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Montag, 14. Dezember 2015 Drucken

Kirchheimbolanden

Auf verlorenem Posten

Advents-Krimi – „Im Namen ihrer Majestät“ (12): Kein Beistand für Weichmeier

Von Jutta Glaser-Heuser

 

Weichmeier hatte gut geschlafen. Seine Yogaübungen hatten offensichtlich geholfen, obwohl er sich gestern danach ziemlich unentspannt gefühlt hatte. Gut, vielleicht war auch das ein oder andere Gläschen Dornfelder-Glühwein für seine Bettschwere verantwortlich. Entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten war er nämlich am späten Nachmittag noch über den WEIHNACHTSZAUBER geschlendert, war hier auf einen Plausch stehengeblieben und dort auf einen Glühwein. Dass er keinen dicken Kopf hatte, lag sicher daran, dass natürlich nur Weine der Zellertaler Winzer dafür verwendet wurden, keine Billigmischungen aus dem Discounter.

Strammen Schrittes spazierte er Richtung Polizeipräsidium. Es war an der Zeit, Schlosssieger in seine Ermittlungen einzuweihen. Schließlich wusste niemand, wann genau der Anschlag geplant war. Und es galt, mit allen Mitteln zu verhindern, dass der Kirchheimbolander Schatz in die falschen Hände geriet.

Im Präsidium stieg Weichmeier mit großen Schritten die Treppe hinauf und klopfte bei seinem ehemaligen Kollegen an. „Weichmeier, Du hier“, freute sich Schlosssieger offensichtlich, ihn nach langer Zeit mal wieder zu sehen. „Wie geht es Dörthe, und was macht der Ruhestand“, erkundigte er sich froh gelaunt. „Und wie war’s in London?“

„Gut, gut und gut“, flötete Weichmeier. Danke der Nachfrage. Er habe in Haus und Garten alle Hände voll zu tun und genieße ansonsten die Reisen und das Ausschlafen, plauderte er. Gleichwohl – einmal Polizist immer Polizist – könne er ja nicht einfach die Augen verschließen vor dem, was in seiner kleinen Residenz vor sich gehe, leitet er über. Sogleich verfinsterte sich Schlosssiegers Miene deutlich und mit jedem Satz, den Weichmeier über seine neuesten Fall sprach, entglitten Schlosssieger seine Gesichtszüge mehr. Dass er davon ausging, dass die Paulskirche bald gesprengt würde, diesen Satz konnte er nicht einmal mehr aussprechen, denn da war Schlosssieger aufgesprungen.

„Weichmeier, bist Du schon wieder am Rumschnüffeln?“, prustete Schlosssieger, ob er denn wieder Gespenster sehe. „Mensch, Siegfried, denk doch mal nach“, gab Weichmeier nicht klein bei. „Das sind harte Fakten, echte Indizien, keine Gespenster.“ Was sonst hätten die beiden Unbekannten wohl im Sinn, wenn sie die Paulskirche ausspionieren und sich nachweisbar besonders für die Orgel interessieren. Und welche Erklärung gäbe es ansonsten dafür, dass in einer Londoner Firma ein Stadtplan von Kirchheimbolanden hängt, auf dem dick die Paulskirche markiert ist. Zudem habe er schließlich mit eigenen Ohren gehört, wie immer wieder von „Explosion“ und „big blast“ die Rede war, als er die beiden Unbekannten im Café Kernel belauschte.

Doch Schlosssieger ließ sich nicht überzeugen. Er erinnerte Weichmeier daran, dass er schon zu Dienstzeiten immer wieder lamentiert habe, weil es hier in Kibo keinen „richtigen Fall“ gebe und dass nichts los sei, zumindest aus kriminalistischer Sicht. Und dass er bereits damals zum Opfer seiner eigenen Fantasie wurde, als seine Freunde und Kollegen eine falsche Spur gelegt hatten, die Weichmeier zu seiner 30. Dienstjubiläumsfeier führte. Aber dieses Mal, da könne er sicher sein, würde das Ganze kein so nettes Ende nehmen, raunzte der Polizeichef unwirsch.

„Ja, ist ja okay“, räumte Weichmeier zähneknirschend ein. Dass er sich immer ,den’ großen Fall gewünscht hatte, das war nun mal stadtbekannt mittlerweile. Aber man durfte ja wohl auch seinen großen Erfolg nicht vergessen, als er vor einem Jahr dank seines untrüglichen Spürsinnes das verborgene Lied von Mozart aufgetan hatte.

Dass Schlosssieger ihn dann auch noch an die Szene erinnern musste, als man ihn im Gebälk in der Orangerie hängend gefunden hatte, das nahm Weichmeier ihm dann ein bisschen übel. „Ich kann Dir nur raten, lass die Finger davon“, sagte Schlosssieger. „Du wirst dich blamieren, und am Ende uns alle“, sagte er mit beschwörendem Unterton. Und als könnte er Weichmeiers Gedanken lesen, fügte er hinzu: „Und sag’ dann nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.“

(Illustration: Herrmann)

Fortsetzung folgt

Ob Weichmeier nun endlich Ruhe gibt oder die Sache selbst in die Hand nimmt, das erfahren Sie morgen in der nächsten Advents-Krimi-Folge. Alle Teile lesen Sie auf www.rheinpfalz.de/adventskrimi.

 

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