Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Bürger die verdreckte Bank vorm Union-Kino schrubben

So schlimm sah die Bank vorm Union-Kino vor der Schrubbaktion aus.
So schlimm sah die Bank vorm Union-Kino vor der Schrubbaktion aus.

Seit Wochen rümpften Passanten beim Vorbeigehen die Nase: Schlimm, wie die teure Holzbank in der Kerststraße aussieht. Am Samstag gab es eine private Putzaktion.

Die Banken-Retter sind wieder da: Am Samstag haben Männer und Frauen der Bürgerinitiative (BI) „Stadt für alle“ die völlig von Vogelkot überzogene S-förmige Holzbank vorm Union-Kino geschrubbt. Erst im Jahr 2024 war das edle Stück, das mehrere tausend Euro gekostet hat, im Schatten der Platane von der Stadtverwaltung aufgestellt worden. Und jetzt: Einfach nicht nutzbar. In dem großen Baum über der Bank haben Krähen ihre Nester gebaut. Elf an der Zahl hat Michael Fetzer von der BI gezählt. Ihren Kot hinterlassen die Vögel großflächig. Die Bank war die letzten Tage so verdreckt, dass dort niemand mehr sitzen konnte und wollte.

Zwei Stunden lang war Saubermachen angesagt am Samstag.
Zwei Stunden lang war Saubermachen angesagt am Samstag.

Der Zuspruch von Passanten auf die Saubermacher war großartig, berichtet Michael Fetzer, einer der Akteure. Ein benachbarter Gastronom habe ihnen direkt Getränke vorbeigebracht. „Der hat sich riesig gefreut, dass sich jemand kümmert.“

„Das ist optisch eine Zumutung“

Die große Bank ist eine von sehr wenigen Sitzgelegenheiten in der Kaiserslauterer Fußgängerzone. Und dann sowas. Zwei Stunden lang haben die „Stadt für alle“-Aktiven geschrubbt. Fetzer ist klar: Lange wird das nicht halten. Das war eindeutig eine Sisyphusarbeit. Für die BI aber war es ein Fingerzeig. So lange die Krähen sich dort aufhalten, bringe es eher wenig, das weiß er. Er habe ein bisschen recherchiert: „Im Juni ziehen die Krähen wohl ab. Vielleicht kann man die Platane dann zurückschneiden, ohne den Natur- und Krähenschutz außer acht zu lassen.“ Fetzer betont, es gehe auch um die Außenwirkung. „Das ist optisch eine Zumutung.“

Michael Fetzer (links) und Peter Ott (rechts) in Aktion.
Michael Fetzer (links) und Peter Ott (rechts) in Aktion.

Generell ging es Fetzer und Co. am Samstag allerdings um viel mehr als nur Frühjahrsputz im öffentlichen Raum. Es war für sie auch ein kleiner Protest. Vor sieben Jahren schon hatten sie mit einer selbstgezimmerten Bank vor der Adlerapotheke, die die Stadt später abbauen ließ, für Furore gesorgt. Damals wie heute monieren sie: „Es fehlen Bänke in der Stadt.“ Und das, obwohl es zwischenzeitlich Bürger-Workshops gab, Aco-Guss der Stadt sogar Bänke geschenkt hat, von denen die meisten nie aufgestellt wurden. Wobei die Initiative mit den Aco-Guss-Bänken etwas fremdelt. Die Leute wollten lieber auf Holz-, statt auf Stahlbänken sitzen, so Fetzer.

„Dass sich bei den Sitzgelegenheiten einfach nichts tut, das enttäuscht uns, das ärgert uns auch ein bisschen“, sagt er. Einzelhändler hätten das auch schon mehrfach beklagt. Es passiere aber einfach nichts. „Da fehlt Empathie aufseiten der Stadtverwaltung“, findet Fetzer und führt aus: „Es geht darum, die Innenstadt neu zu denken. Da sind Sitzgelegenheiten einfach super wichtig und zentral, gerade auch für das soziale Miteinander, die Nachbarschaften. Die Menschen brauchen Plätze, auf denen sie sich treffen können.“ Anderswo gebe es in der City nicht nur Bänke, sondern zum Beispiel Tischtennisplatten oder Spielgeräte. All das sei Mangelware mitten in Kaiserslautern.

Ohne Bänke keine Wohlfühlstadt

Was Fetzer nicht versteht: Es sei so einfach, etwas zu verändern. So gebe es um viele Bäume in der Fußgängerzone Metallbügel. Da könnten aus seiner Sicht leicht kostengünstige Sitzplätze aus Holz aufmontiert werden. Die Aufenthaltsqualität müsse deutlich besser werden. „Damit Kaiserslautern tatsächlich eine Wohlfühlstadt wird.“

Fast schon grotesk: Fetzer erinnert an ein Flugblatt, das seine Initiative im Jahr 2019 verteilt hatte. Damals führte die Initiative aus, sie habe die Aktion „Banken-Rettung“ gestartet und vor der Stiftskirche eine große Rundbank aufgestellt, „um unsere Stadt für alle Menschen lebenswerter zu machen. Wir sind der Meinung, dass die momentane Situation in der Stadt nicht dem Willen der Bürger entspricht. Die Bewohner dieser Stadt wünschen sich mehr innerstädtisches Grün, besseren Fahrradverkehr und mehr Sitzgelegenheiten“. Die Forderungen könnten heute genau so wiederholt werden, meint Fetzer. Auf dem Musikerplatz, vor dem Museum Pfalzgalerie, auf dem Martinsplatz, auf dem Schillerplatz, am Eingang in die Pirmasenser Straße, überall seien Sitzgelegenheiten nach wie vor rar. Es habe sich eigentlich fast nichts getan. Immerhin sei die Rundbank vor der Adler-Apotheke jetzt wieder aufgestellt worden.

Strenge Regeln für Umgang mit Saatkrähen

Erst kürzlich hatte eine Mitarbeiterin des Umweltreferats in einer Sitzung des Umweltausschusses ausgeführt, dass der Platz vorm Union-Kino als Krähenniederlassung neu hinzugekommen sei, ebenso wie die Stadtplatane, der Musikerplatz und der Stiftsplatz. Bettina Dech-Pschorn, die Leiterin des Umweltreferats, hatte erklärt, dass die Stadtbildpflege in bestimmten Fällen – wenn sich das Nest noch im Bau befindet und wenn es nicht innerhalb einer registrierten Kolonie entsteht – aktiv werden könne und das Nest entfernt werden dürfe. Generell gibt es sehr strenge Regeln für den Umgang mit den Saatkrähen.

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