Kaiserslautern Warhol-Auktion: Bringt NRW Millionen und jede Menge Kritik

Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) hat den Verkauf der Bilder „Triple Elvis“ und „Four Marlons“ von Andy Warhol verteidigt. Der deutsche Kulturrat dagegen kritisierte heftig, dass der zur landeseigenen NRW-Bank gehörende Spielcasinobetreiber Westspiel die beiden Werke bei Christie’s eingeliefert hat. Die Versteigerung der beiden Kunstwerke gestern erbrachte 151,5 Millionen US-Dollar (121,7 Millionen Euro), wie das Auktionshaus Christie′s mitteilte.
Westspiel müsse sich genauso verhalten wie andere Unternehmen auch, sagte Walter-Borjans gestern im WDR-Radio. „Wenn die wirtschaftlich etwas auf die Beine stellen wollen, müssen die erst mal gucken: Was habe ich an eigenem Vermögen?“ Der Deutsche Kulturrat kritisierte den Verkauf erneut als Tabubruch, der der Kultur nachhaltig schaden werde. Westspiel will mit den erlösten 121,7 Millionen Euro Verluste ausgleichen und ein neues Casino in Köln bauen. Ein Teil des Geldes fließt zudem in den Landeshaushalt. Wofür es verwendet wird, steht nach Worten des Finanzministers noch nicht fest. Das Geld in die Kulturförderung zu stecken, darüber werde nachgedacht, sagte Walter-Borjans. Sorgen, dass nun auch Museumssammlungen in Gefahr seien, wies er indes zurück. „Das Land NRW wird aus seinen Museen überhaupt nichts verkaufen und auch die Kommunen werden ihre Museen nicht ausräumen.“ Das befürchtet aber der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann. „Ich sehe vor meinem geistigen Auge schon die Kämmerer mancher notleidender Kommune und so manchen Landesfinanzminister, die jetzt die Kunstsammlungen in den Depots ihrer Museen und ihrer kommunalen und landeseigenen Unternehmen taxieren“, erklärte er in Berlin. Mit dem Verkauf der Bilder habe Nordrhein-Westfalen die Büchse der Pandora geöffnet. „Das Tabu, dass Kunst aus öffentlichem Besitz nicht verkauft wird, wurde gebrochen“, kritisierte Zimmermann. Bereits im Vorfeld hatte es Kritik gegeben. 26 Museumsdirektoren aus ganz Deutschland hatten in einem Brief an die Landesregierung vor einem Verkauf gewarnt. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und die Opposition im NRW-Landtag hatten an die Landesregierung appelliert, die Auktion noch zu stoppen. (dpa)