Kaiserslautern
Wie es mit der Johanneskirche in Einsiedlerhof weitergeht
Mitglieder des Ortsbeirates würden vermehrt darauf angesprochen, dass die Johanneskirche im Stadtteil Einsiedlerhof „im Zuge der geplanten kirchlichen Strukturreformen geschlossen werden könnte“, war in einem Antrag von Moritz Behncke (SPD) zur Ortsbeiratssitzung Ende Februar zu lesen. Die Kirche sei allerdings von erheblicher Bedeutung für den Einsiedlerhof – nicht nur als sakraler Raum, sondern als fester Ort der Zusammenkunft und des sozialen Miteinanders, so Behncke weiter. Er forderte daher, frühzeitig „das Gespräch mit den zuständigen kirchlichen Verantwortlichen zu suchen“, ehe unumkehrbare Beschlüsse gefasst würden. Schließlich könne die Kirche auch als Ausweichquartier für Vereine und Veranstaltungen dienen, wenn das Bürgerhaus neugebaut wird, wie auch die Liste Kadel in einem eigenen Antrag formulierte.
Nach der Entwidmung der katholischen Kirche St. Raphael im Januar 2020 ist die protestantische Johanneskirche, an die sich auch der protestantische Kindergarten anschließt, das letzte verbliebene christliche Gotteshaus im Stadtteil. Wie Silke Schwarzstein, Pfarrerin der Kirchengemeinde Kaiserslautern-West, zu der neben der Johanneskirche auch die Lukaskirche in der Spicherer Straße gehört, auf RHEINPFALZ-Nachfrage erklärte, steht die Kirche in Einsiedlerhof tatsächlich auf dem Prüfstand. Zurück gehe das auf eine Entscheidung der Bezirkssynode im November. „Bis 2030 müssen wir uns von 30 Prozent der Gebäudelast trennen“, sagt Schwarzstein. Zwei Kirchen stehen daher zur Disposition, ein Gotteshaus in Waldfischbach-Burgalben und die Johanneskirche. Wolle man die Kirche weiterbetreiben, dann müsse man sie wirtschaftlich führen, so die Auflage für die Kirchengemeinde. „Das hat mich sehr erbost“, sagt Schwarzstein. Sie habe versucht, der Synode deutlich zu machen, dass es sich um die letzte Kirche in Einsiedlerhof handelt. Letztlich habe sie dann aber nachgerechnet und festgestellt, dass pro Jahr lediglich 1070 Euro fehlten, um eine schwarze Null zu schreiben – nicht viel also, um die Auflage zu erfüllen.
Daher ist Schwarzstein auch optimistisch, dass eine Schließung der Kirche abgewendet werden kann. Denn zum einen gehöre der Kirchengemeinde das gesamte Grundstück, auf dem die Kirche und die Kita stehen. Außerdem ist auch die Fläche, auf der die alte Kita stand, in Gemeindebesitz. Dort will die Gesamtkirchengemeinde, die die Kita betreibt eine naturnahe Gruppe einrichten. Zwar hätte es für das letzte freie Grundstück in der Königsau potenzielle Käufer gegeben, wie Schwarzstein berichtet. Allerdings habe man sich entschieden, das Areal an die Gesamtkirchengemeinde zu verpachten. Die hat dafür die jährliche Pachtzahlung von 2600 auf 3000 Euro erhöht, womit bereits 400 der 1070 Euro gedeckt seien. Daneben will die Kirchengemeinde für rund 17.600 Euro eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 14,56 Kilowatt Peak errichten. Die jährliche Rendite von voraussichtlich 1570 Euro reiche aus, um das Gebäude wirtschaftlich zu führen, so Schwarzstein.
Selbstverständlich stehe das Gebäude auch der kommunalen Gemeinde und Vereinen offen, wenn das Bürgerhaus neugebaut werde. Der Kirchensaal sei multifunktional und bestuhlt, auf der Empore sei eine Orgel installiert. Es gebe weder Kirchenbänke noch Steinaltar. „Sie können bei Bedarf alles wegschieben und eine Tanzveranstaltungen machen“, betont die Pfarrerin, wie flexibel die Kirche nutzbar ist. Bislang werde der Raum vor allem von der Kita mitgenutzt – natürlich unentgeltlich, wie die Pfarrerin betont. Einmal pro Monat gebe es einen Bürgertreff, der im Schnitt von 30 Menschen besucht werde.
Auch der katholischen Kirchengemeinde habe man eine Nutzung angeboten, was aber an der Personaldecke gescheitert sei.