Kaiserslautern
Trotz Iran-Krieg: Urlauber stornieren nicht
Die beliebten Reiseziele in den Golfstaaten sollten derzeit besser nicht angesteuert werden. Dabei dienen viele der Flughäfen dort auch als Drehkreuze für Fernziele wie Südostasien oder Australien. Hier umzubuchen sei schwer, erklärt Brigitte Junker von Junkers Reisen. „Wir müssen andere Airlines finden, viele der Flüge sind schon ausgebucht, entsprechend steigt der Preis.“ Gleich nach Ausbruch des Iran-Kriegs hätten sich viele Kunden an die Reisebüros gewandt oder seien von diesen kontaktiert worden. „Wir müssen auf unsere Kunden aufpassen, können die dort nicht hinschicken. Wir wissen, wer betroffen ist und haben die Leute direkt angerufen“, so Junker.
Auch um die Sicherheit der Feriengäste, die sich bei Kriegsausbruch im Kriegsgebiet befanden, hat man sich gekümmert. „Als Reiseveranstalter stehen wir in der Verantwortung, Urlauber in Krisensituationen sicher nach Hause zu bringen“, betont Jakob Märtens, Pressesprecher von TUI Deutschland. Einige Kunden des Reisebüros Basters waren in der Golfregion und hatten Probleme. „Es waren Familien in Dubai, die die Einschläge von Raketen miterlebt haben“, erzählt Bernd Basters und führt aus: „Sie konnten erst nach Tagen über den Oman zurück nach Deutschland fliegen. Gott sei Dank ist niemandem etwas passiert.“ Basters und sein Team standen von Kaiserslautern aus in engem Kontakt zu den Kunden vor Ort, die über E-Mail, WhatsApp oder Telefon von der Situation berichteten.
Höchste Reisefrequenz seit langem
Märtens betont, dass die Reiselust der Deutschen aller Krisen zum Trotz ungebrochen sei. Nach der aktuellen Tourismusanalyse sei die höchste Reisefrequenz seit 20 Jahren erreicht. Viele haben ihre Urlaubspläne für das laufende Jahr bereits frühzeitig geschmiedet. „Wir beobachten ein bewussteres Buchungsverhalten, etwa mehr Frühbucher, stärkere Nachfrage nach Flexibilität sowie klare Preis-Leistungs-Erwartungen“, so Märtens. Ähnliches beobachtet auch Junker: „Die Leute wollen in den Urlaub. Wir haben keinen Kunden verloren, niemand hat storniert. Stattdessen buchen sie um, machen woanders Ferien.“ Diese Umbuchung sei zwar zusätzliche Arbeit, große Verluste mache Junker dadurch aber nicht.
Ebensowenig wie die Kunden. TUI ermögliche für Abreisen im Zeitraum zwischen dem 15. April und dem 8. Mai eine gebührenfreie Umbuchung, wie Märtens erklärt. Das Angebot gelte für die Reiseziele Vereinigte Arabische Emirate, Katar, Bahrain, Jordanien, Oman, Saudi-Arabien sowie Kuwait. Es betreffe Pauschalreisen und Nur-Hotel-Buchungen sowie Drehkreuzverbindungen über die Golfstaaten.
Kostenlose Umbuchungen bei vielen Veranstaltern
Laut Junker ist es generell bei allen großen Veranstaltern möglich, kostenlos umzubuchen – auch schon Wochen im Voraus: „So konnten wir mit unseren Kunden in Ruhe ein neues Reiseziel suchen“, erzählt sie. Eine Stornierung sei zwar möglich gewesen, dies habe bei ihr aber niemand gemacht. Auch Basters war bemüht, seine Kunden umzubuchen: Es sei in vielen Fällen gelungen, auf andere Ziele auszuweichen, „aber leider nicht bei allen“.
Märtens erinnert zudem daran, dass Nahost im Sommer aufgrund der heißen Temperaturen sowieso kein allzu beliebtes Reiseziel sei: „Insofern wären die Buchungen in diese Region sowieso in diesen Tagen ausgelaufen.“ Gebiete in der „Nähe“ wie die Türkei, Zypern oder Ägypten seien nicht betroffen. Zwar gibt es für bestimmte Regionen innerhalb der Türkei oder Ägyptens Reisewarnungen, diese bezögen sich jedoch auf weit von den beliebten Tourismus-Hochburgen gelegene Regionen.
Auch Länder in Europa als Ziel
„Die Türkei und Zypern laufen weiterhin stabil. Hier hat es bereits im vergangenen Jahr sehr viele Frühbucher gegeben“, berichtet Märtens. Die Türkei gehöre nach wie vor zu den beliebtesten Urlaubsländern, „insbesondere die All-inclusive-Hotels sind gefragt“, berichtet er. Auch Basters sagt, dass es für diese Länder viele Neubuchungen gibt: „Die Kunden sehen dort keine Probleme.“
Die Urlauber, die in die Golfstaaten wollten, haben sich nach Auskunft von Junker überall auf der Welt verteilt. Viele habe es etwa nach Südostasien, vor allem Thailand, gezogen. Andere wichen in die Karibik oder auch zu Zielen innerhalb Europas aus. „In diesen Regionen verzeichnen wir derzeit ein deutlich gestiegenes Interesse der Urlauber“, bestätigt Märtens und erklärt, dass TUI der hohen Nachfrage mit zusätzlichen Kontingenten (Flüge und Unterkunft) begegne. Generell liege der Schwerpunkt des Reiseveranstalters aber traditionell stärker auf europäischen Mittelstreckenzielen, die bei den Gästen besonders gefragt sind. Abschließend betont Märtens: „In dieser Zeit zeigt sich erneut, dass die Pauschalreise die sicherste Form des Reisens ist.“