Kaiserslautern Zwerge und Zauberer im Hütchenwald

Liebt seine Arbeit mit den Kindern und lässt sich immer wieder was Neues für sie einfallen: Bambinitrainer Benjamin Paul.
Liebt seine Arbeit mit den Kindern und lässt sich immer wieder was Neues für sie einfallen: Bambinitrainer Benjamin Paul.

Sporthelden der Corona-Krise: Benjamin Pauls Bambini sind fußballverrückt und im Lockdown doppelt bestraft. Sie dürfen nicht raus, und klassisches Videotraining ist mit Drei- bis Fünfjährigen schwierig. Der Trainer des FV Kindsbach hat trotzdem eine Lösung gefunden, die alle begeistert. Bei ihm werden die Jungs und Mädchen zu Zauberern, Zwergen, Safariforschern und Skirennfahrern.

„Zwerge, seid ihr bereit?“, fragt Benjamin Paul in die Runde. „Jaaaaa!“, schallt es über den Rasenplatz des FV Kindsbach. Rund ein Dutzend Kinder scharen sich um ihn und sind gespannt auf das, was jetzt kommt. Die meisten sind Zwerge, ein paar sind Zauberer. Der Trainer gibt das Startsignal, und die Zwerge dribbeln mit ihrem Ball durch einen Hütchenwald, versuchen am Ende, ein Hütchen umzuschießen. Die Zauberer zaubern die umgefallenen „Bäume“ wieder hin. „Die Zwerge sind schnell“, lobt Paul die eifrig dribbelnden Fußballer und feuert die Zauberer an. Alle sind begeistert, und am Ende will jeder mal freiwillig Zauberer sein und die Hütchen aufstellen.

Nils (5) hat rote Bäckchen und seine Augen strahlen, als er kurz bei seinen Eltern vorbeischaut. Er ist glücklich, dass er wieder Fußball spielen darf. Er nimmt schnell einen Schluck aus seiner Trinkflasche und sprintet wieder los zu dem Trainer, der geholfen hat, dass der Lockdown nicht ganz so schlimm war, wie er hätte sein können.

Wenn das Handy piepst

„Er ist im Lockdown am Ball geblieben, hat die Kinder mitgerissen“, lobt Nils’ Mutter, Kerstin Spiegel-Ochmann, den Trainer ihres Sohnes. Benjamin Paul habe es geschafft, dass die Drei- bis Fünfjährigen der G2 die Zeit ohne Fußball überstehen, miteinander in Kontakt bleiben und daheim altersgerecht trainieren konnten. Jede Woche gab es einen Themenschwerpunkt. Per WhatsApp kam die Anleitung mit Videos, die die Übungen erklärten. Die Eltern zeigten sie ihren Kindern, filmten die Kleinen beim Üben und schickten den Mitschnitt an Paul, der daraus einen etwa zweiminütigen Clip bastelte, die Sequenzen aller Kinder zusammenschnitt und mit Musik unterlegte.

Das Training war so weiter ein fester Termin in der Woche, ein Event, auf das alle hinfieberten, erzählt Spiegel-Ochmann. „Nils hat immer gefragt, wie viele Tage müssen wir noch schlafen. Und wenn mein Handy gepiepst hat, hat er gesagt, schau mal nach, das ist bestimmt für mich.“

Der Plan

Kerstin Spiegel-Ochmann ist begeistert von dem, was Paul den Kindern an die Hand gab. Sie ist selbst Lehrerin und sagt „methodisch, didaktisch, wie das aufgebaut ist, das hat mir sehr gefallen.“

Paul will für sein Training eigentlich gar kein Lob haben oder zumindest nicht für sich allein. Er gibt es weiter an den Jugendkoordinator Sascha Fischer und seine Trainerkollegen. Sie alle hätten gemerkt, dass Kinder die Bewegung bräuchten. „Sie haben viel Energie. Wir wollten sie in Bewegung halten und haben uns gefragt, wie wir sie erreichen können.“ Fischer stellte einen Wochentagsplan auf, Challenges wurden ausgerufen. Und Paul hatte die Idee mit den Videos, die Eltern von ihren Drei- bis Fünfjährigen drehen, ihm schicken und als Sammelvideo wiederbekommen. „Ich habe mit der F2 mit einer Videokonferenz angefangen, das hat gut funktioniert, dann habe ich die Kleinen mitgenommen.“

Der Bär im Wohnzimmer

Er dachte sich Übungen aus, die speziell auf die Jüngeren zugeschnitten waren. „Wir haben zum Beispiel eine Safari durchs Wohnzimmer gemacht“, sagt er und erzählt von einem Eierlauf über Kissen, Anschleichen auf Zehenspitzen, weil im Gebüsch ein Bär lauerte, vom Springen über einen Fluss und über Steine.

Für ihn war das alles nur eine Zwischenstation, die den Kindern helfen sollte, am Ball zu bleiben. Das letzte Training war an Halloween, von dem schwärmen die Bambini heute noch. Sie durften verkleidet kommen, bekamen eine Naschtüte. Dann kam Weihnachten, und plötzlich stand ihr Trainer vor der Haustüre. Die Eltern wussten Bescheid, als er klingelte. Er unterhielt sich mit den Kindern, überreichte ihnen ein Päckchen, in dem ein Pullover mit der Aufschrift FV Kindsbach war.

Zwerge im Wald

Wie er wollten auch die Jungs und Mädchen eigentlich nur eins: wieder rausgehen und zusammen trainieren. Mitte März war es endlich soweit. Das erste Training stand an. Nils war aufgeregt. Seine Fußballschuhe waren inzwischen zu klein geworden, seine Eltern hatten schnell mit ihm neue gekauft, unter Corona-Bedingungen. Jetzt stand er auf dem Rasen und war ein Zwerg im Hütchenparcours.

Paul, der als Automatisierungstechniker arbeitet und das mit den Videos und dem Training einfach nur gern macht, weiß, wieviel Spaß Fußball machen kann. Der 39-Jährige, der aus Kindsbach stammt, hat früher selbst beim FV Kindsbach gespielt, zwei Spielzeiten davon in der A-Klasse, im defensiven Mittelfeld und als Verteidiger. Dann kam er durch seinen Sohn zum Training. Der wollte in der F2 anfangen, doch es gab keinen Übungsleiter. Paul sprang ein. „Am Anfang war es komisch, aber es hat irren Spaß gemacht.“ Als der jüngere Jahrgang dazukam, übernahm er auch den und trainierte die F2 weiter. Sein Sohn ist inzwischen sieben, und jetzt drängt seine Tochter, will unbedingt mit ins Training. Sie ist drei. „Bald darf sie“, verspricht ihr Vater und wendet sich dann wieder den Zwergen auf dem Rasen zu, die mit leuchtenden Augen und Feuereifer durch die Bäume dribbeln.