Kaiserslautern Stolperschwelle an der Röhmschule erinnert an vertriebene jüdische Schüler

Vor dem Foto aus den 1930er-Jahren, das die jüdische „Sonderklasse“ zeigt, liegt die Stolperschwelle. Wenn sie am 6. März verleg
Vor dem Foto aus den 1930er-Jahren, das die jüdische »Sonderklasse« zeigt, liegt die Stolperschwelle. Wenn sie am 6. März verlegt wird sind Alessio, Lina, Elternvertreterin Annika Terworth, Rektorin Annette Voll, Lehrerin Marie Janke, Schulsozialarbeiterin Lisa-Marie Lambert und Alva dabei.

Mit Vertretern der Röhmschule, einer der ältesten Schulen der Stadt, wird die Initiative Stolpersteine Kaiserslautern am Freitag eine Stolperschwelle installieren.

Der in die Länge gezogene Stolperstein kommt vor den Haupteingang der Schule. Er soll an die 30 jüdischen Kinder erinnern, die an der Röhmschule von 1936 bis 1938 in einer „Sonderklasse“ unterrichtet und am 10. November 1938 samt ihres Lehrers aus der Schule verjagt wurden. Dass sie mit ihren Eltern aus der Stadt vertrieben wurden, wobei vielen die Flucht gelang, sieben von ihnen aber in Lagern ermordet wurden, wird auf der Stolperschwelle erwähnt. Verfolgten Kindern werde die Schule künftig immer Schutz bieten, verspricht die Erinnerungsschwelle.

Ein Klassenfoto aus dem Stadtarchiv, das die Sonderklasse zeig, hängt schon seit einiger Zeit an der Wand vor dem Sekretariat der Schule. Im Religions- und Ethikunterricht erfahren die Schüler einiges über unterschiedliche Weltreligionen, berichtet Schulleiterin Annette Voll. „Wir haben in der Vorbereitung mit den Kindern Stolpersteine aufgesucht oder waren am Synagogenplatz“, erzählt sie.

Sonderklasse auf dem Dachboden

Als Mitglied der Kaiserslauterer Stolperstein-Initiative kam Michael Wiesheu mit der Idee auf Voll zu, in Erinnerung an die Kinder der Sonderklasse eine Stolperschwelle zu verlegen. Kollegium und Schulelternbeirat fanden das gut, schildert Voll. Vor einem Jahr habe eine Gedenkfeier für Ilse Ruth Preis, eine ehemalige Schülerin der jüdischen Sonderklasse, stattgefunden, an der Schüler der dritten und vierten Klasse teilgenommen hatten. Diese Feier habe den Anstoß gegeben für weitere Beratungen.

„Wir wurden im Kollegium geschult, wie man das Thema kindgerecht vermitteln und einordnen kann“, erzählt Voll. Denn für die Grundschüler sei es kein leichtes Thema. Das gibt auch die zehnjährige Alva aus der vierten Klasse zu verstehen. Ihr Lehrer habe ihnen vom Zweiten Weltkrieg erzählt und davon, dass viele jüdische Menschen verjagt und teilweise umgebracht wurden, schildert sie. So hätten sie auch erfahren, dass es damals auf dem Dachboden der Schule eine jüdische Sonderklasse gegeben hatte. „Wir haben mit den Kindern auch darüber gesprochen, was das Frühere für den Umgang unter uns heute bedeutet“, berichtet Voll. Im Unterricht sei beispielsweise Bezug zu den Kinderrechten hergestellt worden. „Es ging um Fragen wie: Wie machen wir es besser? Was haben alle Kinder für gleiche Bedürfnisse? Manche haben das Thema mit Kinderliteratur bearbeitet, andere mit Lego zum Beispiel das Recht auf Freizeit nachgebaut“, erzählt Voll.

„Ich war ein bisschen traurig für die Kinder“

Dass von ihrer Schule vor mehr als 80 Jahren Kinder vertrieben wurden, habe die Schüler natürlich beschäftigt, berichtet die Schulleiterin. „Ich war ein bisschen traurig für die Kinder“, erzählt der achtjährige Alessio. Die neunjährige Nina hatte mit ihrer dritten Klasse beim gemeinsamen Besuch auf dem Synagogenplatz gehört, dass das ehemalige Gotteshaus jüdisch gewesen war und deshalb abgerissen wurde. Sie berichtet, dass sie später auch in der Klasse noch darüber sprachen, was und warum dies alles damals geschah.

In der Röhmschule mit ihren 280 Schülern aus mehr als 20 Nationen in 13 Klassen sei Gleichberechtigung Alltag, betont die Schulleiterin. „Jeder bekommt das, was er zum Lernen braucht und um sich wohlzufühlen“, fügt Schülerin Alva hinzu.

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