Fragen und Antworten
Urlaub als pflegende Angehörige? Das müssen Lautrer wissen
Wenn die eigene Mutter pflegebedürftig wird, der Vater nicht mehr alleine zu Hause bleiben kann, der Ehepartner auf Hilfe angewiesen ist, springen häufig Angehörige ein. Berufliche oder private Belange werden zurückgestellt, die Pflege im häuslichen Umfeld rückt an erste Stelle. Doch was, wenn angesichts der Dauerbelastung die eigenen Kräfte nicht mehr ausreichen? Wer pflegt, reicht nicht einfach einen Urlaubsantrag ein. Ein Kurzzeitpflegeplatz kann die Antwort sein.
Wer bietet Kurzzeitpflege an?
Es gibt im Stadtgebiet neun Pflegeheime, die neben stationären auch Kurzzeitpflegeplätze anbieten. Auf der Webseite der Stadt findet sich unter „Soziales und Gesellschaft“ der Punkt „Ältere Menschen“. Hier kann man Kontakt zu den Seniorenberaterinnen Damaris Roscher und Margit Walg-Joyce aufnehmen sowie eine Übersicht der Pflegeeinrichtungen (Stand Juli 2023) herunterladen. Diese listet nicht nur Pflegeeinrichtungen, sondern auch Adressen zur Tagesbetreuung, zu Hilfen im Alltag, ambulanten Unterstützungsangeboten sowie Intensivpflegediensten auf.
Gibt es freie Plätze?
Während bei der Protestantischen Altenhilfe Westpfalz zum Zeitpunkt der RHEINPFALZ-Anfrage keine Aufnahmemöglichkeit besteht, kann Petra Landau von der Arbeiter-Wohlfahrt Pfalz in der Donnersbergstraße die Frage bejahen. Heidi Sauerbaum vom Wohn- und Pflegeheim Kessler-Handorn kann in der Stadt keinen Platz anbieten, weiß aber von freien Kapazitäten im Schwesterhaus in Siegelbach, wo es zehn Kurzzeitpflegeplätze gibt.
Es gehört Glück dazu, zum gewünschten Zeitpunkt einen passenden Platz für den eigenen Angehörigen zu bekommen. Kurzzeitpflegeplätze werden im Heimangebot meist als „eingestreute“ Plätze geführt und je nach Nachfrage und Möglichkeiten besetzt. Ist die Personaldecke zu dünn oder die Auslastung des Heims mit stationären Bewohnern bereits sehr hoch, wird Kurzzeitpflege praktisch unmöglich.
Und wenn ich mit meinem Angehörigen gemeinsam Urlaub machen möchte?
Diese Möglichkeit bieten Pflegehotels. In aller Regel handelt es sich hierbei um barrierefreie Häuser, in denen, ähnlich wie bei einem Kurzzeitpflegeplatz, entsprechend des Pflegegrades Leistungen gebucht werden. Das Angebot in diesem Bereich ist aufgrund fehlenden Personals und schwieriger finanzieller Ausgestaltung stark geschrumpft. In Kaiserslautern und Umgebung findet sich kein derartiges Haus.
Was kostet Kurzzeitpflege?
„Ab Pflegegrad 2 leisten Pflegekassen einen festen Zuschuss zur Kurzzeitpflege“, erklärt Heidi Sauerbaum, Einrichtungsleiterin bei Kessler-Handorn. Je nach Schweregrad reicht dieser Zuschuss für 22 Tage (bei Pflegegrad 3) oder 27 Tage (bei Pflegegrad 2). Dazu kommt ein Eigenanteil, der privat übernommen werden muss und sich nach der Aufenthaltsdauer berechnet. Für 27 Tage bei Pflegegrad 2 liegt der Eigenanteil bei etwa 1800 Euro. Auf der Webseite der Protestantischen Altenpflege Westpfalz oder bei Kessler-Handorn kann man die Kosten nach individuellen Angaben berechnen lassen. Der Eigenanteil kann gesenkt werden, wenn man Entlastungsleistungen geltend macht: Pflegende haben pro Monat Anspruch auf 125 Euro Unterstützung. Diese können für stundenweise Betreuung oder Hilfe im Alltag eingesetzt werden. Oder sie werden angespart und können dann zur Senkung des Eigenanteils bei Kurzzeit- oder Verhinderungspflege eingesetzt werden.
Wie kommt man an einen Platz?
Eine Lauterer „Meldestelle“, die weiß, wer gerade wie viele freie Pflegeplätze hat, gibt es nicht. Deshalb muss man sich mit den Pflegeeinrichtungen direkt in Verbindung setzen. Dazu sollte man den eigenen Pflegebedarf kennen, denn nicht jedes Haus bietet alle Pflegeleistungen an. So zeigen Menschen mit demenziellen Veränderungen häufig Weglauftendenzen – eine Herausforderung, der sich nur wenige Heime annehmen. Im Wohn- und Pflegeheim Kessler-Handorn gibt es einen eigenen „behüteten Bereich“, in dem eine Unterbringung solcher Menschen möglich ist. Auch die AWO bietet 14 Plätze im spezialisierten behüteten Demenzbereich und möchte hier erweitern. Ein weiterer Grund, der eine Kurzzeitpflege unmöglich machen kann, ist eine Dauerbeatmung.
Wie lange vor meinem Urlaub muss ich mich melden?
Ähnlich wie bei der Zahl der freien Plätze gibt es auch hier keine klare Antwort. Petra Landau von der AWO Pfalz meint: „Möglichst gar kein Vorlauf, je kurzfristiger die Anfrage erfolgt, desto besser. Denn ich kann nur über die nächste, maximal übernächste Woche verfügen.“ Dagegen freut sich Anna Lena Frank von der Bewohnerverwaltung bei Kessler-Handorn, wenn sie Anfragen für Kurzzeitpflege mit möglichst langem Vorlauf erhält: „Manche kommen zum dritten, vierten Mal zu uns. Die stimmen ihren Urlaub darauf ab, weil sie auch zu uns wollen, gerade bei Angehörigen mit Demenz. Die melden das Anfang des Jahres für den Sommer, also sechs Monate vorher oder sogar noch länger.“ Dennoch lohnt es auch hier, kurzfristig nachzufragen, denn „es kommt auch vor, dass es zufällig gerade bei uns passt“, erzählt Heidi Sauerbaum vom Fall eines Bewohners, der sich spontan für 17 Tage einmieten konnte. „Der kannte jemandem im Haus, hat sich sehr über die Gesellschaft gefreut und sich ganz schnell entspannt gefühlt.“
Wie lang sollte der Aufenthalt sein?
Auf keinen Fall zu kurz. Einerseits bedeutet Kurzzeitpflege den gleichen bürokratischen Aufwand wie eine stationäre Belegung. Daher schließt schon allein die Personalbelastung Kurzaufenthalte aus, sagt Petra Landau von der AWO. Andererseits benötigen pflegebedürftige Angehörige häufig eine längere Eingewöhnungsphase, um sich in der ungewohnten Umgebung des Pflegeheims einzufinden. „Wir empfehlen wirklich, da auf die Zeit zu gucken. Das ist auch für die Pflegenden wichtig, damit auch für diese ein Erholungsfaktor eintritt“, erklärt Heidi Sauerbaum.
Welche Alternative zur Kurzzeitpflege gibt es?
Wer einen Angehörigen pflegt, der nicht auf umfassende körperliche Pflege angewiesen ist und zumindest stundenweise alleine sein kann, kann eine Kombination aus „Essen auf Rädern“, ambulanten Pflegeleistungen sowie einem Notfallknopf in Betracht ziehen. Ein solcher Knopf stellt beim Auslösen Kontakt zu einem Rettungsdienst wie Malteser, ASB oder DRK her und holt schnelle Hilfe. Daneben gibt es Tagespflege-Einrichtungen, die stundenweise für Betreuung und Abwechslung sorgen können. Doch auch derartige Alternativangebote müssen rechtzeitig geplant und gebucht werden.
Reine Kurzzeitpflegeeinrichtungen gibt es keine mehr
„Flexibilität“ – das Schlagwort fällt im Gespräch mit Heimleiterinnen und Pflegedienst-Anbietern immer wieder. „Pflegende Angehörige haben wenig Chancen, einen lang geplanten Urlaub, Kur- oder Krankenhaus-Aufenthalt zu organisieren. Die Leute können einem Leid tun“, schildert Petra Landau von der AWO die Situation. Die Sozialarbeiterin berät Heiminteressierte, plant die Belegung von Plätzen im Haus und bereitet Einzüge vor. Das Thema Kurzzeitpflege erlebt sie als „komplex und schwierig“. „Früher gab es reine Kurzzeitpflegeeinrichtungen, dort konnte man buchen wie im Hotel.“ Für die Träger bedeutete es ein hohes finanzielles Risiko, wenn sich nicht genug Bewohner anmelden, Leerläufe entstehen, das Personal aber weiter vorgehalten werden muss. Gleichzeitig habe der Pflegenotstand dazu beigetragen, dass derartige Angebote nahezu verschwunden sind. „Ein riesiger Verlust“, sagt Landau. Denn: „Planbarkeit ist damit nur eingeschränkt möglich. Wir versuchen, den Leuten die Auszeit zu ermöglichen. Aber sowas Planbares wie eine OP oder Reha nach einem Krankenhausaufenthalt ist ganz schwierig. Für Leute, die in ihrer Urlaubsplanung zeitlich flexibel sind, vielleicht ein eigenes Ferienhaus haben, ist immer Abhilfe zu schaffen.“
Stefanie Böhm von der Protestantischen Altenpflege Westpfalz erlebt urlaubsbedingte Aufenthalte immer wieder als Brücke zur dauerhaften, stationären Aufnahme. „Es kann sein, dass es jemandem in Kurzzeitpflege so gut gefällt, dass er sagt, er bleibt länger. Das sei gar nicht so selten. Viele haben die Vorstellung ,Ich will nicht in ein Heim’. Sind sie einmal hier, erleben sie: Hier bin ich nicht allein, es gibt Angebote und eine gewisse Sicherheit. Wenn dann jemand bleiben will, versuchen wir das möglich zu machen.“