Kaiserslautern
Zum letzten Heimspiel des 1. FC Kaiserslautern kommen die Pokalsieger von 1996
Freitag, 8. Mai, 18.30 Uhr: Letztes Saison-Heimspiel für den 1. FC Kaiserslautern, der in einer insgesamt miserablen Rückrunde die große Chance verspielte, für einen der drei Plätze an der Sonne in Frage zu kommen. Platz 7 war es am Ende 2024/25. Platz 7 ist auch jetzt Realität. Damit wird das Saisonziel, besser als im Vorjahr durchs Ziel zu gehen, mutmaßlich verfehlt. Zu Gast auf dem Betze am vorletzten Zweitliga-Spieltag ist Arminia Bielefeld. Der Tabellen-13. hat nur zwei Punkte Vorsprung vor Fortuna Düsseldorf auf dem Relegationsplatz und Greuther Fürth auf Abstiegsplatz 17.
„Zeigen, was eine wirkliche Betze-Mannschaft ausmacht“
Der FCK verlor seine drei letzten Spiele gegen die Abstiegskandidaten Holstein Kiel (0:3), Eintracht Braunschweig (0:2) und Dynamo Dresden (0:1) herzlos, kopflos und chancenlos. Mit Blick auf das letzte Heimspiel im eigenen Stadion, wo in dieser Runde nie weniger als 41.145 Zuschauer kamen, schwört Trainer Torsten Lieberknecht seine Mannschaft, die zuletzt nur ein lustloses Sammelsurium von Ich-AGs darstellte, mit klaren Worte ein, noch einmal zu zeigen was eine wirkliche Betze-Mannschaft ausmacht: „Ich habe den Jungs gesagt: Unabhängig von der aktuellen Situation soll die Mannschaft insbesondere das letzte Heimspiel mutig und intensiv angehen, um unseren Fans etwas zurückzugeben. Die Spieler sollen noch einmal alles, was sie haben, raus hauen, auch um sich selbst am eigenen Stolz zu packen. Es geht einfach darum, den Fans noch einmal alles, was man geben kann, zu zeigen.“
Trainer Eckhard Krautzun (85) und 13 Spieler aus dem Kader, der am 25. Mai 1996 durch ein 1:0 gegen den Karlsruher SC den DFB-Pokal gewann, haben die Einladung angenommen und sind beim Spiel gegen die Bielefelder als Zuschauer auf dem Betze. Von den Pokal-Helden von 1996 kann die aktuelle Mannschaft lernen, wie man mit Krisen umgeht. Vor 30 Jahren, eine Woche nach dem erstmaligen und sehr unglücklichen Abstieg aus der Bundesliga, gewann der FCK den DFB-Pokal mit viel Herz und großem Willen.
Die Mannschaft war mental am Boden, bewies aber Charakter! Mit einer Monstergrätsche half Axel Roos, der zur Belohnung mit dem Pokal schlafen gehen durfte, in Unterzahl den Sieg zu retten. Kapitän Andreas Brehme hatte in der 73. Minute Gelb-Rot gesehen. Das goldene Tor gelang Martin Wagner in der 42. Minute im Regen von Berlin. Roos, heute 61, wie Roger Lutz schon 1990 mit dem FCK Pokalsieger geworden, erinnert sich gerne an den Coup den folgende 14 Spieler perfekt machten: Andreas Reinke, Harry Koch, Miroslav Kadlec, Oliver Schäfer, Frank Greiner, der heutige Geschäftsführer Thomas Hengen, Axel Roos, Uwe Wegmann, Andreas Brehme, Martin Wagner, Pavel Kuka, Claus-Dieter Wollitz, Olaf Marschall, Roger Lutz. Auf der Bank saßen Gerald Ehrmann und Jürgen Rische.
Abgestiegen und den Pokal gewonnen
„Das war eine komische Zeit. Wir sind abgestiegen, haben den Pokal gewonnen. Es war kurz vor der EM in England, niemand konnte wissen, dass wir mit Tschechien ins Endspiel gegen Deutschland kommen würden“, erinnert sich Pavel Kuka, der am Freitag mit FCK-Kult-Libero Kadlec nach Lautern kommen wird. „Das Finale in Berlin war nicht einfach – eine Woche nach dem Abstieg. Aber es wurde zu einem der schönsten Erlebnisse meiner Karriere. Manchmal passieren Dinge im Fußball, die man nicht erklären kann. Wir sind ein Jahr vorher mit fast der gleichen Mannschaft fast Meister geworden, steigen dann ab, holen den Pokal und werden zwei Jahre später Meister“, sagt Kuka, der sich auf das Wiedersehen mit den alten Mannschaftskameraden freut. Zugesagt haben neben Kuka, Kadlec, Gastgeber Hengen und Ex-Trainer Krautzun auch Roos, Reinke, Greiner, Koch, Thomas Riedl, Wollitz, Wagner, Marschall, Marco Reich und Christoph Dengel.
„Den FCK würde ich lieber in der Bundesliga sehen, wo er mit diesen Fans und diesem Stadion auch hingehört. Es dauert aber schon so lange. Warum weiß ich nicht“, sinniert Kuka, der in 118 Erst- und Zweitligaspielen 53 Tore für die Roten Teufel erzielte. „Die 2. Liga ist brutal“, sagt Kuka, inzwischen 58, der eine Spielerberatungsagentur führt. Hat er Verstärkungen für „seine“ Lauterer? „Es ist schwer, gute Spieler in der 2. Liga zu finanzieren. Die guten Spieler verdienen auch hier schon sehr gut“, sagt der frühere Torjäger.
Unser Autor
Im „Betze-Geflüster“ greifen wir Begebenheiten am Rande der Spiele des 1. FC Kaiserslautern auf. Horst Konzok war mehr als ein Vierteljahrhundert Ressortleiter der RHEINPFALZ-Sportredaktion. Er ist ein intimer Kenner der Roten Teufel.




