Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel „Wäre der Super-GAU“: So reagieren Besucher auf drohendes Aus der Gartenschau

Kürbisskulpturen überall – die sieht man gerade auf der Gartenschau. Dass sie jedes Jahr 500.000 Besucher zählt, schützt sie nic
Kürbisskulpturen überall – die sieht man gerade auf der Gartenschau. Dass sie jedes Jahr 500.000 Besucher zählt, schützt sie nicht vor finanziellen Schwierigkeiten.

Die Gartenschau in Kaiserslautern hängt am seidenen Faden – 550.000 Euro zusätzlich braucht sie pro Jahr. Was, wenn es wirklich zur Schließung kommt? Ein Stimmungsbild.

Zwischen Gartenschau und Kottenschule liegen drei Straßen, 550 Meter oder eben: acht Minuten zu Fuß. Was es also bedeuten würde für die Kinder, wenn sie das Gelände hier irgendwann abschließen, ernsthafte Frage? „Das wäre der Super-GAU!“, sagt Laura Clemenz. Und sie warnt vor einer Folge, die einen nachdenklich stimmen sollte: „Für die Entwicklung der Kleinen wären das große Einbußen.“ Clemenz ist Grundschullehrerin auf dem Kotten, sie hat die letzten Stunden vor den Ferien heute zum Wandertag erklärt. Der Besuch der Gartenschau sei schon Tradition im Haus, sagt sie – denn zwei-, dreimal im Jahr ziehe es jede Klasse hierher. „Unsere Kinder haben wenige bis gar keine Spielmöglichkeiten“, meint Clemenz. „Und kein Grün.“ Würde der Outdoorpark an der Lauterstraße also von jetzt auf gleich dichtmachen, für ihre Schule wäre das nur eines: „ganz traurig, ganz schlimm“.

Freitagmorgen auf der Gartenschau, 9.30 Uhr. Über Kaiserslautern hängt dichter Nebel, knapp zehn Grad, und auf den Wiesen des Areals schlägt die Zeit der Kürbisköpfe. Erstklässler toben auf dem hölzernen Piratenschiff, schrille Rufe zerreißen die Luft. Bis gerade eben hat Laura Clemenz, die Frau von der Kottenschule, noch nichts davon gehört, dass dem größten Lautrer Garten ein jähes Aus droht.

Gartenschau braucht 550.000 Euro mehr im Jahr

Die Info jetzt ist ein Schock. Es hängen ja Erinnerungen an der Attraktion, Emotionen, auch für sie. „Ich war an den Wochenenden selbst hier als Kind“, sagt Clemenz, „hab’ vieles gelernt“. Ihre Kollegin, Marie Steiner, legt nach: „Als Schule können wir die Busse woandershin oft gar nicht bezahlen.“ So eine Gartenschau, direkt vor der Haustür, die sei da ein Glücksfall – mit all ihren Wasserspielplätzen, Dinosauriern, Lehrtafeln. Nur, warum wird zurzeit vom Untergang eines Publikumsmagneten gesprochen, der jedes Jahr rund 500.000 Leute lockt?

Die Gartenschau ist ein Publikumsmagnet. Auch wegen ihrer Dinos.
Die Gartenschau ist ein Publikumsmagnet. Auch wegen ihrer Dinos.

David Lyle, der Geschäftsführer der Gartenschau, hatte bereits Mitte September im RHEINPFALZ-Gespräch die Bombe platzen lassen. In der Stadtratssitzung am vergangenen Montag unterstrich er nun die Dramatik, die von der wirtschaftlichen Lage ausgeht: „Unsere finanzielle Not ist nicht Ergebnis eines verunglückten Konzepts – sie beruht schlicht darauf, dass Partner sich nicht an Zusagen halten und keine Verantwortung übernehmen“, kritisierte Lyle. Allein dieses Jahr rechne er mit Miesen in Höhe von 500.000 Euro. Lyle zitierte aus einem Gutachten von Wirtschaftsprüfern, laut dem sich die Gartenschau nicht lohnt. 550.000 Euro – so viel brauche der Park zusätzlich pro Jahr, um überleben zu können. Fließe kein Geld, dann war’s das, warnte Lyle. 2026, nach der Saison, fiele der Hammer.

Schlechte Nachrichten also für Kaiserslautern. Und wie reagieren die treuen Gäste auf das plötzlich angedrohte Ende eines der beliebtesten Orte der Stadt?

Da wäre an der Brücke zum Beispiel das Pärchen von der Weinstraße, das extra angereist ist an diesem Morgen. Von den Geldsorgen hat es gehört, selbstverständlich. „Schade“, sagt die Frau. „Wenn es die Gartenschau nicht gäbe, würden wir Kaiserslautern nicht besuchen. Warum auch?“ Einmal im Jahr fahren sie aus der Vorderpfalz in die Stadt, jeden Herbst – allein wegen der leuchtenden Kürbisausstellung. Oder eine Niederländerin aus Rodenbach, die ihren Namen nicht verraten will, aber fragt: „Was ist denn dann noch übrig ohne Gartenschau? Wo sonst soll man mit der Familie hin?“ Für sie sei der Park eine „Memory Lane“, pure Nostalgie. Hier hat sie ihre Kinder aufwachsen, sie herumtollen sehen, nachdem sie 2003 ein zweites Mal in die Region gezogen ist. Seit 25 Jahren begeistert das Areal schließlich Jung und Alt – gerade feiert es Jubiläum. „Zu jeder Jahreszeit spürt man einen anderen Vibe“, schwärmt die Rodenbacherin. Keine Gartenschau, das heißt: kein Kaiserslautern. Für sie zumindest.

„Dann würde man am falschen Ende sparen“

Und da sind auf dem nassen Pfad zum Kaiserberg die Eheleute Klein, zwei Dauerkartenbesitzer, die die Aufregung der vergangenen Tage über die Presse verfolgten. Wenn er an eine Stilllegung denkt, sehe er „eine Katastrophe“ heraufziehen, sagt Franz-Josef Klein. Einen „Imageverlust“ für die Stadt, und nicht nur das: Als Inklusionsbetrieb leiste das Team einen unerlässlichen Beitrag für die Gesellschaft – was würde nach einem Aus wohl mit den Mitarbeitern passieren, allen voran den beeinträchtigten? „Immerhin stehen die Ratsfraktionen hinter der Gartenschau“, sagt er. Nicht zu vergessen die Angebote, die entfielen, erzählt Ursula Klein. Gerade erst hat sie den Baumyoga-Kurs besucht – „Wahnsinn war das!“ Ihre Hoffnung jetzt: ein williger Sponsor, der einspringt. Am härtesten jedoch, darüber sind sich alle einig an diesem Herbstmorgen, würde eine Abwicklung die Kinder treffen. Natürlich die.

Der Kürbis-Lkw am Ausgang, feuchter Rasen. Hier stehen Lea Blauth und Dominik Schweizer, zwei Lehrer, umringt von ihren Klassen. Ein Abschied von der Gartenschau? „Dann würde man am falschen Ende sparen“, sagt Schweizer, „für die Stadt ist sie doch eine einzigartige Möglichkeit, einen sozialen Treffpunkt zu schaffen“. Er und Blauth unterrichten ebenfalls auf dem Kotten – in einer Grundschule, die geprägt ist von Beton. Viele ihrer Schüler, so Schweizer, hätten „gar nicht die Chance“ auf einen Ausflug ins Grüne. Es bleibt das, was nahe ist. Die Gartenschau.

Dass genau sie 2026 sterben könnte, nein, das übersteige wirklich jede Vorstellungskraft.

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