Betze-Geflüster
Vor dem FCK-Spiel in Kiel: Über Ja-Nein-Interviews, einen verkürzten Dreisatz und andere Irrtümer
Der 26 Jahre alte Ex-Osnabrücker Maxwell Gyamfi verteidigte vergangenen Samstag bei Hertha BSC herausragend und war neben Julian Krahl ein wesentlicher Faktor für den 1:0-Sieg des 1. FC Kaiserslautern bei Hertha BSC. Am Freitag, 17. April, 18.30 Uhr, gastiert der FCK bei Holstein Kiel. Die Störche verspüren Rückenwind im Abstiegskampf. „Was oft vergessen wird: Kiel ist ein Erstliga-Absteiger. Ich messe den Kader am vorhandenen Potenzial. Das waren zuletzt wilde Spiele einer sehr intensiven Mannschaft“, sagt FCK-Coach Torsten Lieberknecht. Auf der Bank der Kieler sitzt seit dem 25. Februar Tim Walter. Vor einer Woche verblüffte Fußball-Lehrer Walter die Medienrunde bei der Holstein-Spieltags-Pressekonferenz durch einen arroganten Oberlehrer-Auftritt. Als HSV-Trainer ist Walter mit der Mission Wiederaufstieg gescheitert. Vor der 0:2-Niederlage am 15. April 2023 auf dem Betze verkündete er, der Goldhamster seiner Tochter heiße Fritz Walter.
Im Holstein-Stadion braucht der FCK ganz sicher auch wieder einen starken Maxwell Gyamfi. „Die Leistungsschwankungen sind ein Stück weit normal, wenn ein Spieler wie er, der aus der Dritten Liga kommt, sich bei uns eine Klasse höher in die Startelf spielt. Die gemeinsame Herausforderung ist, ihn dabei zu unterstützen, konstanter zu werden. Die ,Dellen’ bei ihm hängen häufig damit zusammen, dass die Konzentration nachlässt. Diese Stabilität müssen wir über die Trainingswoche versuchen zu erarbeiten“, sagt Trainer Lieberknecht.
Von Vorgängern lernen
Gyamfi kann auch bei Vorgängern lernen, wie man verbale Fehltritte korrigieren kann. Die Medienleute sind ja nicht seine Feinde. Sie sind auch Dienstleister der Fans, sind die Mittler zwischen den Profis und der Fangemeinde.
So war das auch schon am 4. November 1995. Claus-Dieter Wollitz, aus Wolfsburg zum FCK gekommen, hatte auf dem Betze einen schweren Stand. Im Derby gegen den Karlsruher SC wurde er in der 61. Minute für Matthias Hamann eingewechselt, vernahm die Pfiffe, verwandelte in der 85. einen Foulelfmeter zum zwischenzeitlichen 2:1. Am Ende aber war „Pele“ genervt von den Pfiffen und dem späten Ausgleich der Badener. Damals warteten die Journalisten im Gang direkt vor den Kabinen auf die Protagonisten in kurzen Hosen. Wollitz, eigentlich immer für Statements zu haben, wollte nicht. Mit seiner riesigen Sporttasche ebnete er sich den Weg und sagte kein einziges Wort. Auf den RHEINPFALZ-Kommentar „Mit dem ICE durch die Kinderstube“ reagierte der Linksfuß mit einer Entschuldigung. Seither gab es manche Begegnung, manches Interview mit dem jetzigen Trainer von Energie Cottbus. Und „Peles“ Tipp mit der Stadtmauer-Bar in Cottbus war ein sehr guter.
Interview ohne Kürze und Würze
Im Sommer 2009 heuerte Marco Kurz als FCK-Trainer an. Das bei Pressechef Christian Gruber angemeldete erste Interview mit Kurz fand bei knapp 40 Grad auf dem Weg von Platz 4 zum Stadion in Höhe des „Kiebitz“ statt. Ein Flop. Die Frage nach Anel Dzaka, einem klassischen Spielmacher, mit dem Kurz offensichtlich nicht plante, nervte den Trainer. Er antwortete äußerst knapp. Das „Interview“, ein verlängerter Dreisatz, verblüffte ob seiner Kürze ohne Würze auch den damaligen Vorstandschef.
Kurz meldete sich telefonisch, räumte ein, das sei schiefgelaufen: „Das bin ich nicht, so bin ich nicht.“ Ein paar Tage später, der Zweitligist FCK war auf dem Weg zum Pokalspiel bei Drittligist Eintracht Braunschweig, rief Kurz an und sagte nur: „Adam Nemec ist im Bus.“ Der slowakische Stürmer war gerade erst von GKC Genk aus Belgien gekommen und stand am 31. Juli 2009 sogleich in der Startelf. Ivo Ilicevic sah in der 35. Minute Rot, Nemec schoss in der 62. Minute das goldene Tor. Trainer der Braunschweiger damals: Torsten Lieberknecht. Die Zusammenarbeit mit Marco Kurz aber war fortan eine ehrliche und vertrauensvolle.
Rübezahls Deutschkenntnisse
Dass das auch mal mit Marian Hristov so werden könnte, ließ sich allenfalls erhoffen, als der damals 24 Jahre alte Bulgare 1997 von Lewski Sofia kam. Bei seinem Debüt im FCK-Dress am 2. August 1997 beim 1:0-Sieg bei den Münchnern Bayern erlitt der Hüne einen Mittelfußbruch. Interviews wolle er nicht geben, hieß es in den Tagen danach. Außerdem spreche Hristov kein Deutsch. Bei einem Testspiel gegen Bulgarien bot ein bulgarischer Sportreporter an, zu dolmetschen. Marian Hristov verblüffte mit den Worten: „Warum machen wir das Interview nicht in Deutsch?“ „Ich dachte, du kannst kein Deutsch…“ Hristov, von Otto Rehhagel liebevoll Rübezahl getauft, gab das Interview in Deutsch und erklärte grinsend: „Außerdem kann ich die bulgarischen Reporter nicht leiden.“
Die Serie
Im „Betze-Geflüster“ greifen wir Begebenheiten am Rande der Spiele des 1. FC Kaiserslautern auf. Horst Konzok war mehr als ein Vierteljahrhundert Ressortleiter der RHEINPFALZ-Sportredaktion. Er ist ein intimer Kenner der Roten Teufel.
