Karlsruhe Grundlagen der Roboter-Programmierung

Hinter den schützenden Glasverkleidungen wirken die vier weißen Roboterarme des Augsburger Maschinenbauunternehmens KUKA wie Ausstellungsstücke in einem Technikmuseum. Doch Anfassen ist hier ebenso erlaubt wie das selbstständige Programmieren von Armen und Greifern. Werden die richtigen Befehle eingegeben, schnappen sich die Roboterarme nämlich einen Buntstift und schreiben den Firmennamen auf ein Blatt Papier.

„Hier können die Studenten die Grundlagen der Roboterprogrammierung experimentell erlernen“, freut sich Christian Wurll von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft (HsKA). Die vier baugleichen Schulungszellen des Modells „Ready2_educate“ sowie die dazugehörigen Rechner sind nämlich das Herzstück des neuen Industrie-Roboter-Labors auf dem Hochschulcampus an der Moltkestraße. Seit dem Beginn dieses Wintersemesters können sich dort die angehenden Wirtschaftsingenieure an der Roboterprogrammierung versuchen und im Wahlfach „Industrie-Roboter-Labor“ Punkte für den Bachelor-Abschluss sammeln. Außerdem können die Studenten nach der bestandenen Prüfung noch ein Trainingszertifikat bei KUKA erwerben: „Diese Zertifikate haben in vielen Firmen einen sehr hohen Stellenwert“, betont Wurll. Deshalb sei das Roboter-Labor auch ein wichtiger Standortfaktor für die Hochschule. „Die jungen Leute überlegen heute sehr genau, wo sie studieren wollen“, sagt Wurll, und gerade die Themen Digitalisierung, Automatisierung sowie Robotik seien derzeit besonders stark nachgefragt. Künftig sollen jährlich rund 200 Studenten aus mehreren Fachrichtungen in den Genuss der Laboreinheiten kommen. Das von Wurll initiierte Labor ist nämlich ein echtes Gemeinschaftsprojekt und kann auch von den Fakultäten für Elektro- und Informationstechnik (EIT), Informatik und Wirtschaftsinformatik (IWI) und Maschinenbau und Mechatronik (MMT) genutzt werden. 70.000 Euro haben die vier beteiligten Fakultäten in die Einrichtung des Roboter-Labors investiert, 30.000 Euro steuerte noch der Verbund der Stifter der Hochschule zur Realisierung des Labors bei. Im Wintersemester 2018/19 organisieren die beteiligten Fakultäten noch ihre eigenen Laborveranstaltungen. „Künftig wollen wir aber auch Laboreinheiten für Studenten aus verschiedenen Fakultäten anbieten. Dafür muss aber zunächst einmal die Prüfungsordnung entsprechend verändert werden“, sagt Wurll. „Automatisierung und Industrie 4.0 können nur durch eine Zusammenarbeit von Experten aus den verschiedenen Fachrichtungen gelingen“, weiß Wurll aus seiner langjährigen Erfahrung beim Roboterbauer KUKA. Auch dort habe erst vor wenigen Jahren ein Umdenken begonnen und mittlerweile seien in der Entwicklungsabteilung genauso viele Informatiker und Elektrotechniker beschäftigt wie Maschinenbauer. Doch auch in der Wirtschaft herrscht nach Wurlls Einschätzung bei den Themen Digitalisierung und Industrie 4.0. noch Nachholbedarf. „Die großen Firmen haben die Zeichen der Zeit erkannt und treiben die Entwicklungen mit viel Geld und Personal voran“, sagt der promovierte Elektrotechnikingenieur. Doch im Mittelstand fehlten den Unternehmen sowohl die finanziellen Mittel als auch das fachliche Know-How für passgenaue Innovationen. „Viele Firmen stehen da fast verloren da“, betont Wurll. Für eine Verbesserung der Situation könnten seiner Ansicht nach einheitliche Standards sorgen. „Dann sprechen die Maschinen zumindest mit einer Sprache“, so Wurll. Im Netz www.hs-karlsruhe.de

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