Radsport
Vereine wollen bei Meisterschaften als gute Gastgeber glänzen
„Es wird alles gut laufen. Alle, die aus ganz Deutschland kommen, werden zufrieden heimfahren“, gibt sich Andreas „Andi“ Märkl (59) selbstbewusst. Es werden nicht wenige Menschen kommen. 200 Anmeldungen für die vier Zeitfahr-Entscheidungen am Freitag in Ramstein und 900 Anmeldungen für die acht Entscheidungen am Samstag und Sonntag in Linden liegen vor, dazu kommen Betreuer und Familienmitglieder. Heißt auch: gute Aussichten für Hotellerie und Gastronomie in der Region. Für einen Moment schiebt Märkl alle Hektik und jeden Stress beiseite, weg vom Radsport, hin zum Alltag und banalisiert bewusst. „Die Bratwurst kostet drei anstatt sieben, das Bier kostet vier Euro anstatt sieben Euro“, sagt er lachend, „nach außen wird es eine sehr schöne Veranstaltung sein“. Es soll ein Fest werden. Von Menschen für Menschen gemacht.
Linden kurzfristig eingesprungen
Und nach innen? Schwamm drüber, der Countdown läuft ja. Nur so viel: Er würde auf keinen Fall mehr mit seinem RSC Linden so kurzfristig als DM-Ausrichter einspringen, er habe sich mal wieder überreden lassen, verrät er. Vielleicht hat er sich auch nur selbst überredet, wer weiß, zumindest hatte ihm seine Familie dringend davon abgeraten, um dann – ja um dann doch mit allen Kräften mitzuhelfen. So führt seine Frau Annette die lange und doch zu kurze Helferliste und macht keinen Hehl daraus, dass noch immer jede und jeder gebraucht werden kann (Anmeldungen im Internet auf www.dmkl2025.de). Jedenfalls glaubt Andi Märkl: „Offenbar sind wir total radsportinfiziert. Ein normaler Mensch macht so was nicht“.
Ja, es brannte zuletzt oft lichterloh. Klar, anstatt die üblichen zwei Jahre, die ein Ausrichter braucht, um solch ein Mammutprogramm auszutüfteln, blieben ihm, dem Verband und dem RSC Linden nur vier, fünf Monate Vorbereitungszeit, und es musste auf den letzten Drücker ein Ortswechsel von Kaiserslautern in die Verbandsgemeinden Ramstein-Miesenbach und Landstuhl vorgenommen werden. „Das war nicht lustig“, merkt Märkl an, denn die Meisterschaften standen auf der Kippe. Ein Kurs vom Unigelände nach Trippstadt hoch und über Stelzenberg hatte als Plan B oder C zur Debatte gestanden, bis Nicole Meier, die 1. Beigeordnete der Verbandsgemeinde Landstuhl, mit dem Angebot kam: „Wir machen das bei uns“. Ja und Ramstein rettete das Zeitfahren, was dem Verband German Cycling sehr entgegenkam. So liegen die beiden Rennen mit so unterschiedlichem Charakter (Zeitfahren und Straßenrennen) nahe beisammen, dazu kommen die deutschen Bahnmeisterschaften in der Woche darauf in Dudenhofen, was viele Rennfahrerinnen und Rennfahrer für einen zehntägigen Aufenthalt in der Pfalz nutzen.
Wichtiger Hauptsponsor
Aber auch das ist erwähnenswert: Neben dem großen lodernden Feuer brannte das kleine Feuer für den Radsport in Märkls Seele weiter, sonst hätten er und seine Frau Andi nicht Ende Mai für ein paar Tage die Zeit gefunden, mit dem Wohnmobil zum Giro d’Italia zu fahren, wo Sohnemann Niklas in seine letzte Giro-Woche ging, oder Andreas hätte nicht noch die Muße gehabt, kurzfristig als Betreuer im Team Wipotec bei der Trofeo Karlsberg am vergangenen Wochenende einzuspringen.
„Ohne unseren Hauptsponsor Wipotec und ohne Udo Wagner, einen der beiden Geschäftsführer, der sich auch persönlich in der Organisation einbringt, hätten wir die Meisterschaften nicht austragen können“, gibt Märkl zu bedenken. Auch aus Gründen des geringen zeitlichen Vorlaufs lief im Etat der Veranstaltung vieles anders als geplant. Der Verband German Cycling hat auf Gebühren, die er normalerweise vom Ausrichter einnimmt, verzichtet. Für Verkehrsschilder zum Beispiel muss der Ausrichter nichts an die Gemeinden überweisen, dafür aber hat der RSC Linden den gesamten Bewirtungsbetrieb an die Ortsvereine abgegeben, weil er das Personal weniger für den Bratwurstverkauf und vielmehr für die vielen Absperrungen braucht. „Uns geht da eine große Einnahmequelle verloren, aber ich sehe das positiv. Jetzt können sich Vereine, Schule und Kindergarten für ihre Jugendabteilungen oder Einrichtungen aus dem Verkaufserlös was anschaffen. Es ist für einen guten Zweck“, erzählt Märkl. Und: Mit einem mittleren fünfstelligen Betrag hat der RSC Linden die Fernsehübertragung im dritten Programm des Südwestrundfunk garantiert. „Vier Kameras im Zielbereich, drei Motorradkameras, Drohnen, ein Übertragungswagen – dieser Luxus war uns das Geld wert“, sagt er.
Bürger stellen Höfe bereit
Andreas Märkl glaubt, dass sein Heimatort Linden (er zog erst vor 20 Jahren nach Queidersbach) sehr stolz ist, einmal mehr deutsche Meisterschaften bei sich zu haben, dieses Mal sogar die der Elite. So sehr, dass sogar Kinder- und Laufradrennen im Ort stattfinden.
„Die Anwohner sind motiviert, ich habe keine Klagen gehört. Im Gegenteil, Leute stellen ihre Höfe zur Verfügung, damit zum Beispiel die Teams wie Red Bull-Bora-hansgrohe oder Tudor sich mit ihren Bussen reinstellen können“, sagt Märkl: „Wir werden aus dem Ganzen keinen finanziellen Gewinn schlagen, aber das war auch nicht der Sinn“. Er sieht lieber den ideellen Gewinn. Der Radsport soll weiter leben und die radsportverrückte Pfalz und der RSC Linden ihren Beitrag dazu leisten.