Kaiserslautern Tausendsassa aus Lautern

Inszeniert und spielt auch am Pfalztheater: Cusch Jung.
Inszeniert und spielt auch am Pfalztheater: Cusch Jung.

Dass der Prophet im eigenen Land nur wenig gilt, lässt sich am Verhältnis der Barbarossastadt zu ihren Kulturschaffenden anschaulich belegen. Doch gibt es Ausnahmen von dieser beschämenden Regel, etwa Cusch Jung, den in Kaiserslautern geborenen, am Pfalztheater groß gewordenen und längst bundesweit gefeierten Regisseur, Schauspieler, Sänger, Choreograph, Tänzer und Synchronsprecher. Seine Stippvisiten in der Heimat werden vom Lauterer Publikum regelmäßig als sympathiegetragene Großereignisse begangen.

Seit der Saison 2015/16 ist der vielbegabte Komödiant Chefregisseur der Musikalischen Komödie Leipzig, am vergangenen Wochenende war dort Premiere seiner Inszenierung der Lortzing-Spieloper „Casanova“. Zuvor stand er 15 Jahre auf der Bühne des Berliner Theaters im Westen, spielte in Kassel, Dortmund, Hamburg und Essen, inszenierte in München, Dessau, St. Gallen und Rostock. Cusch Jung ist eine feste, vielseitige und höchst erfolgreiche Größe der deutschen Theaterszene, weil sein Ideenreichtum auch vor der so geschmähten leichten Muse nicht aussetzt und er nur allzu gern bereit ist, die Leichtigkeit mit jenem Maß an handwerklicher Sorgfalt zu grundieren, die erst den Eindruck der hingetupften Schwerelosigkeit vermittelt. Er gibt dem Unterhaltungsaffen Zucker, schlägt bei Bedarf aber nicht minder glaubhaft die stilleren Saiten an. Dabei hat der Tausendsassa „nie eine Schauspielschule von innen gesehen“, wie er einräumt. Klaus Jung, genannt Cusch, ist der Sohn eines Müllermeisters und späteren Adressbuch-Disponenten. Seine ersten öffentlichen Auftritte absolvierte er mit Akkordeon und Heinz-Erhardt-Gedichten im elterlichen Bekanntenkreis: „Aber der Wunsch, das beruflich zu machen, bestand schon damals.“ Wahr machen konnte er ihn während seiner Zivildienstzeit in Lübeck, als das dortige Theater Statisten für Ken Keseys „Einer flog übers Kuckucksnest“ suchte. Das war 1979 – und schon zwei Jahre später spielte er im Pfalztheater neben Wally Vosberg in der Euro-Erstaufführung des Cole-Porter-Musicals „Anything goes“. Die anschließende Erfolgsgeschichte – gekrönt mit dem International Musical Award – ist den Lauterern fast so geläufig wie die Sage von Barbarossa und dem Hecht. Seine jüngsten Regiearbeiten am Pfalztheater – „West Side Story“ und „My fair Lady“ – waren zu Recht umjubelte Musterbeispiele soliden Kunst- und Unterhaltungs-Handwerks. In der kommenden Saison wird er, der übrigens seine Frau Janet am Lauterer Theater kennen gelernt hat, die Lehár-Operette „Das Land des Lächelns“ im Pfalz-Parthenon inszenieren. Ihr Talent haben die Tänzerin und der Komödiant an Tochter Melissa weitergegeben, die gleichfalls Schauspielerin ist. Am heutigen Mittwoch kann der Pfälzer in Sachsen seinen 60. Geburtstag begehen. Dankbarer Gruß von der Lauter an die Weiße Elster.

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