Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Zum Einzelverkauf der Ausgabe als PDF
Freitag, 15. Dezember 2017

6°C

Freitag, 18. Dezember 2015 Drucken

Kirchheimbolanden

Auf der anderen Seite des Berges

ADVENTS-KRIMI – „IM Namen Ihrer Majestät“ (16): Weichmeier besucht einen Freund in Rockenhausen und hat romantische Erinnerungen

Von Rainer Knoll

 

Weichmeier kurvte im diesigen Nachmittagslicht durch Marienthal und passierte die „Rußmiehl“. Der selbst ernannte Kommissar w.i.D. (wieder im Dienst) kannte die Strecke gut. In jungen Jahren war er monatelang fast täglich von Kibo nach Rockenhausen gependelt. Adelgunde hieß sie, hatte blonde Haare bis zum Hintern, der wiederum analog zur Brust ziemlich prall gewesen war – genau dem Nordpfälzer Schönheitsideal entsprechend.

Er verdrängte die Gedanken an früher, atmete tief durch und schaute nach rechts. Die Mappe mit den kyrillischen Buchstaben lag auf dem Beifahrersitz. Er hatte sie bei seinen Ermittlungen – er scheute sich, das Wort „Einbruch“ auch nur zu denken – in der Radarstation hart erkämpft. Im letzten Moment war er Richtung Ludwigsturm geflüchtet; beim Blick über die Schulter hatte er gerade noch gesehen, wie ein Militärfahrzeug vor der Station zum Stehen kam.

Seinem Instinkt folgend, der ihn bislang stets in die Irre geführt hatte, war Weichmeier an der Abzweigung Bastenhaus – der am schlechtesten einsehbaren Einmündung im gesamten Kreis – Richtung Rockenhausen abgebogen. Er wollte einen alten Bekannten besuchen, vielleicht wusste man auf der anderen Seite des Berges mehr über die mysteriösen Vorgänge auf dem Gipfel der Pfalz.

Weichmeier stellte sein Auto auf dem Rognacplatz ab. Wann hatte er seinen Kumpel Kurt Pfälzle das letzte Mal besucht? War es zehn Jahre her? Oder doch schon 15? Beim Gang durch den Schlosspark kam ihm Adelgunde wieder in den Sinn: Hier hatten sie in in den 70ern so manche laue Sommernacht verbracht. Weichmeier schüttelte sich, bog in die Schlossstraße ein und stand vor einem geschwungenen Eisentor. In dem schmucken Fachwerkhaus brannte noch Licht. Bestimmt tüftelte Kurt wieder an einem der zahlreichen Uhren, mit denen er die „Galerie für Frist“ zu einem bekannten Museum im Land gemacht hatte. Kurt war einer jener Menschen, die stets auf der Höhe des Geschehens waren. Wenn jemand was wusste, dann er.

Pfälzle saß in einem großen Raum mit einem Schraubenzieher und einer kleinen Taschenuhr in den Händen am Tisch, um ihn herum tickte, surrte und pendelte es. Ob das drei Meter lange, um 1800 erbaute Turmuhren-Werk oder die Amsterdamer Uhr von 1750, die auch Ebbe und Flut anzeigte – hier war ein Schmuckstück neben dem anderen zu finden. Alles drehte sich um die Zeit. Schon kurios, dachte Weichmeier, schließlich war diese Fahrt für ihn selbst eine Zeitreise.

Kurts Vollbart war noch etwas grauer geworden, doch die Augen blitzten hellwach wie eh und je durch die große Brille. „Mensch, Walter, des is e Überraschung!“ Pfälzle und Weichmeier umarmten sich innig, tauschten sich aus, plauderten über die Familie – bis der Wieder-im-Dienst-Polizist den Grund seines Kommens erklärte. Der Leiter der „Galerie für Frist“ hörte geduldig zu, seine Miene verfinsterte sich. „Das passt ins Bild! In der Tat habe ich auch schon überlegt, dich anzurufen – dann ist mir eingefallen, dass ich ja im ,Rundblick’ gelesen habe, dass du in Pension bist.“

Als Naturliebhaber sei er oft auf dem Donnersberg unterwegs, berichtete Pfälzle. Nicht zuletzt um aufzupassen, dass nicht wieder ein Windrad aufgestellt werde. „Die verspargeln uns die ganze Landschaft“, jammerte er. Im Gegensatz zum wesentlich pragmatischeren Weichmeier hatte sich Kurt schon immer für grundsätzliche Dinge eingesetzt. Allen voran für das Wohl „seines“ Städtchens Rockenhausen.

Jedenfalls hatte Pfälzle bei einem Spaziergang vor der Radarstation mehrere Militärfahrzeuge entdeckt. „Und aus dem Gebäude ist ein sehr helles, irgendwie künstliches Licht nach draußen gedrungen. Das war richtig unheimlich, Walter.“ Nur zwei Tage später seien dann zwei dieser Fahrzeuge durch die Innenstadt gerollt. „Ich stand gerade mit dem Rundblick-Fotografen Gerd Gabel an der Luitpoldlinde – zum Glück hatte der seine Kamera umhängen und hat spontan ein Bild gemacht.“ Anhand dieser Aufnahme habe er recherchieren können, dass es sich bei diesem Fahrzeug-Typ um einen GAZ-3937 Wodnik handelte – ein bewaffneter russischer Mehrzweckgeländewagen. Weichmeier nickte grimmig.

„In der Stadt ist das Gesprächsthema Nummer eins“, sagte Pfälzle weiter. Wilde Gerüchte gingen herum: Haben sich vielleicht die Meisenheimer und die BI Alternative Fusion mit den russischen Altkommunisten verbündet, um sich nach der VG Alsenz-Obermoschel nun auch Rockenhausen unter den Nagel zu reißen? Weichmeiers Überlegungen gingen in eine ganz andere Richtung: Er war nun fest davon überzeugt, dass ein internationales Gangstersyndikat die Mozart-Orgel vom Donnersberg aus mit einem Hubschrauber außer Landes bringen wollte. Er musste jetzt schnellstens jemanden finden, der das russische Kauderwelsch entziffern konnte. Beim Einsteigen dachte er ein letztes Mal an Adelgunde. Dann brauste er im Dunkeln Richtung Kirchheimbolanden davon.

 

Fortsetzung folgt

 

Liegt Weichmeier ausnahmsweise mit seiner Vermutung richtig? Wer kann ihm helfen, die dubiosen russischen Aufzeichnungen zu entziffern? Morgen erfahren Sie mehr. Alle Folgen des Advents-Krimis finden Sie auch auf www.rheinpfalz.de/adventskrimi.

Donnersbergkreis-Ticker