Karlsruhe Einfach mal blau machen

Töpferin beim Bemalen von Krügen im typischen Design.
Töpferin beim Bemalen von Krügen im typischen Design.

Bei Betschdorf denkt man sofort an die Töpferwaren aus dem Elsass. Die 4000-Einwohner-Gemeinde am Rande des 14.000 Hektar großen Haguenauer Forstes feiert in diesem Jahr 300 Jahre Töpferei und lädt heute zu ihrem Töpferfest und einer „Nacht der Keramik“ ein.

Seit drei Jahrhunderten ist Betschdorf durch sein blau-graues salzglasiertes Steinzeug weithin bekannt. Nach dem Ende des 30-jährigen Krieges, der die Region um Betschdorf schwer in Mitleidenschaft gezogen hatte, waren es Anfang des 18. Jahrhunderts Steinzeugtöpfer aus dem Rheinland, genauer gesagt aus dem Kannenbäcker Land im Westerwald, die sich hier ansiedelten. Im nahegelegenen Haguenauer Forst fanden sie die benötigten Rohstoffe wie Ton und Holz. Trotz mehrerer Krisen konnte man noch zur Jahrhundertwende 70 Töpfereien in Betschdorf zählen. Derzeit existieren jedoch nur noch fünf Töpferbetriebe, die das alte Handwerk bewahren. Die Betschdörfer Ware wird heute noch auf der Drehscheibe von Hand gewirkt. Das angetrocknete Geschirr wird mit einem eingeritzten Dekor versehen und kobaltblau bemalt. Zuletzt wird die Ware gebrannt und erhält bei 1250 Grad eine Salzglasur. Dieses Verfahren wurde bereits vor Tausenden von Jahren in China angewandt und ist erst im Mittelalter nach Europa getragen worden. Im 16. Jahrhundert waren es insbesondere die Töpfer im Westerwald, die ihr Geschirr zur Aufbewahrung von Vorräten so herstellten. Einer der ersten Töpfer, dessen Name in Kirchenarchiven gefunden wurde, war ein gewisser Spitz, der 1717 als Geschirrhändler und 1720 als Krugmacher erwähnt wurde. Doch erst im Jahre 1734 haben sich Peter Wingerter und Johannes Krummeich aus dem Westerwald in Betschdorf niedergelassen und ihre Töpferwerkstätten eröffnet. Viele weitere Töpfer zog es aus dem Rheinland nach Betschdorf, wo es Ende des 18. Jahrhunderts bereits 20 Werkstätten gab. Nach der Französischen Revolution florierte die Wirtschaft in Betschdorf und weitere Töpferhandwerker sie Remmy, Schmitter oder Burger siedelten sich an. Doch andere Materialien kamen auf den Markt und auch die Konservierung von Lebensmitteln änderte sich, was für das Betschdorfer Steinzeug weniger Absatz bedeutete. Heute wird die blau-graue salzglasierte Keramik meist nur noch für Dekorationszwecke verwendet. Doch 300 Jahre Töpferhandwerk sind allemal ein Grund zum Feiern, weswegen sich die Betschdorfer Hauptstraße in eine Festmeile verwandelt. Ein Kunstmarkt, auf dem Töpfer aus dem ganzen Elsass ihr Handwerk vorstellen, sowie ein Markt mit regionalen Produkten laden zum Bummeln ein. In den Höfen werden sich die Betschdorfer Vereine mit ihren elsässischen Spezialitäten präsentieren. In den drei Töpferwerkstätten von Maurice Schmitter, Loys Ruhlmann und Mathieu Rémy können die Besucher den Handwerkern über die Schulter schauen und selbst den Ton auf der Drehscheibe formen. Ab 20 Uhr wird es stündlich kleine Aufführungen der Betschdorfer Theatergruppe geben, die die Geschichte um Töpfer Spitz erzählt. Im Netz www.tourisme-haguenau-potiers.com/de
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