Hintergrund RHEINPFALZ Plus Artikel Wo Schulsport an seine Grenzen stößt

Blick in einen Geräteraum einer weiterführenden Schule in Kaiserslautern mit kaputten Kästen. Der Fotograf wollte lieber anonym
Blick in einen Geräteraum einer weiterführenden Schule in Kaiserslautern mit kaputten Kästen. Der Fotograf wollte lieber anonym bleiben

Marode Turnhallen, Lehrermangel und Unterrichtsausfall. Wie arrangieren sich die Schulen in Kaiserslautern und Umgebung damit? Eine Bestandsaufnahme.

Die einen lieben es, sich mit anderen zu messen und sich zu bewegen, die anderen fühlen sich abgehängt und reagieren ablehnend. Dabei hat Bewegung an Schulen laut der Kultusministerien der Länder einen hohen Stellenwert: Sportunterricht leiste einen „nicht austauschbaren Beitrag zu ganzheitlichen Bildung und Erziehung.“ Gert Dietrich, Schulsportreferent der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Neustadt geht sogar einen Schritt weiter: „Für viele Kinder ist heutzutage der Schulsport die einzige Bewegungszeit in ihrem, von digitalen Medien geprägten, Alltag.“

Doch die Realität sieht oft so aus: zu wenig ausgebildete Lehrkräfte für Sport, marode Sportanlagen und Sanierungsstau durch die klammen Kassen der Kommunen. Das Ergebnis: Die Kinder bewegen sich zu wenig, beklagt Daniel Möllenbeck, Präsident des Deutschen Sportlehrerverbandes. Drei Stunden Sport pro Woche empfiehlt die Kultusministerkonferenz (KMK) den Ländern, 2,25 seien es, erklärt Daniel Hager-Mann, Kommissionsvorsitzender Sport in der KMK. „Trotzdem sind alle Länder bemüht, möglichst viel Bewegungszeit an den Schulen dauerhaft zu etablieren.“ Das sieht die Kreisbeigeordnete Gudrun Heß-Schmidt ähnlich: „Es ist in der Tat leider so, dass viele Kinder und Jugendliche unter Bewegungsmangel leiden, nicht schwimmen, teilweise auch nicht Rad fahren, aber auch motorisch nicht mit einem Sportgerät wie zum Beispiel dem Fußball umgehen können. Wir als Schulträger versuchen durch Ausstattung unserer Schulsportanlagen, unser Möglichstes zu tun, um diese Defizite während der Schulzeit aufzuarbeiten, was natürlich nur begrenzt erfolgen kann.“

Knapp bemessene Zeiten

Für den hiesigen Schulbezirk sind in der Grundschule drei Einheiten pro Woche Schulunterricht vorgesehen, für die fünften bis achten Klassen sieht der Lehrplan drei Sportstunden vor, ab der neunten Klasse nur noch zwei. Doch selbst diese knapp bemessenen Zeiten können nicht überall garantiert werden. Dabei sieht das rheinland-pfälzische Bildungsministerium als Kernauftrag des Fachunterrichts Sport „die Erziehung durch und zum Sport“. Die Lehrpläne orientieren sich sowohl an Sportarten als auch an pädagogischen Perspektiven. Im Bereich der Sportpraxis werden drei Schwerpunkte gesetzt: die Einzelsportarten, die Spielsportarten und der pädagogische Freiraum. Für Dietrich steht fest: „Der Sportunterricht kann weitgehend so durchgeführt werden, wie dies vorgesehen ist.“

Was auffällt: Das Bildungsministerium verweist auf die Möglichkeiten der Ganztagsschulen, in Kooperation mit außerschulischen Partnern zusätzliche Unterrichtsangebote zu gestalten. Dies seien „ganz besonders gute Voraussetzungen für mehr Sport- und Bewegungsangebote“, so das Ministerium. Anders ausgedrückt: Wo Lehrkräfte fehlen, springen Übungsleiter und Studenten im Rahmen eines speziellen Kooperationsmodells zwischen Schule und Verein ein, um den Unterricht oder Sport-AGs zu ermöglichen. Und das nicht nur in Ganztagsschulen, sondern vermehrt auch in Grundschulen.

Hilfe von außen ist nötig

Kaiserslauterns Schuldezernentin Anja Pfeiffer bestätigt das: „Insbesondere bei Ganztagsschulen wird dies angeboten. Die Verträge schließen die Schulleiter selbst.“ Und noch etwas lässt aufhorchen: „Es gibt die Info, dass zum Teil Lehrkräfte mit entsprechender Ausbildung fehlen.“ Auch im Landkreis Kaiserslautern zählt die Hilfe von außen zur gängigen Praxis: „Die Unterstützung in den Sport-AGs gibt es. Aber auch hier ist jede Schule frei in der Gestaltung, da ja die Zeiten in den Lehrplan passen müssen“, erklärt Gudrun Heß-Schmidt. Dabei seien in Rheinland-Pfalz laut Aussage von Gerd Dietrich „genügend Lehrkräfte mit der Facultas Sport vorhanden“. Für Grundschullehrkräfte bestehe außerdem die Möglichkeit, über die Qualifizierungsreihe WIDIS (Wege in den inklusiven Sportunterricht) die Unterrichtserlaubnis für das Fach Sport zu erwerben.

Doch wie ist es um die Ausstattung an den Schulen bestellt? Anja Pfeiffer beruhigt: „Die Schulsportstätten in städtischer Trägerschaft werden zurzeit mit neuen Sportgeräten ausgestattet. Bei den weiterführenden Schulen ist dies bereits abgeschlossen.“ Die Grundschulen sollen im Laufe dieses Jahres folgen. Die Ausstattung der Hallen und Sportgelände in den weiterführenden und Förderschulen im Landkreis, bezeichnet Gudrun Heß-Schmidt je nach Alter als „gut bis sehr gut“: „Bis auf eine Schule in Trägerschaft des Landkreises, haben alle eigene große Sporthallen und Sportplätze. Dort, wo keine eigene Halle oder ein Sportgelände zur Verfügung steht, gibt es einen kleinen Gymnastikraum oder es wird in unmittelbarer Nachbarschaft eine Sportanlage mit Halle genutzt und es stehen kleine Sportanlagen im Pausenhof zur Verfügung.“

Dem Bewegungsmangel in jungen Jahren schon vorbeugen: Kinder beim Schulsport in einer Turnhalle.
Dem Bewegungsmangel in jungen Jahren schon vorbeugen: Kinder beim Schulsport in einer Turnhalle.

Hallen- und Schwimmbädernutzung werde überall dort, wo ein Angebot besteht, ermöglicht. Der Landkreis selbst habe im Sickingen-Gymnasium noch ein eigenes Lehrschwimmbecken, das trotz hoher Kosten nach wie vor für den Schwimmunterricht der eigenen Schule, aber auch den Schulen in Landstuhl zur Verfügung steht, so die Kreisbeigeordnete. Auch die Stadt versucht, Schülerinnen und Schülern der weiterführenden Schulen den Schwimmunterricht zu ermöglichen: „Der Zugang zum Schwimmbad im Schulzentrum Süd und zum Monte Mare im PRE-Park inklusive Schülertransport ist gegeben und wird von den Schulen genutzt. Im Sommer werden die beiden Freibäder genutzt“, erklärt Anja Pfeiffer.

Längst nicht jede Schule ist so ausgestattet, dass ein zielgerichteter Sportunterricht stattfinden kann. Was sind die Erwartungen an das Bildungsministerium? Die Stadt ist hier klar: „Wollte das Ministerium die Schulträger unterstützen, könnte das allenfalls durch finanzielle Zuwendungen geschehen. Darüber würden wir uns freuen. Und natürlich freuen wir uns auch über ausreichend befähigte Fachlehrer, wenn auch das nicht in unserer Entscheidung liegt.“ Das sieht der Landkreis ganz ähnlich: „Wenn die Kommunen als Schulträger eine bessere Finanzausstattung vom Land erhalten würden, könnten auch für die Schulsportstätten noch bessere und weitergehende Angebote erfolgen. Allerdings braucht es dazu auch mehr Sportstunden und damit auch mehr Lehrpersonal.“

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