Kaiserslautern
Wie die Kerwe eine Heimat fand
Stiftsplatz-Kerwe, Maxplatz-Kerwe, der Kerweplatz bei der Barbarossastraße und die „Ausstellungs-Kerwe“ im Bereich des heutigen Volksparks – die Kerwe hatte schon so einige Standorte. Im Laufe der Jahre waren die Leute und die Beschicker damit aber nicht mehr zufrieden. Die Lauterer Kerwe hatte zugelegt. Mehr Beschicker, mehr Publikum und die fatale Idee, die Kerwe vom Stifts- auf den Synagogenplatz auszudehnen, waren Gründe, nach einem neuen, „endgültigen Kerweplatz“ zu suchen. Schließlich hatte sich die Maikerwe zum größten Volksfest der Westpfalz entwickelt.
Statt Großparkplatz kommt Kerwegelände
Die Stadt entschloss sich Anfang der 1950er Jahre, das ungeordnete Gelände von der Westseite des Nordbahndamms bis zum Barbarossaring als „Kerwe- und Veranstaltungsplatz“ herzurichten. Nach längeren Ratsdiskussionen verzichtete die Stadt auf den dort vorgesehenen Großparkplatz, der hinsichtlich des zunehmenden Verkehrs für 400 Fahrzeuge angelegt werden sollte. Die Neugestaltung des maroden Areals war ein Stück Stadtentwicklung. Der Ausbau begann 1953. Der Baufortschritt war so groß, dass bereits die Oktoberkerwe als erste Veranstaltung vom Stiftsplatz auf den neuen, allerdings noch nicht ganz fertiggestellten „Kerwe- und Veranstaltungsplatz“ umziehen konnte.
Namensfindung dauerte wochenlang
Der weitere Ausbau begann zwei Jahre später. 1957 war der neue Platz fertiggestellt. Es ist nicht mehr nachzuvollziehen, warum die anschließende Namensfindung eine wochenlange Diskussion hervorrief. Alle waren beteiligt: der Rat, die Verwaltung, die Bürger und die Zeitung. In Erinnerung an die Messetradition des 19. Jahrhunderts und in der Hoffnung auf neue Messeaktionen konnte man sich auf „Messeplatz“ einigen. Ein offizieller Platzname ist „Messeplatz“ jedoch nicht. Auf dem Stadtplan ist er zwar eingetragen, aber nicht im Straßenverzeichnis wie die Namen der anderen Plätze.
Die Entstehung der Bezeichnung „Oktobermarkt“ oder „Oktoberkerwe“ lässt sich genau ausmachen. Am 6. Mai 1921 beschloss die Stadt, den 1878 genehmigten Novembermarkt wegen des schlechten Novemberwetters auf Oktober vorzuverlegen. Es gelang mehr und mehr, diesen Herbstmarkt attraktiver zu machen – mit wenigen Ausnahmen. Anfang der 1940er Jahre gab es noch eine bescheidene „Kriegs-Oktoberkerwe“, und wegen der Corona-Pandemie veranstaltete der Schaustellerverband 2021 das verkleinerte „Barbarossa-Land“.
Kugelschreiber: „kleine Wunder der Technik“
„Eine Gruppe junger Amerikaner beobachtete, man muss schon sagen mit regelrechter Andacht, den wunderschön geschnitzten Kapellmeister der Kerweorgel, der zu den alten Weisen mit seinem Stöckchen den Takt schlug. Dieser Stimmung konnten sie sich nicht entziehen“, steht im Kulturmagazin vom Oktober 1953. Auf der damaligen Oktoberkerwe hatte auch ein Händler einen Stand, an dem er ausschließlich Kugelschreiber verkaufte. In der gleichen Ausgabe des Kulturmagazins wird er zitiert: „Meine Herrschaften, kommen Sie herbei, hier sehen Sie einen Verkaufsschlager. Prüfen Sie dieses kleine Wunder der Technik höchsteigenständig. Ihr Staunen wird grenzenlos sein!“