Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Wieder Freiheit fürs Federvieh: Stallpflicht aufgehoben

Glückliche Hühner: Jetzt dürfen sie nach fünf Wochen Stallpflicht wieder raus ins Freie.
Glückliche Hühner: Jetzt dürfen sie nach fünf Wochen Stallpflicht wieder raus ins Freie.

Geflügelhalter können aufatmen: Die Stallpflicht, die in Stadt und Landkreis wegen der weltweit grassierenden Vogelgrippe galt, wird ab Samstag, 6. Dezember, aufgehoben.

Fünf Wochen lang mussten die Stalltüren geschlossen bleiben. Am 1. November hatte die Kreisverwaltung Kaiserslautern dies für Geflügel und andere in Gefangenschaft gehaltene Vögel angeordnet. Zu groß war das Risiko, dass sich die Tiere mit dem gefährlichen H5N1-Virus, das die Aviäre Influenza auslöst, anstecken. Als Wirt für die Vogelgrippe oder Geflügelpest, wie die Krankheit umgangssprachlich genannt wird, fungieren Wildvögel, die das Virus in sich tragen und ausscheiden – und so beim saisonalen Vogelzug über Ländergrenzen hinweg verbreiten. In diesem Jahr war das Virus so aggressiv, dass ihm auch abertausende Kraniche und Wildgänse, die sonst nur Wirt sind, selbst zum Opfer fielen. Auch im Landkreis Kaiserslautern wurden verendete Vögel gefunden und positiv auf H5N1 getestet.

Keine neuen Fälle

Doch da in den vergangenen Wochen keine neuen Fälle von Vogelgrippe bei Wildvögeln in unserer Region entdeckt wurden und der herbstliche Vogelzug nahezu abgeschlossen ist, hat das Kreisveterinäramt Entwarnung gegeben: „Die Lage hat sich wieder stabilisiert“, erklärt die zuständige Erste Kreisbeigeordnete Gudrun Heß-Schmidt. Daher dürfen die Hühner, Enten und Gänse – unter Auflagen wie der fortlaufenden Überwachung der Bestände – wieder hinaus ins Freiland, um dort nach Gräsern und Würmchen zu picken.

Auch Zuchtschauen oder andere Veranstaltungen mit Vögeln sind „unter Berücksichtigung bestimmter Hygienemaßnahmen“ wieder zugelassen, teilt das Veterinäramt mit, ruft aber zugleich zu Vorsichtsmaßnahmen auf, um eine erneute Ausbreitung des Virus zu vermeiden. „Auch wenn die Lage momentan unter Kontrolle ist, müssen wir weiterhin wachsam sein und alles dafür tun, um unsere Geflügelbestände zu schützen“, appelliert Heß-Schmidt an alle Geflügelhalter, die aktuellen Hygieneempfehlungen zu befolgen. Das Veterinäramt werde weiterhin regelmäßig Proben von verendeten Wildvögeln entnehmen, um etwaige Infektionen frühzeitig zu erkennen. „Bei neuen Auffälligkeiten wird umgehend reagiert und gegebenenfalls werden die entsprechenden Schutzmaßnahmen wieder aktiviert.“

Große Freude bei den „Wanderhennen“

Aber nun gilt erstmal: Endlich wieder Freiheit fürs Federvieh. „Gott sei Dank! Das freut mich wirklich wahnsinnig“, entfährt Susanne Prinzkosky ein Stoßseufzer der Erleichterung, als sie die RHEINPFALZ über die gute Nachricht informiert. Die Mehlingerin nennt 340 „Wanderhennen“ ihr Eigen. Diese werden in drei mobilen Ställen gehalten und ziehen normalerweise jede Woche auf eine neue Wiese um, wo ihnen jeweils 2500 Quadratmeter Auslauf- und Futterfläche zur Verfügung stehen. Gerade für diese Freigängerinnen sei die Zeit der Gefangenschaft besonders hart gewesen, sagt Prinzkosky – obwohl sie und ihr Mann alles taten, um es den Hennen leichter zu machen: Als die Stallpflicht kam, kauften sie Zelte, die vor den mobilen Ställen montiert wurden.

Um ihren „Wanderhennen“ wenigstens etwas Auslauf zu ermöglichen, hat Susanne Prinzkosky Zelte an den mobilen Ställen aufgebaut.
Um ihren »Wanderhennen« wenigstens etwas Auslauf zu ermöglichen, hat Susanne Prinzkosky Zelte an den mobilen Ställen aufgebaut. Die können nun wieder weg.

„Doch die Zelte sind nur sechs mal zehn Meter groß. Und unsere Tiere sind diese Enge und den Mangel an Grün nicht gewohnt“, berichtet sie. „Ein Huhn macht normalerweise 10.000 Pickschläge pro Tag.“ Um den Stress der Tiere durch Beschäftigung zu mindern, habe sie Kürbisse zum Picken und mit Würmchen gespickte Strohballen in den Zelten ausgelegt. „Trotzdem war es schlimm für sie“, weiß die Tierfreundin, die nach eigener Aussage „jedes einzelne ihrer Hühner liebt“. Daher hat sie schon eine Flasche Sekt kalt gestellt: „Jetzt werde ich mit unseren Mädels auf ihre wiedergewonnene Freiheit anstoßen“, lacht Prinzkosky.

Info

Weitere Informationen sowie aktuelle Hinweise zum Thema Geflügelpest sind auf der Website des Kreises kaiserslautern-kreis.de zu finden.

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