Badminton
Von Dänemark nach Istanbul zur Erwachsenen-EM
Dass die Schülerin der Eliteschule des Sports nach Istanbul reisen und dort das deutsche Nationaltrikot tragen darf, kam nicht überraschend. Sie hatte dem deutschen Erwachsenenteam mit ihrem Sieg im Einzel gegen Schweden geholfen, sich für die EM zu qualifizieren. Für die 18-Jährige, die aus Alpenrod ans HHG gewechselt ist, um ihren Badmintontraum zu leben, ist das Ganze trotzdem eine große Nummer. Es ist ihr erster großer Auftritt bei den Erwachsenen.
Für Nilges, die am DBV-Nachwuchsstützpunkt in Kaiserslautern trainiert, im Oktober bei der Jugend-EM in Indien war und für die SG Rheinhessen ans Netz geht, steht vor dem Flug am 9. Februar nach Istanbul noch einiges auf dem Programm. Gerade ist sie zurück vom Team Europe Wintercamp in Laško. Eine Woche lang war sie, zusammen mit Talenten aus ganz Europa, die auf dem Weg zur internationalen Spitze begleitet werden sollen, in Slowenien. Neben Training standen auch Inhalte abseits des Courts auf dem Programm wie Karriereplanung und Persönlichkeitsentwicklung. Nilges war begeistert vom hohen Level und der Motivation der Teilnehmer. „Jeder wollte das Beste rausholen, aber alle haben sich auch gegenseitig geholfen. Die Stimmung war sehr gut“, schwärmt die Schülerin, die im Internat des HHG wohnt.
Dänischer Trainer hilft
Beim Lehrgang hat sie Freundschaften geknüpft und eine Verbindung aufgebaut, die ihr kurz darauf helfen sollte. Als sie wusste, dass sie für die Team-EM nominiert war, stellte sich heraus, dass ihr Kaiserslauterer Trainer Christian Stern in der Vorbereitungszeit nicht mit ihr würde trainieren können. Er ist zeitgleich mit zwei Talenten des HHG beim internationalen Border-Turnier in der Nähe von Straßburg, Frankreich. Nilges reist zunächst mit Smilla Fluhrer, ihrer Zimmernachbarin im HHG, zur deutschen Meisterschaft nach Cloppenburg, die am Donnerstag, 29. Januar, beginnt. Danach setzt sich „Kathi“ in den Zug und fährt weiter nach Dänemark. Dort trifft sie den Trainer, der ihr in Slowenien Hilfe bei der Vorbereitung angeboten hatte: Sune Gavenholt, Talentetrainer der U19 im Badmintonteam Europe. Er hat in Aarhus ein Trainingszentrum, und dann ist da noch ein anderer Grund, warum sie die acht Stunden Zugfahrt nach Dänemark gewählt hat: Sie kann bei Tamino Procida wohnen und trainieren, der früher am HHG und am Stützpunkt war und jetzt als Badmintonspieler in Aarhus lebt.
Moszczynski gibt Comeback
Wenn sie auch dank seiner Hilfe gut vorbereitet in Istanbul in der Halle stehen wird, wird sie auf die nächste Person treffen, die sie aus dem HHG kennt: Emma Moszczynski. Die 24-Jährige war wie sie Schülerin an der Eliteschule des Sports und hat im Nachwuchsstützpunkt trainiert. Sie wohnt und studiert in Saarbrücken und hat nach einer längeren Auszeit vom Badminton, in der sie unter anderem mit Knieproblemen kämpfte, kürzlich ihr Comeback in der Nationalmannschaft bekanntgegeben. Die Nominierung für die Team-EM ist für sie ein wichtiger Schritt zurück auf die internationale Bühne.
Nilges hat sich darüber sehr gefreut. Für die 18-Jährige ist Moszczynski ein großes Vorbild. „Sie konnte alles supergut, hat viel Energie reingesteckt und ich konnte viel von ihr lernen“, schwärmt sie von der sechs Jahre älteren Teamkollegin. Katharina Nilges wird in der Türkei wahrscheinlich das dritte Einzel spielen. Sie trifft mit der deutschen Nationalmannschaft in den Gruppenspielen auf die Teams aus Dänemark, der Ukraine und Estland. „Ich freue mich einfach drauf. Ich will das Beste mit dem Team geben und schauen, was rauskommt“, sagt die Alpenroderin, die ihren Badmintontraum weiterlebt, aber dabei noch vor einem Punkt Schiss hat: „Die Neuen im Team müssen immer was Hippymäßiges anziehen, was ihnen ihre Teamkollegen aussuchen. Ich bin mal gespannt, wie bunt ich dann rumlaufe“, sagt sie und grinst.