Landtagswahl
Tom Kotzian im Wahlkampf auch als AfD-Veranstaltungsmanager gefragt
Tom Kotzian hat gerade viel zu tun. Der 35-Jährige ist nicht nur selbst im Wahlkampf, er ist auch der Veranstaltungsmanager der AfD in Stadt und Kreis Kaiserslautern. Für seine Partei koordiniert er die Wahlkampfauftritte und Veranstaltungen, holt Genehmigungen ein, ist Ansprechpartner, beispielsweise für Gäste aus Berlin wie Beatrix von Storch, erzählt er. Obwohl Kotzian noch gar nicht allzu lange in der Politik ist, hat er damit schon Erfahrung, war Wahlkampfmanager für Sebastian Münzenmaier, berichtet Kotzian.
2023 ist er in die AfD eingetreten, bei den Kommunalwahlen 2024 wurde er in den Kreistag und den Verbandsgemeinderat Otterbach-Otterberg gewählt. Dass sich der Landkreisbürger – Kotzian wohnt mit seiner Frau und zwei Kindern in Katzweiler – nun ausgerechnet im städtischen Wahlkreis Kaiserslautern I um ein Landtagsmandat bewirbt, ist für ihn kein Widerspruch. „Ich wurde in Kaiserslautern geboren und bin hier aufgewachsen“, erzählt er. Irgendwann wollen seine Frau und er auch wieder zurückziehen in die Stadt.
Mehr Sicherheit durch mehr Polizisten
Im Landtag möchte er für Kaiserslautern die Dinge angehen, die ihn erst dazu bewogen haben, in eine Partei einzutreten. Die Wirtschaft müsse angekurbelt werden, die Gesundheitsversorgung verbessert und gegen die Kriminalität müsse man vorgehen. Den „Altparteien“ traue er das nicht zu, daher trat er in die AfD ein, die der Verfassungsschutz auf Bundesebene als rechtsextremen Verdachtsfall einstuft. Aktuell muss sich die Partei Vorwürfen der Vetternwirtschaft erwehren, weil Familienmitglieder beschäftigt wurden. „Das hat ein Geschmäckle“, räumt Kotzian ein. Allerdings habe es die Partei schwer, Personal zu finden, umso mehr, weil von anderen mit dem Finger auf AfD-Mitarbeiter gezeigt werde.
Für Kotzian ist die Parteiarbeit zu seinem Hobby geworden. Früher sei er mehrmals pro Woche in die Tanzschule gegangen, inzwischen gelingt ihm das nur noch einmal wöchentlich – insbesondere während des Wahlkampfes. In Mainz möchte er sich unter anderem für mehr Sicherheit einsetzen. „Es heißt zwar, hier sei kein Kriminalitätsschwerpunkt“, sagt der 35-Jährige mit Blick auf Kaiserslautern. Aber ihm komme es darauf an, was passiert: etwa Schlägereien und Attacken mit Messern. Mehr Polizisten sollen die Situation verbessern, so Kotzian. Aktuell gibt es im Land rund 9500 sogenannte Vollzeitäquivalente bei der Polizei, also quasi Vollzeitstellen. Er fordert insgesamt 10.000 Vollzeitäquivalente und wünscht sich mehr Rückendeckung und Befugnisse für die Polizei. Allzu oft müssten sich seiner Meinung nach Polizisten mit den immergleichen Straftätern beschäftigen, die nur zu Bewährungsstrafen verurteilt würden.
Bürokratie ab-, Atomkraft ausbauen
Stärken möchte er auch die Wirtschaft. In Kaiserslautern gebe es keine Großunternehmen mehr. Opel habe früher über 4000 Mitarbeiter am Standort gehabt, so Kotzian, nun seien es noch rund 1000. Kleinere Familienbetriebe und etliche Einzelhändler gäben auf, dazu der Leerstand in der Mall. Das Land müsse sich für den Bürokratieabbau einsetzen. Gerade Handwerksbetriebe hätten zu viel Papierkram zu erledigen. Die CO2-Steuer würde er gerne abschaffen. Eine Sache der Landespolitik ist das indes nicht. Die Unternehmen bräuchten aber günstigeren Strom, sagt Kotzian. Eine Lösung wäre für ihn der Weg zurück zur Atomkraft. Dafür solle sich das Land einsetzen und Standorte für Kraftwerke ausweisen.
Auch die Gesundheitsversorgung müsse verbessert werden. Kotzian, der nach dem Abitur am Rittersberg-Gymnasium eine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik absolviert hat, arbeitet als Medizintechniker am Westpfalz-Klinikum. Dass die Budgetierung der Hausärzte aufgehoben wurde, sei richtig, die Fallpauschalen für Kliniken sind Kotzian aber ein Dorn im Auge. Ein Krankenhaus müsse wirtschaftlich arbeiten, der Gewinn dürfe aber nicht im Mittelpunkt stehen. Im Zweifelsfall müsse das Land unterstützen, beispielsweise auch durch Förderung bei Praxiseröffnungen.
Zuletzt möchte sich Kotzian im Landesparlament für ein Thema einsetzen, das er mit „Heimat bewahren“ umschreibt. „Heimat und Geschichte sind die Identität einer Gesellschaft“, sagt Kotzian. Er habe den Eindruck, Nationalstolz sei nur während der Fußball-WM erlaubt und „die Regenbogenflagge soll neues Staatssymbol werden“. Durch die Beflaggung öffentlicher Gebäude, den Erhalt von Denkmälern und die Förderung des Denkmalschutzes möchte er ein Zeichen setzen.
Wahlkreis 44
Der Wahlkreis Kaiserslautern I (44) umfasst die Stadt Kaiserslautern ohne die Ortsbezirke Dansenberg, Einsiedlerhof, Erfenbach, Erlenbach, Mölschbach, Morlautern und Siegelbach sowie ohne die ehemaligen Ortsbezirke Betzenberg und Lämmchesberg/Universitätswohnstadt.