Karlsruhe „Wir rechnen mit steigenden Renten“

SPEYER. 17 Jahre war der aus Hannover stammende Jurist Hartmut Hüfken Leiter der Deutschen Rentenversicherung (DRV) in Speyer. In diesem Zeit hat der die alte „LVA“, wie die Rentenversicherungsanstalt früher genannt wurde, zu einem modernen Dienstleistungsbetrieb umgebaut. Nun geht er in Rente. RHEINPFALZ-Redakteur Stefan Keller hat mit ihm zum Abschied gesprochen.

Herr Hüfken, Sie sind Liebhaber von Armbanduhren. Wenn Sie jetzt darauf blicken, sehen Sie, dass Ihre Zeit bei der DRV abgelaufen ist. Was ist das für ein Gefühl?

Ein durchaus gutes. Weil die Veränderungen, die wir angestoßen haben, erfolgreich waren, dass die Mitarbeiter loyal mitgezogen haben, dass wir zusammen mit den Arbeitnehmern und für die Arbeitnehmer etwas erreicht haben. Wir fühlen uns angekommen und gut eingebettet in Speyer. Nach der Bilanz gefragt: Sicherheit des Systems, Altersarmut, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Ausbau des Standortes. Das waren doch wohl „Ihre“ zentralen Themen. Fehlt etwas in dieser Aufzählung? Der Erhalt unserer vier eigenen Reha-Kliniken, und diese in der angemessenen Form zu betreiben – im Blick auf die Patienten und die Mitarbeiter. Das fehlt in der Aufzählung. Das war mir von Anfang an ein genau so großes Anliegen. „Die Rente ist sicher, ihre Steigerung aber nicht“, haben Sie 2010 im RHEINPFALZ-Gespräch gesagt. Gilt das auch heute noch? Im Augenblick rechnen wir tatsächlich sogar mit steigenden Renten. Die Wirtschaftsdaten sind entsprechend. Aber es gibt auch schon Aussagen, wonach wir in zehn Jahren mit deutlichen Rückgängen zu rechnen haben. Ich sehe das genauso. Wobei man sagen muss, dass umlagefinanzierte Systeme immer deutlich robuster sein werden als Kapitalmarkt-finanzierte. Ich stehe zu unserem System, wenn auch Reformen notwendig sind. Erste Schritte sind immerhin eingeleitet. Herr Hüfken, Sie schätzen Ihre 1300 Mitarbeiter. Sie werden nicht müde, deren Leistung nach innen und nach außen zu unterstreichen. Was ist so toll an denen? Dass wir von Anfang an gemeinsam etwas verändert, die Mitarbeiter hinzugezogen haben. Wir haben Arbeitsgruppen gebildet, in denen zum Beispiel ein Arzt, Handwerker, Mitarbeiter der Poststelle und ich immer dabei waren. Die Gruppen haben die Themen auf den Tisch gebracht, bei denen wir etwas verändern mussten. Heute sind viele Dinge längst Standard wie Mitarbeiterbewertung, Teamarbeit, Mitarbeitergespräche. Wir haben ein durchaus positives Betriebsklima. Das lässt uns sogar extreme Herausforderungen wie 1000 angeordnete Überstunden bei Beratungsbedarf wie jüngst beim neuen Rentenpaket ohne Probleme bewältigen. Gibt es auch Tolles an den „Kunden“ der DRV? Kommen die ausreichend früh zur Information und Beratung? Durchaus. Aber das liegt auch an unseren eigenen Mitarbeitern. Wir haben uns in der Fläche neu aufgestellt, gehen auf die Menschen zu, klären auf, bieten die Renten-Informationen. Darin rechnen wir nicht nur aus, wie viel Rente jemand kriegt, sondern weisen auch auf Zusammenhänge hin wie steuerliche Folgen. Das kommt schon an bei unseren „Kunden“. Es kann nie genug Aufklärung geben. Bleiben Sie im Ruhestand in der Region? Sie wohnen in Dudenhofen. Die Tochter ist hier gut eingebunden in Schule und Freundeskreis. Sie würde sich wehren gegen Pläne der Eltern, in den rauen Wind an Nord- oder Ostsee zu ziehen. Nein, wir bleiben hier.

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