Karlsruhe Billiges Öl beschert Absatzplus
Im Jahr 2016 schickte die Miro nach Worten des Geschäftsführers Ralf Schairer so viel Diesel, Benzin und andere Mineralölprodukte auf die Reise, wie seit Jahren nicht mehr. Trotz Ausfall der Propylen-Pipeline zur BASF und obwohl die Pegelstände auf dem Rhein logistische Probleme mit sich brachten, verließen 14,9 Millionen Tonnen (2015: 13,3 Millionen Tonnen) Mineralölprodukte die Raffinerie. Dank der günstigen Marktsituation und der sehr hohen Anlagenverfügbarkeit seien die Miro-Anlagen weitestgehend voll ausgelastet gewesen. Der Umsatz lag bei 4,5 Milliarden Euro, rund 100 Millionen Euro mehr, als in den Jahren zuvor. Im Einzelnen verließen 5,2 Millionen Tonnen Benzin, 4,4 Millionen Tonnen Diesel und 2,5 Millionen Tonnen leichtes Heizöl die Raffinerie. Für die deutsche Mineralölindustrie war das abgelaufene Jahr ein ordentliches Jahr. Erstmals seit Jahren habe der Mineralölabsatz auf 106 Millionen Tonnen (plus 1,8 Prozent) wieder leicht zugenommen und auch von dem prophezeiten, baldigen Ende des Dieselmotors könne keine Rede sein. Der Dieselabsatz stieg vielmehr überproportional um 4,6 Prozent an und auch der Benzinverkauf an den Tankstellen sei erstmals seit Jahren nicht zurück gegangen. Das „billigste Tankstellenjahr seit sieben Jahren“ habe offensichtlich zu mehr Autofahren verführt. Nachdem die OPEC und Russland die Ölfördermengen nun aber begrenzt haben, müssten sich die Verbraucher aber wieder auf höhere Preise einstellen. Langfristig würde der Markt ohnehin immer weniger Mineralölprodukte brauchen, hinzu kämen bereits bestehende Raffinerieüberkapazitäten, die sich durch zusätzliche Kapazitäten vor allem im Mittleren Osten noch erhöhen würden. Auch neue Vorgaben der Politik bereiten Probleme, wie Schairer sagt, wobei das Land Baden-Württemberg eine neue EU-Richtlinie sogar noch verschärfen wollte. Dies hätte zusätzliche Benachteiligungen der heimischen Industrie selbst im europäischen Vergleich mit sich gebracht, doch inzwischen habe Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel zugesagt, dass es gegenüber den europäischen Vorgaben keine weiteren Verschärfungen geben wird. Weiter verbessert hat sich die Energieeffizienz der Miro, wobei sich vor allem die Kooperation mit den Stadtwerken Karlsruhe zum Erfolg beigetragen hat. Inzwischen werden 30.000 Karlsruher Haushalte mit Raffinerieabwärme beheizt, rund 100.000 Tonnen Kohlendioxid könnten auf diese Weise jährlich eingespart werden. Im laufenden Jahr stehe die Erneuerung der Cocker-Anlage auf dem Programm. Zwei jeweils 400 Tonnen schweren Behälter würden durch neue ersetzt, die derzeit in Spanien gefertigt würden. Das Projekt, das in rund einem Jahr abgeschlossen sein soll, habe ein Volumen von 75 Millionen Euro und sei somit ein klares Bekenntnis zum Standort Karlsruhe.