Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Wie die Stadt Kaiserslautern zu den Fischen kam

Der Karpfen an der Ecke Rauschenweg/Hohenecker Straße benötigt eine Frischzellenkurz.
Der Karpfen an der Ecke Rauschenweg/Hohenecker Straße benötigt eine Frischzellenkurz.

Um den Jahrtausendwechsel erfuhr die Aktion „Fishing for Fantasy“ bundesweite Resonanz. Zum 750. Jubiläum der Stadt Kaiserslautern kommen die Fische wieder.

Das Wappentier der Stadt, der Fisch, inspirierte die Verantwortlichen zum 725. Jubiläum der Stadt Kaiserslautern im Jahr 2001 zur Aktion „Fishing vor Fantasy“ – die Idee zu der Aktion hatte Künstler Karl Seiter. Das Interesse am Projekt war nach der Präsentation eines Mini-Modells durch den damaligen Oberbürgermeister Bernhard Deubig groß. Künstler und Produzenten gestalteten die Tiere, aber auch Schulklassen und Kitas malten eifrig Bilder und lieferten Ideen, wie ein Jubiläumsfisch aussehen könnte.

Der deutsch-amerikanische Fisch befindet sich an der Kreuzung Benzinoring/Lauterstraße.
Der deutsch-amerikanische Fisch befindet sich an der Kreuzung Benzinoring/Lauterstraße.

Deubig sprach von der „besten Voraussetzung für ein ganz besonderes Jubiläumsjahr“ und kündigte ein „aufsehenerregendes Kunst- und Marketingprojekt“ an, das die Innenstadt beleben und den Teilnehmenden Raum zur Selbstdarstellung bieten sollte. Offizieller Start der Aktion war an Pfingsten 2001 vor der Stiftskirche. Rund 200 bunt bemalte und überarbeitete Fischskulpturen von Privatleuten, Firmen und Vereinen säumten den Bereich um die Kirche. Ab 17 Uhr lief eine Fische-Party bis nach Mitternacht.

Fische-Kampagne lebt wieder auf

Vor der Stiftskirche wurden auch die etwa zwei Meter langen und rund 50 Kilogramm schweren, unbehandelten „Aktionsfische“ aus Glasfaser präsentiert, um neue Gestaltungsinteressenten zu gewinnen. Private Sammler, Unternehmen, Vereine und Gesellschaften kauften Rohlinge und ließen sie bemalen, bekleben und umgestalten. Die Stadt war am Projekt beteiligt. Besonders gelungene Exemplare bezeichnete DIE RHEINPFALZ später als „erhaltenswerte Kunstobjekte“.

Ein gepflegtes Fischeexemplar ist an der Hauswand des Lackierer-Unternehmens Schäfer in der Berliner Straße zu finden.
Ein gepflegtes Fischeexemplar ist an der Hauswand des Lackierer-Unternehmens Schäfer in der Berliner Straße zu finden.

Zum 750. Jubiläum der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 2026 soll die Fische-Kampagne wiederaufleben. Ältere Exemplare werden derzeit restauriert, neu bemalt und geflickt. Ziel ist es, die Skulpturen möglichst vor dem Jubiläumstag am 18. August wieder im Stadtbild zu zeigen. Die Arbeiten an den Fantasietieren wurde notwendig, da viele Fische in den vergangenen 25 Jahren stark gelitten haben – obwohl der Hersteller ihre Lebensdauer auf etwa 30 Jahre schätzte. In der Stadt entdeckt man noch einige Exemplare, blass, teils marode, ohne Schwanz und Flossen, vereinzelt aber auch perfekt gepflegte Exemplare.

Veranstaltung im Jahr 1926

Mit der Verleihung des Stadtrechts am 18. August 1276 wurde Lutra Reichsstadt – ein Prestigegewinn für Kaiserslautern. Dieses historische Datum wurde lange nicht begangen. In der Stadtliteratur finden sich keine Hinweise auf Gedenktage, auch die Recherchen des Stadtarchivs in mehrere Hundert Jahre alten Ratsprotokollen blieben ohne Ergebnis. Hatte Lautern das Datum der Verleihung der Stadtrechte vergessen? Doch die Lage änderte sich im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts.

In den lebhaften 1920er-Jahren gewann das Jubiläum wieder Aufmerksamkeit. Kaiserslautern erinnerte 1926 an die Stadtrechtsverleihung von 1276 – mit Festzug und Festreden, die ganze Stadt war einbezogen. Sichtbare Zeugnisse sind spärlich; überliefert sind Hinweise in lokaler Literatur und Ratsprotokollen. An das 50 Jahre später begangene 700. Jubiläum erinnert der Musikpavillon im Volkspark, den die Stadt als Jubiläumsgeschenk errichten ließ.

Fisch-Stadtplan, T-Shirt und Motto-Fische

Aus dem Jubiläumsjahr 2001 sind Erinnerungsstücke geblieben, deren Bedeutung der jüngeren Generation weniger präsent sein dürften: etwa der Kerwe-Fisch, Euro-Fisch, Pfälzerwald-Fisch und der Nachrichten-Fisch von DIE RHEINPFALZ. Es gab T-Shirts mit der Aufschrift „Brustfisch“ und einen Stadtplan mit den Standorten der Jubiläumsfische. Die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) erhielt aus der laufenden Produktion den 100. Fisch, nannte ihn „AOKuarius“ und schmückte damit ihr Verwaltungsgebäude in der Kanalstraße.

Auch Künstler aus Lauterns Partnerstädten zeigten 2001 Interesse, darunter die Idee eines kleinen Gipsfisches zur individuellen Bemalung. Laut einem RHEINPFALZ-Bericht gaben Privatleute, Unternehmen und Vereine im Jubiläumsjahr rund eine Million Mark für Fischrohlinge aus. Wer seinen gestalteten Fisch im „City-Aquarium“ in der Stadtmitte platzieren wollte, zahlte eine Sondernutzungsgebühr von 39 Mark.

Nach dem offiziellen Aktionsende durften Fische in ihren Bezirken weiter „schwimmen“ – für 13 Mark und 60 Pfennig im Monat. Die städtische Idee, nicht mehr gewollte, leicht beschädigte Fische auf dem Stiftsplatz zu versteigern, fand wenig Interesse. Viele blieben auf Dächern, in Vorgärten, Höfen, Schaufenstern und an anderen Standorten.

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