Kaiserslautern Zugpferde jetzt in der Mall

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Nach der Mall-Eröffnung ist die Eisenbahnstraße zweigeteilt. Je weiter es Richtung Bahnhof geht, desto weniger Laufkundschaft lässt sich in den Läden blicken. Hier fehlen besonders die zur Mall abgewanderten Zugpferde Aldi und C&A. In Mall-Nähe ist die Lage deutlich entspannter.

„Hier ist tote Hose“, beschreibt Mohammad Farahi, Inhaber des Elektroshop in der Eisenbahnstraße, die Situation in den ersten Wochen nach der Mall-Eröffnung. Davor seien noch viele Leute vorbeigekommen und auch mal in seinem Laden gelandet. Von seinen Stammkunden sei ihm nur etwa die Hälfte geblieben. Das könne auf Dauer existenzbedrohend sein. Schon die laufenden Kosten zu decken, bereite inzwischen Schwierigkeiten. „Die Miete ist da, die Kundschaft ist weg“, betont Farahi. Die Mall sieht er daher einfach nur als Bedrohung für seinen Laden. Und nicht nur seit der Eröffnung. Denn die Zugpferde für die Eisenbahnstraße seien mit Aldi und C&A verschwunden – die bringen jetzt ihre Ware in der neuen Mall an den Kunden. „Dass Aldi weg ist, ärgert die ganze Straße“, sagt der Geschäftsführer von Lunagold, Muhammet Karadeniz. Seiner Ansicht nach hätte der Standort in der Eisenbahnstraße durchaus weiter gewinnbringend gehalten werden können. Gerade nach der Eröffnung der Mall sei es in seiner Schmuckmanufaktur extrem ruhig geworden. „Wir verkaufen gar nichts mehr, sondern machen nur noch kleine Reparaturen“, sagt er. Dieser Situation will Karadeniz mit einer Umstrukturierung seines Geschäftes entgegenwirken. Das heißt unter anderem, dass das Sortiment umgestellt wird – auf exklusive Marken, die es woanders eben nicht gibt. Auch das Serviceangebot soll in dieser Art angepasst werden. „Die Zukunft heißt Spezialisierung. Dann wird es auch funktionieren“, sagt Karadeniz und blickt zuversichtlich auf das was da noch kommen mag. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Gabriele Stuber, die Inhaberin von Gabi’s Backstubb. Auch ihr fehlt jede Menge Laufkundschaft. „Ich bin noch nicht mal sicher, ob es die Malleröffnung ganz alleine ist“, sagt sie. Dabei hat sie – ebenso wie viele andere Ladenbesitzer in der Eisenbahnstraße – den Weggang der Zugpferde Aldi und C&A im Hinterkopf. Die Stammkundschaft sei ihr immerhin geblieben. Um neue Kunden zu gewinnen, weitet sie ihr Sortiment aus. Sie will Produkte anbieten, die es im Umfeld nicht gibt. Das Zauberwort heißt vegan. Veganes Brot und Brötchen bietet sie bereits an. Andere Backwaren, wie zum Beispiel vegane Kuchen, sollen in nächster Zeit dazu kommen. Insgesamt bleibt Stuber optimistisch. Der Hype rund um die Mall werde bestimmt wieder nachlassen und dann würden sicherlich wieder mehr Menschen durch die Eisenbahnstraße laufen und an den dortigen Geschäften vorbeikommen. „Es ist immer noch die Achse zwischen Stadt und Bahnhof“, betont sie. „Es ist praktisch kein Unterschied“, sagt Nicole Emmermann, die Inhaberin des Kinderladen Rotznase. Sie verkaufe Produkte, die nicht in Konkurrenz mit dem Angebot der Mall stünden. Lediglich die vielen Leute mit Primark-Tüten in den Händen seien ihr aufgefallen. Und das „sind einfach andere Kunden“ als ihre. Meistens kämen Großeltern in ihren Kinderladen, um für die Enkel Kleidung zu kaufen. Und da gehe es nicht um möglichst billig, sondern um möglichst gut. „Vielleicht bringt die Mall ja auch was“, meint Emmermann, deren Laden in nicht allzu weiter Entfernung zum großen Einkaufscenter liegt. Sie hat die Hoffnung, dass durch den neuen Kundenmagneten vielleicht mehr Leute auch den Weg zu ihr finden. Eine Hoffnung, die sich für das Eiscafé Dolce Vita – das nicht besonders weit von der Mall entfernt liegt – zumindest in den ersten Wochen nach der Mall-Eröffnung erfüllt hat. „Wir merken, dass mehr los ist“, sagt Inhaber Faik Iseni. Jetzt fänden auch Kunden hierher, die vorher nicht kamen. „Wir haben zum Beispiel mehr Kunden aus Landau, Pirmasens und Saarbrücken“, erklärt Iseni. Ihm ist klar, dass die Neugier auf das Einkaufszentrum in der Anfangszeit besonders viele Menschen nach Kaiserslautern lockte. Was die Zukunft betrifft, lässt er sich überraschen. Bange ist ihm nicht. (bby) Die Serie In loser Reihenfolge wollen wir uns in der nächsten Zeit mit Menschen in der Stadt beschäftigten, die im Bannkreis des „K in Lautern“ leben und arbeiten. Manche haben während der 21-monatigen Bauzeit gelitten, andere leiden vielleicht erst seit der Eröffnung der Einkaufsgalerie. Wir wollen uns die Sache näher anschauen. (red)

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