Kaiserslautern
Wettbewerb für neues Quartier: Stadt setzt auf Strahlkraft des Betzenbergs
„Seit vielen Jahren hat es in Kaiserslautern keinen Realisierungswettbewerb im Städtebau mehr gegeben“, betonte Baudezernent Manuel Steinbrenner (Grüne), der ein Fürsprecher des Wettbewerbs für den Betzenberg ist. Die Stadt sei zuletzt immer wieder wegen Problemen in den Schlagzeilen gewesen, aber sie sei auch dafür bekannt, „dass Kaiserslautern immer wieder mal über sich hinaus gewachsen ist“, so Steinbrenner, der auf die Gartenschau oder den Umbau des Fritz-Walter-Stadions zur WM-Arena verwies. „Das waren sehr mutige Entscheidungen, die dazu beigetragen haben, dass Kaiserslautern immer wieder auf der nationalen Landkarte aufgetaucht ist. Dieser Wettbewerb könnte in dieser Tradition stehen“, so Steinbrenner. Der Beigeordnete hofft ebenso wie Marcus Hille vom Büro Hille und Tesch, das den Wettbewerb für die Stadt durchführt, dass sich renommierte Büros beteiligen werden. Steinbrenners Hypothese lautet: Wenn ein Wettbewerb zum Betzenberg ausgelobt werde – ein Name, der in ganz Deutschland bekannt ist –, dann werde das Büros mit hoher Qualität anziehen, die sich sonst nicht für ein Wohngebiet dieser Größe in Kaiserslautern interessieren würden. Finanzielle Anreize könne man bei diesem Wettbewerb allerdings nicht bieten, machte Hille deutlich. Dabei sei es nicht unüblich, dass Büros aus der „Champions League“ 50.000 Euro erhielten, damit sie überhaupt einen Entwurf abgeben. 20 Büros sollen teilnehmen, „einige, die besonders qualifiziert sind, werden vorab benannt“, gab Hille dem Bauausschuss bei seiner jüngsten Sitzung einen Einblick in den Ablauf.
Quartier als Problemlöser für ganzen Betzenberg
Hat der Stadtrat dem Auslobungstext und der Juryzusammensetzung zugestimmt, läuft die Bewerbungsphase für die Büros an. Das wird voraussichtlich frühestens im Oktober oder November der Fall sein. Die teilnehmenden Büros haben dann einige Wochen Zeit, ihre Entwürfe zu erarbeiten. Hille und Tesch prüft diese Entwürfe dann und stellt sie anonymisiert der Jury zur Verfügung, die die Einreichungen eineinhalb Tage lang bewertet und letztlich den Siegerentwurf verkündet, schildert Hille den Ablauf. Die Jury setzt sich dabei aus Fachleuten, sogenannten Fachpreisrichtern, aber auch aus Sachpreisrichtern, beispielsweise Vertretern aus der Politik, zusammen.
Der siegreiche Beitrag wird dann in einen städtebaulichen Entwurf überführt, erklärt Elke Franzreb, die Leiterin des Referates Stadtentwicklung. Schließlich soll der Bebauungsplan-Entwurf aus dem Jahr 2006 neu gefasst werden. Seit 2022 befasst sich die Verwaltung intensiv mit dem Quartier. „Das große Ziel ist es, möglichst viele Interessenlagen zu bündeln“, so Franzreb. Der Nutzungsdruck auf dem Quartier sei immens hoch, es soll Problemlöser für andere Themen im bestehenden Wohngebiet sein und den gesamten Betzenberg aufwerten.
Düll: Das Stadion nicht zubauen
Fünf Themenfelder werden mit dem Wettbewerb besonders adressiert, erklärte Hille: der Städtebau, die Nutzung des Areals, der Verkehr und die Mobilität, die Bereiche Freiraum, Ökologie und Infrastruktur sowie das Fritz-Walter-Stadion und die dort stattfindenden Veranstaltungen. Ziel sei es, ein breites Wohnraumangebot mit sozialem Wohnungsbau zu schaffen – ein Plan der Stadt hatte über 400 Wohnungen vorgesehen. Die Büros sollen die bestehende soziale Infrastruktur integrieren und ausbauen, Grünstrukturen und Bestandsbäume erkennen und erhalten, einen klimagerechten Städtebau umsetzen, so Hille. Beim Verkehr müssten Alternativen zum eigenen Auto mitgedacht werden, von öffentlichem Nahverkehr über Car-Sharing bis zu Fahrradwegen. Es soll definiert werden, wie viele Stellplätze es im Quartier geben muss und ob diese in einer Quartiersgarage untergebracht werden. Eine große Herausforderung werde es sein, Wohnen und Stadionnutzung zu verbinden. Laut Hille müssen für die Veranstaltungen im Fritz-Walter-Stadion die Verkehrsströme mitgedacht werden, es müssen Parkflächen, aber auch Aktionsräume für die Behörden vorgehalten werden, beispielsweise für Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst. Andernorts habe man Stadien am Stadtrand neu gebaut, sagte Ursula Düll (CDU). Das werde in Kaiserslautern wohl nicht passieren, so wie die Begeisterung für den FCK und das Fritz-Walter-Stadion hier gelebt werde. Daher dürfe man das Stadion nicht zubauen, „auch wenn es ambitioniert ist, über Erste Bundesliga nachzudenken, sollte es möglich bleiben“, sagte die CDU-Sprecherin.
BI fordert Verzahnung mit bestehendem Quartier
Für die Verzahnung des neuen Quartiers mit dem bestehenden Wohngebiet sensibilisierte Reinhard Schüler, Sprecher der Bürgerinitiative für den Betzenberg (BI). Die Initiative hatte ein Papier mit etlichen Punkten zum Auslobungstext erarbeitet. Tobias Wiesemann (Grüne) wünschte sich, dass im Text definiert ist, dass das neue Quartier an das Fernwärmenetz der Stadtwerke angeschlossen werden soll. „Wenn wir den Gürtel zu eng schnallen, unterbinden wir damit die Kreativität“, warnte dagegen Brigitta Röthig-Wentz (FDP). Laut Marcus Hille gebe es im Nachgang des Wettbewerbs ausreichend Zeit für eine Feinjustierung, dabei könne man auch den Fernwärmeanschluss festschreiben.