der Anstaltsleiter, der sagte: „Ihr seid nicht mehr Mainz und Kaiserslautern, ihr seid jetzt Rohrbach. Genauso muss man das dann auch hier sehen. Wir sind nicht mehr Alsenz-Obermoschel und Rockenhausen. Wir sind dann Nordpfälzer Land.“ Gemeinsam habe man dann die Verantwortung, dass alles laufe. Der oder die neue Bürgermeister(in) müsse das den Mitarbeitern vorleben. „Gräben werden natürlich da sein. Die werden wir auch zumachen müssen. Aber es sind keine Schluchten, es sind Gräbelchen. Die kriegen wir überwunden.“

Donnersbergkreis-Ticker