Wissembourg RHEINPFALZ Plus Artikel Seifenladen im Elsass: Lavendel ist besonders beliebt

An eine lange Tradition als Seifensieder knüpfen Bruno und Angelique Roessel an. Das Paar verkauft allerlei rund um Hygiene und
An eine lange Tradition als Seifensieder knüpfen Bruno und Angelique Roessel an. Das Paar verkauft allerlei rund um Hygiene und Düfte.

Das Erste, was man in dem Ladengeschäft „O Bon Savon“ wahrnimmt, ist ein Hauch von Vanille. Kein Wunder, in der Manufaktur werden Seifen, Duftöle oder Raumsprays in allerlei Variationen verkauft.

Mehr als 250 Sorten gibt es im Laden. Eröffnet haben Angelique und Bruno Roessel das Geschäft vor etlichen Jahren in dem grenznahen Städtchen im Elsass. Mittlerweile hat das Paar weitere Dependancen in Colmar, Haguenau und Saverne. „Wir kooperieren eng mit dem Maison du Savon de Marseille. Deren Qualitätsprodukt ist in ganz Frankreich bekannt. Aber inzwischen produzieren wir auch eigene Seifen“, sagt Bruno Roessel.

Ehe der Elsässer ins Hygiene-Business einstieg und seither seine Frau unterstützt, arbeitete er viele Jahre bei einer Spedition in Baden. Seine Gattin wiederum ist als gelernte Kosmetikerin vom Fach. Das Paar knüpft an eine lange Tradition in Frankreich an. Zünfte der Savonniers (Deutsch: Seifenmacher) sind bereits im 14. Jahrhundert nachgewiesen. Unter der Regentschaft Ludwig XIV. wurden die besten Seifensieder Europas für den Hof des Königs angeworben. Ab dem 16. und 17. Jahrhundert entstanden in ganz Frankreich zahlreiche Manufakturen.

Mit dem Einsetzen der Industriellen Revolution führten die kleinen Manufakturen allerdings nur noch ein Nischendasein, Fabriken und große Marken übernahmen die Führungsrolle. Doch zurück ins Hier und Heute. Welche Seife bei den Kunden am beliebtesten ist? „Ganz klar – die mit Lavendelduft. Besonders die Deutschen kaufen sie gerne“, so Bruno Roessel. Aber auch Jasmin, Vanille, Eisenkraut oder Chocolat seien in der Gunst weit vorne. Beliebt sei auch Seife mit Eselsmilch. „Darin soll ja schon Kleopatra gebadet haben. Nicht ohne Grund. Sie ist gut für empfindliche Haut, reich an essenziellen Fettsäuren und fördert die Zellerneuerung“, sagt Angelique Roessel. Die Ingredienzen für die Marseiller Seife – beispielsweise Lavendelöl – werden vorzugsweise in der Provence geerntet und verarbeitet. Aber auch Shea-Butter aus Afrika oder Seifen, die mit Arganöl, eines der wertvollsten Pflanzenöle der Welt angereichert werden, führen die Nordelsässer im Sortiment. Aleppo-Seife aus Syrien wiederum gilt als älteste Seife der Welt.

Seifenstück ist über 100 Jahre alt

Die Marseiller Savon, eine Sorte, die aus der Verseifung pflanzlicher Öle mit Soda resultiert, werde teilweise noch mit Rezepten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts hergestellt. Und schon hat Angelique Roessel Marseiller Seife in der Hand, die gut 100 Jahre auf dem Buckel hat. Trocken zwar, aber immer noch formschön und durchaus noch benutzbar. Jedoch reine Anschauungsobjekte, die an die lange Tradition der Seifenmacherei erinnern. Ganz wichtig ist dem Duo, dass ihre Seifen auf pflanzlicher Basis bestehen, wenig bis gar keine Konservierungsstoffe beinhalten und sich von Industrieprodukten abgrenzen. Meist hätten die Seifen Bioqualität, zudem wird auf Palmöl verzichtet. Die Kunden, die sich in dem Geschäft - gerade mal einige Schritte von der bekannten Patisserie-Chocolaterie Rebert entfernt - umsehen, orientieren sich meist am großen Wandregal mit Seifen in vielerlei Farb- und Duftnuancen und dem Marseille-Siegel.

Alles für feine Näschen

Drei verschiedene Seifenvarianten zählt das Paar auf: Gesichts-, Körper- und Haushaltsseife. Auch zum Beduften der Textilien im Kleiderschrank würden Seifen gerne benutzt. Einen Trend haben die Geschäftsinhaber längst in Aroma- und Raumsprays ausgemacht. Zudem kooperiert die Manufaktur im Nordelsass mit der berühmten französischen Parfümier-Hochburg Grasse. Ob nostalgisch anmutende Seifenspender in Keramikgehäuse oder Duftkerzen mit Holzdocht – für Menschen mit einem feinen Näschen gibt es hier allerlei zu entdecken. Eines ist in jedem Fall klar: Den Schritt in die Selbstständigkeit, hin zum Metier des Seifensieders hat das Paar, das ursprünglich aus Preuschdorf bei Soultz-sous-Forets stammt, bis heute nicht bereut, wie es einstimmig festhält

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