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Mittwoch, 16. Januar 2019 Drucken

Donnersbergkreis

Auf der Route Impériale Nr. 4 in Richtung Mainz

Kaiserslautern/Mainz: Vor 220 Jahren mit Bau der Kaiserstraße begonnen – Wegstrecke sieben Meter breit ausgestaltet und auf beiden Seiten mit Pappeln bepflanzt

VON GERHARD WESTENBURGER

Am Ortsausgang von Mehlingen zur L401 existiert noch ein Rest der alten Kaiserstraße. Auf der nachempfundenen Napoleonsbank (links) konnten oben Kopflasten abgestellt werden.

Am Ortsausgang von Mehlingen zur L401 existiert noch ein Rest der alten Kaiserstraße. Auf der nachempfundenen Napoleonsbank (links) konnten oben Kopflasten abgestellt werden. ( repro: westenburger)

Die „Kaiserstraße“ von Kaiserslautern nach Mainz wurde 1798, vor 220 Jahren, erbaut. Sie war sieben Meter breit und auf beiden Seiten mit Pappeln bepflanzt. Als die Pfalz 1816 zu Bayern kommt, ist die Straße heruntergekommen und ähnelt nur noch einem Feldweg. Sie wird überarbeitet und später als B 40 ausgebaut. Schließlich wird die Kaiserstraße zur L 401 degradiert, als der Massenverkehr über die A 63 Richtung Mainz rollt.

Im Stadtgebiet von Kaiserslautern hat die L 395 durch den Einsiedlerhof bis zur Höhe der Straße Im Haderwald noch den offiziellen Namen Kaiserstraße. Die historische Kaiserstraße lief dann über die heutige Pariser Straße weiter durch die Stadt zur Steinstraße bis hinauf zum Mainzer Tor, schließlich über die heutige Mainzer Straße bis zur Eselsfürth, wo sie inzwischen zur L 401 geworden ist. Im Bereich Einsiedlerhof hat die Kaiserstraße noch erhebliche Bedeutung. Als Landstraße 401 ist sie aber nur noch Zufahrt zu den Ortschaften – wo sie meist noch Kaiserstraße heißt – und zu Unternehmen. Sie bleibt aber wichtige Umleitung, wenn die Autobahn gesperrt ist.

Im Frieden von Lunéville fällt die linke Rheinseite 1801 endgültig an Frankreich. Sie wird in Departements aufgeteilt. Kaiserslautern kommt zum Departement Donnersberg. In den von Frankreich neu erworbenen und schon nach der Revolution 1789 Zug um Zug besetzten Landesteilen wird der Straßenbau großzügig fortgesetzt, um den Handel zu fördern.

In der weiteren Entwicklung wurden die Straßen in Frankreich mit Gesetz vom 16. Dezember 1811 in Straßen erster, zweiter und dritter Klasse eingeteilt. Die Straßen erster Klasse waren die „Routes Impériales“. Entlang der Straßen ließ Napoleon 1811 anlässlich der Geburt seines Sohnes Ruhebänke errichten. Die schon fertiggestellte Straße durch Kaiserslautern nach Mainz wurde zur „Route Impériale Nr. 4“. Die richtige Übersetzung müsste „Reichsstraße“ lauten. Weil sie auf Veranlassung von Napoleon gebaut wurde, nannten sie die Leute Kaiserstraße.

Das Projekt wurde 1798 durch den Präfekten Jeanbon St. André durchgeführt. Er schreibt an Kaiser Napoleon, dass die Straßen ein Mittel seien, um „die Bewohner des Departements Donnersberg mit Frankreich zu verknüpfen, ihnen unsere Sprache und die Liebe zu unseren Gesetzen zu geben ...“ Der Bau dieser „Route Impériale Nr. 4 de Paris à Mayence“ hatte letztendlich militärische Zwecke. Napoleon verlegte sein Hauptquartier für die Feldzüge nach Mainz. Finanziert wurde die Straße mit Steuergeldern aus dem Departement Donnersberg. Die Anliegergemeinden mussten auch unentgeltliche Hand- und Spanndienste leisten. Auf beiden Seiten wurden rasch wachsende Pappeln gepflanzt, um Napoleons Armeen Schatten zu spenden.

Durch die Napoleonischen Aufmärsche mit Soldaten, Wagen und Pferden nach Osten sowie durch den Rückzug aus Russland und Deutschland in den Jahren 1813/1814 wird die geschotterte Kaiserstraße über Gebühr beansprucht. Sie wird außerdem von den Preußen und den Russen benutzt, die ebenfalls mit Wagen und Pferden Napoleon nach Westen vor sich hertreiben.

Die zum Feldweg verkommene Straße wird dann noch als Poststraße und als Verbindung von Ort zu Ort genutzt. Was Deutschland blieb, war die geschickt angelegte, meist schnurgerade Trassenführung, die es wieder neu aufzubereiten galt.

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