Kaiserslautern Wo das Meer rauscht

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Zwei bezaubernde Damen befreiten am Mittwoch im proppenvollen Cotton Club das Akkordeon von seinem Quetschkommoden-Klischee: die Französin Lydie Auvray, die seit 20 Jahren in Köln wohnt, diesmal mit Solo-Programm, sowie Alexandra Maas mit ihrem French-Touch-Trio. Beide setzten zwar unterschiedliche, dennoch aber ganz besondere Duftmarken.

So kennen sie ihre Fans: schwarzer Anzug, weißes Akkordeon, rote Locken umkränzen ihr Gesicht. Wer in dieses Antlitz schaut, sieht alles: Leidenschaft und Hingabe spiegeln sich in ihrer Mimik wider. Wenn Lydie Auvray den Faltenbalg ihres Instruments auseinanderzieht und die Stimmenzungen zum Schwingen und Tönen bringt, dann lebt ihr Gesicht, bebt ihr schlanker Körper und die feingliedrigen Füße sind ständig in Bewegung. Diese Passion hat sich am Mittwochabend auch in der Kammgarn auf die begeisterten Zuhörer übertragen. „Das Klavier des kleinen Mannes“ hat die Normannin, die seit nunmehr 37 Jahren im Musikgeschäft ist, gesellschaftsfähig gemacht. Zum guten Ton gewissermaßen. Das Akkordeon wird in ihren Händen zum Chamäleon, das sich perfekt der musikalischen Stimmung der Künstlerin anpasst. Und diese Emotionen sind wechselhaft. Auch mit ihrem neuesten Album „Trois couleurs“ ist es ihr gelungen, die unterschiedlichsten Atmosphären, die vielfältigsten Farben einzufangen. Mühelos verschmelzen Einflüsse aus allen musikalischen Welten. Hörgewohnheiten werden dabei hinterfragt, und vermeintlich Unbespielbares wird gespielt. Und wie. Mit Leichtigkeit überschreitet sie Grenzen, verbindet Jazzelemente mit französischem Musette oder Tango und karibischen oder afrikanischen Rhythmen. Sie verliert sich in kunstvoll gewebten Andeutungen, einem fantasievollen Wechselspiel von Entstehen und Vollendung und versteht sich darauf, Musik an- und abschwellen zu lassen, so dass Raum und Tiefe entstehen. Zwischentöne und Geisterstimmen werden hörbar. Beispiel: „Das Meer“. Wer die Augen schließt, vernimmt nicht nur das leise Rauschen der Brandung, er kann sogar das Meer riechen, spüren, wenn der Balg des Instruments sich fast unhörbar bewegt und nur der Saugwind hörbar wird. Selbst wenn sich die Akkordeonistin – wie in dem von mexikanischer Musik beeinflussten „El Cidre“, dem Musette-Walzer „Für Else“ oder dem frechen Dreivierteltakt in „Java“ – in vertikale Kunstfiguren hinaufschraubt, in 32tel-Noten wirbelt und dabei harmonische Purzelbäume schlägt, sitzt jeder Ton. Aber auch die lyrischen Momente wie in „Aller Retoure“ sind nicht simple Entrückungen, eher Reflexionen mit einem immensen Nachhall. Aber auch Lokalmatadorin Alexandra Maas gab mit ihrem luftig klingenden Akkordeon eine Liebeserklärung an ihr Instrument, wie man sie besser kaum zum Ausdruck bringen kann. Bei Titeln wie „Leb wohl“ von Manfred Leuchter, „Septante“ von Lydie Auvray oder „Schlechte Zeit für Träume“ aus dem Film „Die fabelhafte Welt der Amelie“ entpuppte sie sich als Meisterin der melancholischen Stimmungen. Mit großem Einfühlungsvermögen verstand auch sie, Atmosphären einzufangen, trug damit den Zuhörer fort, vertrieb die schweren Gedanken, vermittelte eine seltsame Schwerelosigkeit. Traumhaft sicher verstand sie sich mit ihren beiden Begleitern Wolfgang Janischowski am Kontrabass und Michael Lakatos an der Percussion, die beide äußerst einfühlsam agierten. Da entwickelte sich die französische Musette auch schon mal zu einer Verfolgungsjagd. Begeisterter Beifall für alle Beteiligten.

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