Karlsruhe Herr Bartels geht wählen

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Lauterbourg. Frankreich wählt. In 37.000 Kommunen stimmen die Menschen am Sonntag über die Besetzung der neuen Gemeinderäte ab. Der Deutsche Dietlev Bartels ist in seiner Wahlheimat Lauterbourg (2200 Einwohner) nicht nur als Wähler, sondern auch als Wahlhelfer dabei.

Wenn um Punkt 8 Uhr der „Salle des Fête“, der Lauterbourger Festsaal, für die Wähler öffnet, wird Dietlev Bartels eine wichtige Rolle bei dieser Kommunalwahl spielen. Er steht an der gläsernen Wahlurne und öffnet auf Kommando deren Schlitz. Jeder Wähler wirft seinen Stimmzettel ein. Und Bartels ruft jedes Mal laut „A voté!“ durch den Saal: „Hat gewählt!“ Bis 10 Uhr kommt ihm diese Aufgabe zu. Nach Schließung der Wahllokale und 18 Uhr gehört er zu den Stimm-Auszählern.

Der 62-Jährige weiß genau, was ihn erwartet. Er war als Helfer schon mehrfach bei Kommunal- und Europawahlen dabei. Vor wenigen Tagen hat ihn Bürgermeister Jean-Michel Fetsch erneut bestellt. „Ich gelte in Lauterbourg als Vorzeige-Deutscher“, vermutet Bartels. Was auch daran liegen dürfte, dass er ein erfolgreiches Buch mitverfasste: „Elsaß für Neubürger“. Darin sind Tipps für Übersiedler zu finden. Es erschien in zwei Auflagen, beide sind heute vergriffen.

Sogar das französische Fernsehen wollte danach von Bartels wissen, wie es sich als Deutscher in Frankreich lebt. „Anfangs war es problembeladen“, erzählt er. „Aber mittlerweile haben wir uns integriert“. Wir – das ist Ehefrau Sigrid und ihre zwei Töchter von 12 und 16 Jahren.

Zu Beginn der 1990er Jahre wollte das Ehepaar, damals in Karlsruhe wohnend, ein Haus erwerben und stieß auf ein 100 Jahre altes Haus in Lauterbourg. „Kauft das sofort, sonst ist es weg“, rieten Freunde. Viel war zu renovieren. „Es war schwer sich vorzustellen, wie schön es einmal aussehen könnte. Mein Schwiegervater hat eine halbe Stunde lang nur ,Oje’ gerufen.“

Mit der Zeit fand das Paar Anschluss im Ort. „Heimat ist dort, wo man wohnt“, sagt Bartels. Anfangs sei man „mit großer Vorsicht“ von den Lauterbourgern aufgenommen worden. „Mittlerweile sind wir die dicksten Freunde.“ Auch als Saxofon-Musiker ist der gebürtige Odenwälder vielen ein Begriff. Er spielte lange in einer deutsch-französischen Jazzband namens „Tarte flambée“ und war einer der Organisatoren des Lauterbourger Frühlingsfestivals „Fête de la Musique“.

Politisch ist Bartels hingegen kaum in Erscheinung getreten. Weil er für einen Karlsruher Stromversorger arbeitet, trat er lediglich einer Kommission für Energieeffizienz bei. Obwohl er theoretisch dürfte, ist es ihm aber nie in den Sinn gekommen, für den Lauterbourger Gemeinderat zu kandidieren. Er sei schließlich noch immer Gast, betont der 62-Jährige. „Ich bin kein Franzose, sondern Deutscher“. Als solcher freut er sich, am Sonntag als Wahlhelfer einen „Beitrag für die Gemeinschaft“ leisten zu dürfen.

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