Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Vorteile des Handyparkens und die Grenzen der Digitalisierung

Verschiedene Apps können zum Parken in Kaiserslautern genutzt werden.
Verschiedene Apps können zum Parken in Kaiserslautern genutzt werden.

Mit der Erhöhung der Parkgebühren ist auch das Handyparken in den Fokus gerückt. Denn damit lassen sich Kosten und Zeit sparen. Technisch ist noch viel mehr rund ums Parken möglich, gerade in der Smart City Kaiserslautern. Doch die Digitalisierung hat praktische Grenzen.

Parkplatz gefunden, aber kein Kleingeld zur Hand? Nur schnell in die Apotheke, aber die kleinste Münze ist ein Zwei-Euro-Stück? Knöllchen an der Scheibe, weil das Shoppen zwei Minuten länger dauerte? Das alles kann durchs Handyparken vermieden werden. Seit April 2018 bietet die Stadt Kaiserslautern die Möglichkeit, mit einer App die Parkgebühren zu zahlen.

Selbst programmieren mussten die Mitarbeiter dafür aber nicht, erläutert Martin Wilke von der KL.digital GmbH, die das Referat Tiefbau bei dem Projekt unterstützte. „Es gibt mehrere Apps und deren Anbieter haben sich in einer Initiative namens Smartparking zusammengeschlossen.“

Auf der Website sind mittlerweile sieben bundesweit und in Österreich nutzbare Apps aufgelistet, die alle in Kaiserslautern funktionieren. Mit vielen von ihnen kann auch in anderen europäischen Städten gezahlt werden. Einige bieten weitere Funktionen wie die Anzeige von Parkmöglichkeiten und die Navigation dorthin oder das Reservieren von Parkplätzen.

„Jede App hat etwas andere Möglichkeiten und Gebühren: Jeder kann für sich das passende heraussuchen“, sieht Wilke einen Vorteil in der Vielfalt und weniger einen Nachteil darin, sich mit der Materie beschäftigen zu müssen. Nach der Registrierung in der App braucht der Nutzer auf dem Parkplatz dann nur noch das Handy zu zücken.

Für die Kommunen ist der Service kostenlos, die Apps finanzieren sich über die Nutzer. „Für diesen Service zahlt man ein paar Cent mehr als mit Münzen am Automaten“, bestätigt Wilke. Doch diese Kosten würden schnell wieder hereingeholt – abgesehen vom Bequemlichkeitsfaktor. „Habe ich nicht die passenden Münzen oder meine Erledigungen gehen viel schneller als erwartet, dann habe ich mit Bargeld oft zu viel bezahlt.“ Dauert es jedoch länger als gedacht, kann ein Knöllchen das Ergebnis sein. „Beim Handyparken bin ich flexibel, muss mich weder hetzen noch über zu viel gezahltes Geld ärgern“, sagt Wilke.

Handyparken seit Einführung immer beliebter

Seit der Einführung am 20. April 2018 hat das digitale System beständig Zuwächse verzeichnet – von offensichtlichen Corona-Einbrüchen abgesehen. Von 2222 Parkvorgängen im Mai 2018 stieg die Anzahl auf 28.627 im Dezember 2021 und machte damit laut Stadtverwaltung knapp über 16 Prozent aus.

Kann uns die Technik nicht noch mehr helfen und uns – in der „herzlich digitalen Stadt“ – zu einem freien Parkplatz lotsen? Und so die zeitraubende sowie wenig klimafreundliche Parkplatzsuche ersparen? „Rein technisch ist das möglich“, stimmt Wilke zu. In der Realität allerdings werden wir damit in nächster Zeit wohl nicht rechnen können. „Ich weiß von keinem konkreten großflächigen Projekt.“

Um einen freien Parkplatz zu erkennen, gibt es mehrere Möglichkeiten. „Ich könnte die Stadt mit Kameras oder optischen Sensoren ausstatten“, nennt der Experte eine. „Aber dann hingen alle Baumkronen voll und wegen des Laubs im Sommer würden die Autos nicht klar erkannt.“ Abgesehen von der Optik würde dies wohl auch den Datenschutz auf den Plan rufen.

Eine andere Variante wären Sensoren im Boden. Die auch schon angewandt werden, wie Wilke weiß. „Der Aldi-Parkplatz in der Königstraße hat ein solches System. Damit wird erkannt, wer die erlaubte Parkdauer überschreitet.“ Optische Sensoren erkennen ein darüberstehendes Auto: Das funktioniert gut bei klar abgegrenzten, parallelen Parkplätzen wie bei Aldi. „Habe ich jedoch am Straßenrand eine lange Strecke fürs Parken, dann ist es schwierig, die Sensoren so zu platzieren, dass sie jedes Auto erfassen. Der Sensor könnte sich gerade zwischen zwei Wagen befinden und somit einen Parkplatz anzeigen, obwohl nur ein Meter Platz ist“, macht Wilke das Problem deutlich.

Verringern ließe sich diese Fehlerquote mit magnetischen Sensoren, die „einen großen Eisenklumpen in der Nähe erkennen“. Doch egal wie genau die Messung des Freiraums ausfällt, ein Problem bleibt: die unterschiedliche Länge der Fahrzeuge. „Was nützt es dem Fahrer eines Kombis, wenn er etliche Parkplätze angezeigt bekommt, aber nicht hineinpasst. Und der Smart-Fahrer an vielen freien Plätzen vorbeifährt, aber seine App nichts kund tut.“

Nutzen und Kosten müssen abgewogen werden

Während beim Anblick von zwei kreativ geparkten Autos auf drei Aldi-Parkplätzen die allermeisten wohl den Faktor Mensch als Fehler ausmachen, werde sehr wahrscheinlich die Technik dafür verantwortlich gemacht, wenn die Anzeige nicht mit den tatsächlich verfügbaren Plätzen übereinstimmt, ist Wilke überzeugt. „Das ist das Grunddilemma der Digitalisierung – oder besser: der Eckpfeiler: Ich muss einen Nutzen, einen Mehrwert durch die Technik haben.“

Und so stelle sich immer wieder die Frage: „Wie viel will ich zahlen für die Genauigkeit?“ Rein technisch könne man die jeweilige Fahrzeuggröße einrechnen. Aber, abgesehen von den individuellen Einparkqualitäten, würde der Kostenaufwand wohl den Nutzen übersteigen. So wird laut Wilke ein Parkplatz-Erkennungs-System derzeit nur auf überschaubarem Raum angewendet. Wie bei Aldi „oder in Parkhäusern: Es gibt welche, in denen ein grünes Lämpchen einen freien Platz anzeigt.“

Das schließe jedoch nicht aus, betont Wilke, „dass wir so etwas in einem Pilotprojekt mal ausprobieren“. Schließlich bringe auch das Erkennen von Fehlern einen Nutzen. „Und andere Kommunen profitieren davon, weil wir unsere Erkenntnisse weitergeben.“

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