Kaiserslautern Talentschmiede mit Niveau

Nightwash ist ein deutsches Comedyformat, bei dem junge Nachwuchskünstler und neue Stand-Up-Comedians die Chance haben, mit ihrem Programm vor Publikum aufzutreten. Wie Nightwash „live on tour“ gesehen, gehört und erlebt wird, zeigte sich nun auch erstmals im Cotton Club der Kammgarn in Kaiserslautern.
Premiere einer neuen Programmreihe im Kulturangebot der Kammgarn. Mehr noch. Nicht jeder Gast kannte den „nächtlich-komödiantischen Waschsalon“ aus Köln. Weder übertragen per Fernsehen noch live im Original. Und so hüte sich, wer Laie ist, den Titel wörtlich zu nehmen. Denn eines, was landläufig an Waschorten passiert, kommt nicht vor: Es wird keine schmutzige Wäsche gewaschen. Auch nicht verbal. Gut – manchmal rutscht das Niveau mal kurz unter die Gürtellinie. Aber wirklich nur kurz. Anderes haben die Akteure auch nicht nötig. Unter den Fittichen von Moderator Helmut Sanftenschneider, selbst quirliger Comedian, begnadeter (Flamenco-)Musiker sowie amüsanter Entertainer, gaben sich die Komiker Ill-Young Kim (Musiker und Schauspieler), Khalid (Rebell-Comedian) und Volker Diefes (Musik-Entertainer) die Ehre und parlierten mal palavernd, mal säuselnd vor allem über sich selbst. Das Motto: Erst mal sich selbst auf den Arm nehmen, dann anderen an den Kragen gehen. Irgendwie sympathisch, wenn zu erfahren ist, wie der gebürtige Kölner Kim, Sohn südkoreanischer Eltern, – wegen seines dort zuerst zu nennenden Allerweltsnachnamens – familienverbandelt wird mit dem inzwischen verstorbenen nordkoreanischen Diktators Kim Jong Il. Oder wenn er zu verstehen versucht, wie schwer es Außerasiaten falle, Asiaten auseinanderzuhalten. Oder dass sich jeder Koreaner die Augenlider operiere, sozusagen sich Glubschaugen verpasse. Jeder Akteur bekommt einen Auftritt vor und nach der Pause von rund zehn Minuten. Dazwischen Moderation mit Musik. Beispielsweise das Kunststück Gitarre und Kastagnetten zeitgleich zu spielen. Für Sanftenschneider kein Problem: Er petzt die Kastagnettenösen zwischen die Zähne, rast mit dem Kopf hin und her – und das Holz klappert taktvoll. Ein irrer Sound, begleitet vom herzhaften Applaus überraschend vieler Besucher. Sie zählen zwar altersmäßig nicht zur ersten Zielgruppe junges Publikum. Doch im Herzen müssen sie es sein. Anders wäre solch eine Stimmung im Saal kaum möglich. Es ist ja bekannt, dass Nightwash nur seine Besten auf Tour schickt. Und so kam auch Strahlemann Khalid in den Cotton Club. Sein Herkunftsland Marokko stellte er in all seinen Facetten mit nur einem Argument vor: „Ich bin Schwimmer. Mache alle Abzeichen. In Marokko gibt es keine. Bestenfalls eines: Entweder du schaffst es nach Spanien oder nicht.“ Ähnlich bizarr postulieren auch Diefes philosophierende Sehnsuchtsgründe das so schöne alte Früher: „Zu Festnetzzeiten, Ihr wisst schon, das Telefonieren mit Schnur“ und mit „Tinnitus im Auge“, wenn Töchterchens Anruf 20 Mark verschlang. Heute müsse man wissen, wie ein Browser konfiguriert werde. „Nee, nee, das heißt nicht Brause montieren.“ Diefes gelang eine nachvollziehbare Medienkarambolage, witzig und natürlich digital. Die analoge, bauchpinselnde „Fleischschau-Arie“ dagegen war zwar nicht Jedermanns Geschmack, bewies jedoch großes Bühnentheater samt unterirdischer Grabesstimme. Was auf Nightwash-Auftritte folgen kann, lässt sich in den Biografien von Mario Barth, Tobias Mann oder Rainald Grebe unter dem Stichwort Sprungbrett nachlesen. Anderswo heißt das „Talentschmiede mit Niveau“. Und daran nehmen monatlich einmal auch Lauterer Fans teil. Übrigens: Das ist echt was für junge Menschen, die gern über sich und Alltagsmalaisen gemeinsam mit anderen lachen. Prinzip Unterhaltungswert mit unangestrengtem Wissensniveau.