Kaiserslautern Strenge Strukturen

Ton und Gips sind Materialien, welche man – vor allem kombiniert – in konstruktivistischer, abstrakter Kunst kaum findet. Umso interessanter erscheinen die akribisch gearbeiteten Werke der Trierer Künstlerin Doris Kaiser, welche zur Zeit in der Kaiserslauterer Galerie Wack zu sehen sind.
Auf den ersten Blick sind die hauptsächlich durch strenge Konturen und leicht strukturierte Innenräume wirkenden Wandobjekte architektonischen Modellen nicht unähnlich. Beim genaueren Hinschauen allerdings offenbaren sich Eigenheiten. So die konkave Anlage etlicher Werke. Oder eingebaute Refugien und Schutzräume, mit ebenso konkaven Innenflächen aus feinsten Tonschichten. Doris Kaiser, deren Arbeiten etwa in New York, Tokio, Valencia, Krefeld oder Köln gezeigt wurden und die sich in öffentlichen Sammlungen beispielsweise in Frankfurt, Stuttgart oder Karlsruhe finden, hätte für die Vernissage bei Sigrid Wack keine bessere Laudatorin aussuchen können. Die Lorscher Journalistin und Kulturamtsleiterin Gabi Dewald hielt nämlich eine der eher seltenen kurzweiligen und hoch engagierten Reden. Die noch dazu auch so manche kritische Betrachtung etwa des Kunstmarktes enthielt. So ein bisschen wohlgesetzte Polemik hört man doch immer wieder gern. Gerade in Zeiten der großen Gleichmacherei. „Beharrlichkeit“ und „unaufgeregte Konsequenz“ angesichts eines „sich selbst voranpeitschenden Kunstmarkts“ bescheinigte die Rednerin Doris Kaiser. Und schier eine „Verweigerung, gegenüber dem oberflächlichem Konsumieren von Kunst, festgeschrieben in der Kargheit der Werke“. Des Weiteren verwies Gabi Dewald auf die grafische Präzision, auf Realitäten hinter der Oberfläche oder den Reiz der fast lapidar wirkender Materialien wie Ton und Gips. Zusammengenommen eine erfrischende und anregende Rede, die man als schönen Einstieg in die Kaiser’sche Kunst nehmen durfte. Aufgrund des Trocknungsprozesses des Gipses weißlich-grau meliert, völlig plan geschliffen und im Gesamten an Großarchitektur erinnernd, erscheinen die Wandobjekte der Künstlerin. An sich schon ansprechend, gewinnen die Arbeiten durch die eingefügten Bergeräume, die mal gerade noch den Blick auf das Innere zulassen und mal das Publikum zum Weiterdenken der Form zwingen. Stilvolle Science-Fiction-Filme der 1980er Jahre könnten es sein, in denen die Kunst von Doris Kaiser als Kulisse dient. Schön und beeindruckend zum einen, zum anderen aber auch leicht bedrohlich. Auch die ausgestellten Zeichnungen changieren. Zwischen spinnennetzähnlicher Leichtigkeit und drahtgestellhafter Stabilität. Formsicher und trefflich verfügt erscheint beides: Objekt wie Zeichnung. Der größte Reiz der Schau mag in der eigentlichen Empfindlichkeit und Wasserlöslichkeit des Gipses und den von Kaiser daraus hergestellten meist rechteckigen, lang-flachen und massiv wirkenden Strukturen liegen. Ganz leicht mit dem Finger darüberzufahren kann man sich fast nicht verkneifen.