Kaiserslautern
Zu wenig Miteinander bei Digitalisierung: Ilona Benz verlässt KL.digital
Zum 1. Februar 2022 war die damals 31-Jährige aus Schwaben in die Pfalz gekommen und hatte Geschäftsführer Martin Verlage abgelöst. Mit etlichen Projekten wuchsen Mitarbeiter der städtischen KL.digital GmbH und der Stadtverwaltung unter ihr weiter zusammen – zum „herzlich digitalen Team“. KL.digital war 2017 mit Fördermitteln gegründet worden. Von Anfang an hatte Benz für ein Digitalisierungsreferat gekämpft, das Kräfte bündeln und die Digitalisierung vorantreiben soll. Doch genau dieses führt nun dazu, dass sie ihren Posten aufgibt.
Schon kurz nach der Aufstellung des Referats, das im März vom Stadtrat endlich beschlossen worden war, hatte sie Unzufriedenheit geäußert. Weder sie noch Dirk Andres, der Leiter der Stabstelle Digitalisierung, die in einer Abteilung des neuen Referats aufging, seien im Vorfeld dazu gehört worden. Erarbeitet worden war das Konzept vom Referat Organisationsmanagement. Etliche Strukturen darin waren für Benz jedoch nicht nachvollziehbar, sagte sie schon damals.
Es mangelte Benz am Miteinander
„Wohl alle wünschen sich, bei der Arbeit gehört zu werden, dass die eigene Expertise gefragt ist“, kommentiert Benz nun ihre Beweggründe für den Weggang. Sie hätte sich „ein anderes Miteinander“ gewünscht, „dass gemeinsame Ziele definiert werden“. Doch dieses Miteinander von Digitalreferat und KL.digital habe von Anfang an gefehlt. „Wir haben uns immer als Teil des Ganzen gefühlt und nicht als eigene, abgeschlossene GmbH.“ Mit der 2020 eingerichteten Stabsstelle Digitalisierung „haben wir super gut zusammengearbeitet“, schwärmt Benz geradezu, und bedauert, dass dies „mit der neuen Organisationseinheit, dem Digitalreferat, nicht so fortgeführt wird“. Die Frage, ob dies eher an der Struktur oder den Personen liegt, versucht sie möglichst diplomatisch zu beantworten: „Strukturell hat sich nicht wirklich viel geändert ...“
Warum das Digitalreferat nach über einem halben Jahr immer noch kommissarisch geleitet wird – von Uwe Schmeer, dem vormaligen Leiter der Stabsstelle „Grafische Datenverarbeitung“ –, dafür sieht Benz „keinen sachlichen Grund.“ Sie hätte es sinnvoll gefunden, wenn die Referatsleitung direkt ausgeschrieben worden wäre, extern.
„Nicht jeder muss Fan der Digitalisierung sein“
Benz war noch unter Oberbürgermeister Klaus Weichel nach Kaiserslautern gekommen, seit Mitte vergangenen Jahres ist seine Nachfolgerin Beate Kimmel am Ruder. Weichel habe Digitalisierung insgesamt stärker forciert, „er war interessierter, wie die Projekte laufen, hat Themen gesetzt und nach draußen getragen“. Kimmel habe sich beim Thema Bürgerbeteiligung sehr stark eingesetzt, betont Benz. Und schiebt einordnend hinterher: „Nicht jeder muss ein Fan der Digitalisierung sein. Jeder hat andere Schwerpunkte.“
Aber sie betont auch, dass Digitalisierung eine Querschnittsaufgabe sei, bei der alle mitmachen müssen. es funktioniere definitiv nicht so, „dass man sagt: ,Wir gründen eine GmbH und die macht dann die Digitalisierung’.“ An dem Prozess müssten alle, von Stadtspitze über Verwaltung bis Politik, mitwirken. Nicht nur in Kaiserslautern, sondern überall gebe es in der Verwaltung Mitarbeiter, die Neues ablehnen, aber Entlastung erwarten. „Jede Veränderung erfordert einen Anfangsinvest“, macht Benz klar.
„Hervorragend“ klappe die Zusammenarbeit beispielsweise mit dem Referat Tiefbau, mit dem Projekte wie Verkehrsfluss und Parkplatzsensorik laufen. Dies liege vielleicht daran, dass dort besonders viele Menschen mit technischem Verständnis und pragmatischem Vorgehen arbeiten, das setze „ein gewisses Mindset“ voraus, vermutet Benz. „Wir mussten dort nie Vorbehalte abbauen.“ Das Potenzial zu einem solchen Miteinander hätten aber auch die anderen Referate, ist Benz überzeugt. Auch mit dem Referat Stadtentwicklung arbeite KL.digital gut zusammen, fügt sie an. Mit dem Referat Organisationsmanagement hingegen „hätte man ein anderes Miteinander finden können“, sagt sie eher bedauernd. Zur Schuldigitalisierung könne sie nichts sagen, dort habe sie zu wenig Einblick.
„Gestaltungsspielraum und Unterstützung fehlt“
Als besonders hinderlich empfinde sie, dass es „noch kein geklärtes Verhältnis zwischen Digitalreferat und GmbH“ gebe. Zur Verdeutlichung nennt sie die Marke „herzlich digital“, die übergreifend für die gesamte Stadt gelte. Der kommissarische Leiter des Digitalreferats würde sich selbst jedoch nicht darunter fassen, meint Benz, sondern „wohl nur den Teil der ehemaligen Stabsstelle“. Selbstkritisch fügt sie an: „Vielleicht hätte ich auch mehr machen können...“ Aber was im Team der GmbH ankomme, fühle sich nicht gut an.
Die Entwicklung seit Entstehung des Digitalreferats habe sie beobachtet und sei nun zu dem Schluss gekommen, dass sie „hier keine Perspektive mehr“ sehe. Im Gegensatz zum Beginn ihrer Tätigkeit fehle ihr der Gestaltungsspielraum und die Unterstützung. So habe sie sich nach Alternativen umgeschaut. Und gefunden.
Im Frühjahr 2023 hatte Benz überraschend für das Bürgermeisteramt kandidiert, war unter den fünf Bewerbern bei der Wahl im Stadtrat jedoch weit abgeschlagen. Ihre jetzige Entscheidung hänge damit aber nicht zusammen, betont sie.
Interimsweise Besetzung der Stelle?
Ende September habe sie an Beate Kimmel, die Aufsichtsratsvorsitzende der KL.digital, den Wunsch herangetragen zu gehen. Dies habe Kimmel „zur Kenntnis genommen“; überrascht habe sie auf Benz nicht gewirkt, und auch nicht nach ihren Beweggründen gefragt.
Dass sie nicht überrascht war, bestätigt Kimmel, und erläutert: „Mit ihrer Bewerbung zur Bürgermeisterin hat Frau Benz gezeigt, dass sie bereit ist, noch mehr Verantwortung zu übernehmen.“ Die Zusammenarbeit von Schmeer und Benz habe sie als gut wahrgenommen, „Frau Benz selbst nannte sie noch kürzlich vertrauensvoll“. Schmeer leite das Referat nur altersbedingt kommissarisch, noch bis zu seiner Pension, und zwar „mit granatenmäßigem Elan“. Im Laufe der nächsten zwei Jahre müsse mit dem Stadtrat das Anforderungsprofil der Referatsleitung definiert werden. Da die Smart-Cities-Förderung Mitte 2026 auslaufe, müsse auch über die weitere Aufstellung der KL.digital nachgedacht werden. Dinge wie Verwaltungsvereinfachung für den Bürger „gehören definitiv nicht zu den Themenfeldern der KL.digital, die Förderkulisse ist eng“, sondern seien Aufgabe des Digitalisierungsreferats. Ob die Nachfolge von Benz erstmal interimsweise gelöst wird, das müsse nun geprüft werden.
