Kaiserslautern Wo der Geist Gottes Unwichtiges wegbläst

„Gut, dass es die Weidenkirche gibt!“ Dem Kompliment von Pfarrer Norbert Kaiser, dem ehemaligen Seelsorger der Pfarrei St. Martin, stimmten gestern alle Gratulanten der Weidenkirche zu. Viele hatten sich auf den Weg hinauf zum Kaiserberg des Gartenschaugeländes gemacht, um das zehnjährige Bestehen der Weidenkirche zu feiern. Allein das launische Wetter machte der Geburtstagsfeier in der Weidenkirche einen Strich durch die Rechnung. So mussten die Besucher mit dem nahe gelegenen Blockhaus Vorlieb nehmen.

Begangen wurde das Jubiläum mit einem ökumenischen Gottesdienst und einem Festakt. „Heute darf ich im Namen der Katholiken von Kaiserslautern sprechen“, sagte Kaiser, der seit seinem Ruhestand in Hettenleidelheim zu Hause ist. Beim Blick auf die Weidenkirche sehe er Offenheit, Weite, Wachstum und Leben, das sich jedes Jahr erneuere. Windig und zugig sei es dort. Der Geist Gottes blase hinweg, was nicht wichtig sei. „So soll Kirche sein“, verwies er auf die Symbolkraft der Weidenkirche. Auch habe sie Kraft zur Integration, weil sie für alle Bürger der Stadt einladend sei, sagte Kaiser. Dekanin Dorothee Wüst sprach von Herzblut, Phantasie und Vision, die beim Bau in das Objekt geflossen seien. Sie könne nachvollziehen, wenn Leute sich beim Beten in der Natur Gott näher als in der Kirche fühlten. Die Weidenkirche ermögliche beides: Natur und Gemeinschaft. Gott in der Gemeinschaft in der Natur suchen, das zeichne den christlichen Glauben aus, sagte Wüst. Im geistlichen Leben der Stadt sei die Weidenkirche eine feste Größe, erinnerte sie sich an Gottesdienste, bei denen die Kirche aus allen Ästen geplatzt sei. Oberbürgermeister Klaus Weichel dankte den Freunden der Gartenschau, die durch ihr großes ehrenamtliches Engagement in schwierigen Zeiten dazu beigetragen hätten, der Gartenschau zur Seite zu stehen und ihr Perspektive zu geben. „Kaiserslautern braucht Freunde“, sagte Weichel und lobte den Einsatz des Freundeskreises und der Weidenkirchenbauer. Die Weidenkirche vom Wildwuchs befreien und transparent halten, das sei das, was eine moderne Kirche auszeichne. Weichel erinnerte an schwierige Zeiten der Gartenschau und die Tatkraft, mit der die Gemeinnützige Integrationsgesellschaft Kaiserslautern (IKL) der Gartenschau zu Attraktivität verholfen habe. „Kein Mensch kommt heute auf die Idee, die Gartenschau zu schließen“, so Weichel. Dietmar Theiss, der Vorsitzende der Freunde der Gartenschau, erinnerte daran, dass es Thomas Zinßmeister, der ehemalige Geschäftsführer der Gartenschau, gewesen sei, der die Idee zum Bau der Weidenkirche aus Rostock mitgebracht und mit vielen Helfern bei Wind, Sonne und Regen, Schnee und Matsch umgesetzt habe. Dafür erntete Zinßmeister beim Festakt viel Applaus. Jo Breuer habe es über zehn Jahre verstanden, mit einer Gruppe der Weidenbauer die Kirche zu pflegen und instand zu halten, hob Theiss hervor. Neben der Weidenkirche hätten sich die seit 2007 existierenden Freunde der Gartenschau für den Meuthpfad und die Veranstaltungen in der Blumenhalle eingesetzt. „Wir freuen uns, dass das Leben in der Gartenschau mit der IKL und der Stadt Kaiserslautern Zukunft hat.“ Begonnen hatte die Feier mit einem ökumenischen Gottesdienst. Er wurde von Pfarrerin Jutta Rech, von Scott Morrison, Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen St. Michaelis-Gemeinde, und Pfarrer Norbert Kaiser geleitet. Rech legte ihrer Ansprache das Gleichnis vom Senfkorn zugrunde. Wie sich aus dem Senfkorn eine große Staude, ein Baum entfalte, in dem viele Vögel ihre Nester bauten, sei es auch mit dem Glauben und dem Reich Gottes. Die Weidenkirche sei ein Ort, der Menschen unterschiedlichen Glaubens Zufluchtsstätte sei. Er lade ein zum Nachdenken, zum Ausruhen, zur Rast, zum Gottesdienst, zur Stärke durch Gebet und Segen. Der Ort sei für Hochzeiten und Taufen beliebt, sei selbst im Winter für Weihnachtsgottesdienste gefragt. „Ein lebendiger und Leben spendender Ort für alle Menschen“, sagte Rech. Am Nachmittag standen Führungen, ein Film über die Entstehung der Weidenkirche, eine Lesung und der Auftritt des „Heart Chor“ auf dem Programm. (jsw)

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