Karlsruhe „Mehr als ein Motorrad“

91-80939682.jpg

Thomas Gärtner sammelt und verkauft Harley-Davidson-Motorräder. Einige Exemplare leiht er dem Sinsheimer Auto- und Technik-Museum für eine Sonderausstellung.

So ganz in Worte fassen kann er es nicht, das Gefühl, das ihn überkommt, wenn er auf einer Harley sitzt. Natürlich sei da dieses „Freiheitsgefühl“ und der „Sound“ – aber genauer beschreiben, kann er es nicht. Klar ist, dass die Faszination groß sein muss: Thomas Gärtner ist nicht nur seit vielen Jahren Geschäftsführer von Harley Davidson Rhein-Neckar in Ludwigshafen, er besitzt auch eine große Sammlung ausgefallener, historischer und seltener Modelle. Er nennt sie „Motorräder mit Erfahrung“. Zwölf davon leiht er dem Sinsheimer Technik-Museum aus, in dem ab Samstag, 19. März, die Sonderausstellung „Harley – born to be wild“ zu sehen ist. Gärtner beginnt gerade damit, die Maschinen für den Transport in den Kraichgau vorzubereiten. Sie alle haben ihre ganz eigene Geschichte, eine allerdings dürfte etwas ereignisreicher ausfallen als die der anderen. Er zeigt auf eine Electra Glide, die schon ziemlich mitgenommen aussieht. „Baujahr 1985. Sie war bei der mexikanischen Polizei im Einsatz, ist gefahren, bis zum bitteren Ende.“ Zwar zeigt der Tacho 20.343 Meilen an, doch Gärtner ist sich sicher, dass die Maschine ein Vielfaches mehr auf dem Buckel hat: „Kann gut sein, dass das nicht mehr der erste Tacho ist.“ Was die Maschine alles mitgemacht hat, wen sie verfolgt hat, weiß er nicht. Ein Aufkleber mit der Aufschrift „Ciudad de Mexico“ (deutsch: Mexiko-Stadt) verrät, dass das Motorrad in der mexikanischen Hauptstadt im Einsatz war – einer Stadt, in deren Ballungsraum über 20 Millionen Menschen leben. „Ein bekannter Händler hat vor drei Jahren einen riesigen Schrottplatz in Mexiko entdeckt, wo dutzende Maschinen vor sich hin rotteten. Er hat sie ausgegraben und es tatsächlich geschafft, etwa 30 davon zu exportieren.“ Gärtner kaufte das Polizei-Modell. „Es kam in einem völlig desolaten Zustand hier an.“ Er zerlegte es in seine Einzelteile und arbeitete Motor, Getriebe, Räder und Bremsen wieder auf. Die Karosserie ließ er ganz bewusst im Originalzustand – Patina, die der Fantasie freien Lauf lässt. Auch in den USA sei Harley Davidson die bevorzugte Marke der Polizei. Warum? „Patriotismus! Und ein bisschen Prestige“, meint er. Einige Meter weiter wartet ein ganz anderes Modell darauf, aufgeladen zu werden: Eine umgebaute Sportster, gebaut Ende der 80er. „Damals sind wir – mehr zum Scherz – bei einem Dragster-Rennen auf dem Hockenheimring mitgefahren. Und, warum auch immer, sind wir tatsächlich vor dem japanischen Konkurrenten ins Ziel gekommen. Harleys waren früher ja als lahm verschrien. Der Ring hat getobt“, erinnert sich Gärtner. Er legte Hand an und aus einer Sportster – serienmäßig mit 50 PS und 800 Kubik – wurde eine Maschine mit 140 PS und 1600 Kubik, die er auf den Namen „Schneckster“ taufte. Gärtner: „Wir neigen zu Untertreibungen.“ Er selbst ging bei Rennen mit der Maschine nie an den Start. Der Grund leuchtet ein: „Der, der baut, soll nicht fahren, weil er im entscheidenden Moment zumacht. Der, der nur fährt, lässt offen – ohne Rücksicht auf das Material. Da zählt nur der Siegeswille.“ Die „Schnecke“ war erfolgreich auf deutschen, holländischen und österreichischen Rennstrecken unterwegs. Jetzt geht es nach Sinsheim. Gärtner hat unzählige Maschinen. Zu jeder kann er eine Geschichte erzählen. Sein ältestes Modell (WL 750) ist aus den frühen 40ern, sein ältester Motor von 1923, ein Einzylinder und eine „absolute Rarität“. „Für andere ist so was nicht mehr als ein Haufen Schrott“, sagt er. Für Gärtner ist es viel mehr. „Eine Harley ist mehr als ein Motorrad. Sie ist Lebensgefühl. Klar, auch andere Maschinen sind technisch ausgereift und bringen dich von A nach B. Aber eine Harley ist dazu da, auf diesem Weg Spaß zu haben.“ INFO Vom 19. März bis 10. Januar sind in der Sonderausstellung „Harley – born to be wild“ im Sinsheimer Auto- und Technik-Museum Modelle aus der über 100-jährigen Geschichte der Harley Davidsons zu sehen. Besichtigungszeit: 9 bis 18 Uhr.

x