Kaiserslautern Thomas Brenner zeigt arbeitende Frauen, August Sander die Männer
Die aktuelle Schau des Kaiserslauterer Fotokünstlers Thomas Brenners im mittleren Foyer des Pfalztheaters lebt von spannungsreichen Gegensätzen: Hier seine modernen Berufsporträts, bei denen meist diffizile Technik im Vordergrund steht – und dort die fotografischen Arbeiten von August Sander, die aus den 1920er Jahren stammen und entsprechend nüchtern und steif erscheinen.
Grobschlächtige Bauern mit Sense oder Saatsack im rauen Wetter gegenüber smarten jungen Wissenschaftlern zwischen Vertical-Farming-Containern in kaltem Kunstlicht. Bärtige Waldarbeiter in groben Kitteln und mit Axt unterm Arm gegenüber heutigen Forstunternehmern mit riesigen Baumerntemaschinen mit 14 Meter Kranreichweite. Beleibte Konditorenmeister mit Kaiser-Wilhelm-Schnurrbart, kupferner Rührschüssel und Kohleofen gegenüber jetzigen, jungen Bäckerinnen vor haushohen Backkammern mit mächtigen Heißluftröhren und ausgefeilter Steuerelektronik. Die Veränderung der Berufswelt in rund hundert Jahren könnte kaum anschaulicher aufgezeigt werden als in dieser Schau.
Tanja Herrmann vom die Schau unterstützenden Bezirksverband stellte in ihrer erfrischend prägnanten und pointierten Eröffnungsrede die sozialen Aspekte von Thomas Brenners Arbeit heraus. Zugewandt und liebevoll sei der Künstler beim Aufbau der Ausstellung mit seinen Bildern und ergo auch mit den entsprechend Porträtierten umgegangen. „Die Menschen in den Bildern werden nicht nur gezeigt, sie zeigen auch selbst, wer sie sind“ bemerkte sie treffend.
Thomas Brenner meinte gegenüber der RHEINPFALZ: „In den alten Bildern August Sanders sind nur Männer in den verschiedenen Berufen zu sehen. Deshalb finden sich in meinen Bildern auch viele Frauen in der Berufswelt. Das soll zeigen, wie die Gesellschaft sich verändert hat.“ Weiter sagte der vielfach engagierte Fotokünstler, dass die Stiftung Kultur August Sander in Köln, von welcher die Porträts aus den Zeiten der Weimarer Republik stammen, alles andere als kooperativ gewesen sei. Deshalb sind diese Bilder auch nur per Bildschirm in einer Ecke des Foyers zu sehen. „Nicht einmal Reproduktionen durfte ich hängen, das ginge laut Stiftung nur in einem musealen Rahmen“, führte Brenner weiter aus.
Wer sich aber die Zeit nimmt, Brenners Inszenierungen im Aufenthaltsbereich des Foyers und zweitens Sanders alte Porträts per Bildschirm intensiv anzuschauen, erlebt Geschichte äußerst intensiv. Und bekommt einen Eindruck davon, wie viel technische und soziale Entwicklung in den vergangenen hundert Jahren passiert ist. Prädikat: Höchst sehenswert!
Info
Die Ausstellung „August Sander & Industrie 4.0“ ist während den Öffnungszeiten des Kaiserslauterer Pfalztheaters vornehmlich während der Aufführungen bis zum 5. Juni im mittleren Foyer zu sehen.