Kaiserslautern
Start-ups Greenable und Inventied wollen für Klimawandel und Katastrophen rüsten
„Wie hoch ist der CO2-Fußabdruck dieses Zahnrads aus dem 3D-Drucker? Was schätzen Sie?“ Viktor Schiller reicht dem Oberbürgermeister das rund DIN-A4-Durchmesser große Rad hinüber. „Es ist aus PLA, also natürlichen Rohstoffen“, schiebt der Gründer von Greenable hinterher. Klaus Weichels Schätzung auf 20 Kilo kann Schiller unterbieten. „1,12 Kilo“, löst er auf.
Schiller hat mit drei anderen die Firma Greenable im vergangenen Jahr gegründet. „Wie hoch ist der CO2-Fußabdruck von meinem Produkt, wollen immer mehr Unternehmen wissen“, gibt Schiller Beobachtungen aus dem Markt wieder. Greenable will ihnen dabei helfen, diese Frage so einfach wie möglich zu beantworten. „Wir haben eine cloudbasierte Software entwickelt, die unstrukturierte Daten so transformiert, dass die CO2-Bilanz eines Produktes ersichtlich wird“, erläutert Schiller zusammen mit seinem Kollegen Lucas Hartmann dem OB und Bürgermeisterin Beate Kimmel, die sich im BIC über die beiden Start-ups informieren.
In der EU wird ein digitaler Produktpass verpflichtend werden
„Die Unternehmen bekommen eine Schritt-für-Schritt-Anleitung von uns“, wirbt Hartmann für die einfache Handhabung des Programms. Noch sei es in der Entwicklung, aber Mitte 2023 will Greenable damit auf den Markt gehen. Die Software soll den Firmen dann als Lizenz verkauft werden, lautet das Geschäftsmodell.
Aus zwei Gründen starte Greenable jetzt von der Idee in die Praxis: „Erstens gibt es einen regulatorischen Zwang für die Unternehmen: Der digitale Produktpass wird EU-weit für Batterien ab 2026 verpflichtend, für alles andere ab 2030“, erläutert Schiller. Und zweitens steige die Nachfrage. „Künftig werden Käufer nicht mehr nur nach dem Preis, sondern verstärkt nach dem CO2-Fußabdruck fragen“, prognostiziert er.
Sie bleiben schön hier!“, mahnt der OB
Greenable, zu deren Gründern noch Patrick Kölsch und Alexander David gehören, will sich auf die Marktsegmente Möbel, Fahrzeuge, Kunststoffe, Verpackungen und Bauelemente konzentrieren. Der Bedarf sei gegeben. „9700 Unternehmen in Deutschland suchen eine solche Lösung“, habe die Markterkundung ergeben.
500 Kunden im Jahr 2025 strebe Greenable an – ein recht ehrgeiziges Ziel, wie Weichel urteilt. „Einen Vertrieb werden wir aufbauen müssen“, meint Hartmann – doch es seien auch schon Anfragen allein aufgrund der Web-Präsenz gekommen, aus Dubai beispielsweise und aus den USA das Angebot, dort weitere Starthilfe zu bekommen. Was den OB zur Mahnung provoziert: „Sie bleiben schön hier! Vergessen Sie nicht die Mutter, die Sie nährt“! Und prompt zur Antwort bekommt: „Schon abgelehnt.“
Durch modulares System Utensilien für Einsatz schnell griffbereit
Ganz anders und unmittelbarer wollen die vier Gründer von Inventied den Menschen in Zeiten des Klimawandels helfen. Die vier Ingenieure Lukas Kalnik, Jan Schellhaaß, Trang Lam und Markus Weidmann wissen aus ihrer nebenberuflichen Tätigkeit beim THW, dass Zeit ein wesentlicher Faktor im Rettungs- und Katastrophenschutz ist. Deshalb haben sie einen Ladungsträger entwickelt, auf dem alle nötigen Utensilien von den Helfern schnell verstaut und entnommen werden können. Der Anhänger mit dem modularen System fasst 1400 Teile, berichtet Lukas Kalnik, „die sonst gar nicht auf einem Anhänger Platz fänden“.
Dieser Ladungsträger – Vario-Load-Rescue benannt – ist durch die Modulbauweise unterschiedlich bestückbar und so in verschiedenen Varianten einsetzbar: für die Hochwasservorsorge wie -nachsorge, als mobiler Sanitätsraum oder für die Öffentlichkeitsarbeit. Nicht unterschlagen will Kalnik einen Punkt: „Katastrophenvorsorge ist nicht nur Sache der öffentlichen Stellen, sondern auch der Privatleute“, appelliert er an die Bevölkerung.
Nicht nur die Notfall-Box, sondern auch Beratung für Bürger
Und so hat Inventied nicht nur den Anhänger und weiteres Zubehör für die Profis im Portfolio, sondern auch eine Notfall-Box für den Katastrophenfall, die in jeden Haushalt passt. Lange haltbare Lebensmittel, ein Gas-Kocher und ein Erste-Hilfe-Kasten gehören dazu, eine Beispielbefüllung ist zudem vermerkt. Das Angebot ist offenbar so überzeugend, dass Kimmel gleich zugreift und den jungen Gründern kurzentschlossen eine Kiste abkauft.
Zur Katastrophenvorsorge gehört allerdings noch mehr, wissen die vier Jungunternehmer. „Wir bieten auch Beratung für die Bevölkerung an, halten zum Beispiel Vorträge für Vereine, Versicherungen, Bürger“, zählt Kalnik ein weiteres Standbein auf, auf dem sich Inventied schon tummele. Die Menschen für Katastrophen resilienter, also widerstandsfähiger, zu machen ist ihr Ziel. „Wer weiß schon, welches Sirenensignal was bedeutet?“, stellt Kalnik in den Raum. Auf Kimmels Frage, ob er schon Kontakt mit der Stadt oder Feuerwehr Kaiserslautern habe, muss er passen. „Wir sind aber dankbar für jeden Kontakt“, werden erste Wege geebnet.
Dankbar sind die Gründer auch für die Unterstützung durchs BIC. Beide Firmen kamen vor rund einem Jahr in dessen „Start-up Support Camp“, wie BIC-Sprecherin Marie Beck informiert. „Es ist eine tolle Chance, dass wir hier die Räumlichkeiten, für Meetings oder Kundengespräche, nutzen dürfen“, sagt Jan Schellhaaß. „Das ist etwas anderes, als bei der Oma im Dachgeschoss.“