Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Walfried Weber ist das Gesicht der Lebenshilfe

Typisch: Walfried Weber hat immer ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen.
Typisch: Walfried Weber hat immer ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen.

Die Lebenshilfe hat in Kaiserslautern Erfolgsgeschichte geschrieben. Walfried Weber (82) spielt dabei eine Hauptrolle.

Die Lebenshilfe hat im Jahr 2006 die Gartenschau übernommen, betreibt fünf integrative Kitas, unterhält zig Wohnheime und beschert der Stadt alljährlich im August das Straßenfestival „Alles muss raus“. Weber, der seit dem Jahr 2009 für die CDU im Stadtrat sitzt, erzählt ganz offen, wie es überhaupt zu seinem Engagement bei der Lebenshilfe kam. „Im Jahr 1966 wurde unsere Tochter Anja geboren, mit Downsyndrom. Das war erstmal ein Schock für uns, im Rückblick aber hat Anja, die im vergangenen Jahr gestorben ist, unser Leben ungemein bereichert“, sagt der Vater von zwei Kindern und dreifache Opa. „Meine Frau Cres und ich sind 1969 in die Lebenshilfe eingetreten und haben begonnen, zu kämpfen.“ Damals seien die meisten Menschen mit Beeinträchtigungen zuhause betreut worden. „Das war extrem mühsam. Es gab keine Schulpflicht für sie, keine Kitas, keine Wohnheime, gar nichts. Deshalb haben wir uns mit anderen Eltern zusammengeschlossen, die Not war groß.“

Früh das erste Wohnheim auf den Weg gebracht

Zuerst sei die Kita Nussbäumchen ausgebaut worden, „dann haben wir ein Gebäude in Otterbach angemietet und restauriert, das erste Wohnheim war auf den Weg gebracht“. 1975 wurde Weber Vorsitzender der Lebenshilfe, 1999 Präsident. Als Weber einen Schlaganfall erlitt, drängte er darauf, eine GmbH zu gründen und die Lebenshilfe auf professionelle Beine zu stellen. „Das war vor 30 Jahren, und wir hatten das Glück, mit David Lyle einen umtriebigen Geschäftsführer einzustellen, der heute auch geschäftsführender Vorstand ist.“

Die Übernahme der Gartenschau durch die Lebenshilfe im Jahr 2006 sei eine Art Beschleuniger gewesen, berichtet Weber. „Wir haben die Gartenschau, die insolvent war, gerettet und konnten fortan Menschen mit Beeinträchtigungen in Arbeit bringen.“ Dadurch sei die Lebenshilfe erst richtig bekannt geworden. Heute hat die Lebenshilfe Westpfalz 900 Beschäftigte. Mit Lyle habe er einen wichtigen Ideengeber gefunden, verweist Weber auf den Waschpark, den Cap-Markt und die Tankstelle an der Pariser Straße. Dass die behinderten Menschen arbeiten dürfen, sei für sie Erfüllung und Lebensqualität. „Der Krankenstand ist extrem niedrig.“

Ich wollte das Gras wachsen hören“

Ohne die Lebenshilfe wäre Weber nie in die Politik gegangen. „Aber ich habe irgendwann gemerkt, dass ich positiv in die Gesellschaft hineinwirken kann. Ich wollte das Gras wachsen hören.“ Allerdings ist die Politik auch schuld daran, dass er im vergangenen Jahr mitten in einer Stadtratssitzung mit sofortiger Wirkung die Präsidentschaft für die Lebenshilfe niedergelegt hat. „Damals ging es um die überraschende Kündigung der Eisbahn in der Gartenschauhalle durch die Stadt. Das fand ich unfair. Als Präsident wäre ich befangen gewesen, so aber konnte ich mitreden.“

Ehefrau Cres, mit der Weber seit 60 Jahren verheiratet ist, war immer genauso engagiert wie er. „Allein hätte das keiner von uns geschafft“, meint er. „Und wir waren halt beide immer angetrieben von der Überzeugung, dass behinderte Menschen nicht ausgegrenzt werden dürfen, dass sie Bürgerrechte brauchen wie jeder andere auch, das war und ist unsere innere Überzeugung.“

Auch ohne Ämter immer da

Gewünscht hat sich Weber immer, dass die Lebenshilfe irgendwann nicht mehr gebraucht wird. „Momentan sieht es mir aber gerade nach dem Gegenteil aus, es gibt Gruppierungen, vor allem Rechtsradikale, die mir Sorgen bereiten.“ Auch wenn er bei der Lebenshilfe jetzt keine Ämter mehr habe – Weber stand über 55 Jahre an der Spitze der Vereinigung – , werde er sich weiter einbringen. „Wenn ich gebraucht werde, wenn ich gerufen werde, wenn ich Bedarfe sehe, werde ich mich einklinken.“ Wenn jemand juristischen Rat braucht, gilt Weber als einstiger zuletzt als Notariatsoberrat nach wie vor als wichtige Anlaufstelle.

So oder so: Langeweile kennt Weber nicht. Der große Garten will in Schuss gehalten werden, er brennt Schnaps, züchtet Bienen. Und dann ist da noch die Großfamilie. „Wir leben mit drei Generationen, unserer Tochter und drei erwachsenen Enkeln auf einem Grundstück. Das klappt hervorragend, auch weil jeder für jeden da ist.“ Helfen ist halt auch privat ganz Webers Ding.

„Er hat wichtige Weichen gestellt“

Theo Klauß vom Bundesvorstand der Lebenshilfe war kürzlich extra aus Berlin angereist, um ihn für sein über fünf Jahrzehnte andauerndes ehrenamtliches Engagement für die Lebenshilfe auszuzeichnen. Weber erhielt die goldene Ehrennadel, die höchste Auszeichnung, die die Lebenshilfe zu vergeben hat, außerdem wurde er zum Ehrenpräsidenten der Lebenshilfe Westpfalz ernannt. Klauß bezeichnete Weber als eine herausragende Persönlichkeit, deren Wirken ganz eng verbunden sei mit der Lebenshilfe in der Region. Er habe wichtige Weichen gestellt. Mit seiner Unterstützung sei das Leben unzähliger Menschen mit Beeinträchtigungen stetig verbessert worden.

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