Radsport RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Niklas Märkl beim Giro diesmal nur TV-Zuschauer ist

Niklas Märkl (rechts) und Pascal Ackermann sind diesmal nicht gemeinsam beim Giro d’Italia unterwegs. Märkl hofft auf einen geme
Niklas Märkl (rechts) und Pascal Ackermann sind diesmal nicht gemeinsam beim Giro d’Italia unterwegs. Märkl hofft auf einen gemeinsamen Start bei der Toiur de France.

Gerade fasziniert der Giro d’Italia die Radsport-Welt. Für den Queidersbacher Niklas Märkl aber läuft der Giro nur im Fernsehen. Er hat ein anderes Ziel.

Der Blick von Niklas Märkl beim Giro gilt den Kollegen vom Team „Picnic PostNL“, aber auch seinem Trainingspartner Pascal Ackermann, der bei den ersten drei Etappen vorne mitmischte und zwei siebte Plätze belegte. Mit „Acki“ hatte Märkl 2023 und 2025 den Giro bestritten, als sich ihre Freundschaft bis hin zur Patenschaft von Ackermanns Tochter Alma intensiv verfestigte, heuer muss der Südpfälzer ohne Märkl auskommen. „Im Winter war ich mal kurz für den Giro im Gespräch, aber diese Idee haben wir im Team nicht weiterverfolgt“, erzählt er: „Es ist mir auch lieber so, denn ich war Ende April doch echt müde vom Frühjahr“.

Schon 28 Renntage mit 4016 Kilometern stehen zu Buche, seit am 20. Januar in Adelaide die Saison mit der „Down Under-Tour“ begonnen hatte. Verdammt viele Kilometer sind das. Vergessen hat Märkl die letztjährige Saison beileibe nicht, die sich lange hingezogen hatte – mit 80 Renntagen und 12.300 Kilometern. „Am Ende des Jahres sagte mir mein Körper, Niklas, jetzt reicht’s, bis hierher und nicht weiter“, erinnert sich der 27-Jährige. Immer wieder kränkelte er, erholte sich bis zur großen Winterpause nie richtig. Wenn eine Batterie leer ist, muss sie eben wieder aufgeladen werden, und so funktioniert auch der Körper eines Hochleistungssportlers.

Die Tour als Nonplusultra

Zumal Märkl 42 der 80 Renntage beim Giro und bei der Tour de France verbrachte. Zwei Grand Tours sind durchaus machbar, wenn man sich gezielt darauf vorbereitet, aber bei der Intensität der Radrennen, die von Jahr zu Jahr spürbar steigt, ist es nicht Märkls erste Wahl. Vielmehr ist seine erneute Teilnahme bei der Tour de France, seine zweite nach 2025, geplant. „Du stehst erst am Start, wenn du wirklich am Start stehst“, zeigt er sich recht vorsichtig, spricht aber geradeheraus von der Bedeutung der Tour. Sie sei noch mal ein Stück größer als der Giro, quasi das Nonplusultra eines Radprofis.

„Der gesamte Radsportzirkus dreht sich um die Tour. Die Medien, die Zuschauer an der Strecke, einfach alles. Diese einzigartige Atmosphäre nimmst du als Fahrer natürlich wahr. Dadurch, dass du dich komplett darauf vorbereitest, um mit 100 Prozent Leistungsfähigkeit am Start zu stehen, hast du auch mehr Achtung vor der Tour“, philosophiert Niklas Märkl. Übrigens: Auch Ackermann plant den Tour-Start. Die beiden Pfälzer können also weiter ihre Grand-Tour-Freundschaft vertiefen.

Nächster Start in Dünkirchen

Die letzte April-Woche und die beiden ersten Mai-Wochen nutzte Märkl also, um die Balance zwischen Erholung und Rennstress zu finden. Erst daheim in Queidersbach mit gelegentlichen Trainingsfahrten durchs Steinalbtal oder zur Kalmit, vor allem aber, um Körper und Geist Ruhe zu gönnen, und dann wieder in seinem neuen Zuhause in Lochau am Bodensee. Am 19. Mai geht es für ihn in Dünkirchen weiter. Erst beim Eintagesrennen, dessen Premiere Ackermann im vergangenen Jahr gewann, dann bei den traditionsreichen „4 Tagen von Dünkirchen“. Eintagesrennen in Belgien und die Belgien-Rundfahrt schließen sich an.

Mit seinen 27 Jahren ist Niklas Märkl längst in seinem Beruf als Vollzeitprofi angekommen. 2018 war er ins Developementteam von Sunweb gewechselt, 2021 dann in die Worldtour. Er fährt im neunten Jahr für dasselbe Team, das immer nur die Sponsoren und damit die Namen wechselte. Von Sunweb über DSM über DSM-Firmenich-PostNL zu Picnic-PostNL. Märkl genießt seinen Traumjob, steht im Einklang mit seinem Alltag, auch wenn für Freizeit wenig Raum bleibt. In den ersten vier Monaten des Jahres war er drei Monate auf Achse – in Trainingslagern, in Rennen, im Flugzeug oder im Auto.

Ritual mit Espresso

„Du entwickelst einerseits Routine und lernst einfach, dein Leben genau zu planen, du genießt aber andererseits die spontanen Dinge mit den Kollegen am Bodensee“, erzählt Märkl. Mal angeln gehen, mal an heißen Tagen in den See springen, mal abends gemeinsam grillen. Auch deshalb ist er in den Großraum Bregenz an den Bodensee gezogen, weil dort viele Radprofis leben.

Allein schon das Treffen bei „Paugi“ morgens kurz vor Zehn hat was. Bis alle Fahrer für die Trainingsfahrt eintrudeln, gibt’s im Radsportladen von Christian Pauker einen Espresso – ein wunderbares Ritual, das die Radrennfahrer pflegen. Ein Einstimmen auf fünf, sechs Stunden durch den Bregenzerwald. „Die Jungs haben quasi alle denselben Tagesablauf. Mit Freunden außerhalb des Radsports gemeinsame Zeit zu finden, ist dagegen eine echte Challenge“, gesteht Märkl. Aber eine Ausnahme gibt es vielleicht: Patenkind Alma. Mal schnell ein Besuch bei ihr, wenn er schon den Giro auslässt, oder?

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