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Montag, 07. Januar 2019 Drucken

Kirchheimbolanden: Kultur Regional

Alles drin beim Heimspiel

Ditzner-Twintett überzeugt Fangemeinde mit musikalischer Schlagfertigkeit

Von Joerg Schifferstein

Erwin Ditzner am Schlagzeug und die Zwillinge Roland (links) und Bernhard Vanecek mussten dem begeisterten Publikum versprechen, im nächsten Jahr wieder zu kommen.

Erwin Ditzner am Schlagzeug und die Zwillinge Roland (links) und Bernhard Vanecek mussten dem begeisterten Publikum versprechen, im nächsten Jahr wieder zu kommen. ( Foto: J. Hoffmann)

«SIPPERSFELD.»Grandiose Musiker, expressive und experimentelle Klänge, ein großartig aufgelegtes Publikum: Beim Neujahrskonzert des Ditzner-Twintetts in Sippersfeld am Samstag stimmten alle nötigen Komponenten für einen besonderen Konzertabend. Donnernder Applaus, mehrere Zugaben, das Publikum war aus dem Häuschen von dem, was Bernhard (Posaune) und Roland (Tuba, Keyboard) Vanecek gemeinsam mit Schlagzeuger Erwin Ditzner in der Dorfgemeinschaftshalle boten.

Wichtig für das Verständnis zu diesem Konzert: Die drei Musiker verstehen sich durchaus als Orchester, das ein Multi-Klangerlebnis zu zaubern versteht, das die Bereiche Klassik, Funk, Jazz und stellenweise auch volkstümliche Musik umfassend abzubilden in der Lage ist. Diesem Verständnis wurde das außergewöhnliche Trio, das zum neunten Mal in Sippersfeld zum Neujahrskonzert antrat, und dies in jedem Fall auch ein zehntes Mal im Jahr 2020 tun möchte, in jeder Weise gerecht. Was auf der Bühne geschah, was zu hören war, wurde vom Publikum, das mittlerweile zur Fan-Gemeinde mutiert zu sein scheint, wahrlich gerne gutiert, die Zuhörer ließen sich auf den ungewöhnlichen Sound ein, brauchten keine Aufforderung zum Mitklatschen, lieferten bei einem Stück durch rhythmisches Händeschlagen sogar ihren Anteil an der Musik ab, selten ist dies in dieser Form bei vergleichbaren Konzerten zu beobachten. Schon früh zeigten sich einzelne Gäste, die zur Musik tanzten, niemand schien das zu stören, ein steifes Neujahrskonzert mit dem Ditzner-Twintett hatte wohl auch niemand erwartet. Für die drei Musiker war der Auftritt dann auch so etwas wie eine Heimkehr, ein Heimspiel würde es im Sport heißen.

Gleichwohl gab es doch die nötige Portion Klassik, um dem Anspruch Neujahrskonzert zu entsprechen. Wobei die drei Musiker mit dem Begriff Klassik recht locker umgehen. Da erklangen beispielsweise Auszüge aus der 40. Symphonie von Mozart im locker duftigen Rhythmus neu verpackt oder auch „Die Moldau“ (Smetana), die sich in dieser Interpretation allerdings über Stromschnellen im Fluss hinweg zu bewegen schien. Das ruhige Dahinfließen des Flusses, das Bedrich Smetana in seiner Komposition „Mein Vaterland“ beschreibt, bot bei diesem Vortrag Bernhard Vanecek an der Posaune, dem es fast in allen Fällen zukam, die melodiösen Parts des Programms darzubieten, während sein Bruder sich gemeinsam mit Erwin Ditzner am Rhythmus abarbeitete.

Schon beim Einzug in die Halle wurde klar, dass ein ungewöhnlicher Abend bevorstand. Roland Vanecek spielte eine indische Oberton-Flöte, zu der sein Bruder Bernhard einige sonore Grundtöne beisteuerte, nur ein kleiner Aspekt des Gesamterlebnisses, aber in jedem Fall Zeichen dafür, wie breit aufgestellt das Twintett zu musizieren in der Lage ist. Da erklingen beispielsweise „Market Place“ von Bert Kämpfer oder der Twintett-Funk, dem sich wiederum „Everywhere Calypso“ anschließt. Kreuz und quer mit System.

Und da es mit der Mikrofon-Anlage nicht wirklich gut klappt, kommt der Abend sogar weitgehend ohne Moderation aus. Echt hörenswert und im zweiten Programmteil herausragend „Schwarze Augen“, ein bekanntes russisches Volkslied. Heiter geht es beim Quietsche-Song mit den „Gaststars“ Chantalle, Horst und Klose zu. Erwin Ditzner spielt auf drei kleinen Schweinefiguren, die Quietsch-Töne erzeugen – sehr lustig. Ebenfalls die in komödiantische Ecke gehört „Winterzeit in Sippersfeld“ von Roland Vanecek, an Hape Kerkelings „Winterzeit in Wien“ angelehnt. „Als wir ankamen lag noch etwas weiße Pracht am Straßenrand, das hat mich inspiriert“, verrät Vanecek. Mit Norwegian Wood von den Beatles und Shanty von Béla Fleck geht das besondere Neujahrskonzert langsam zuende – oder besser gesagt, den reichlichen Zugaben und dem Versprechen der Neuauflage entgegen.

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