Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtgespräch: Von der Wut der Vielen und dem Frust der Ärzte

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Willkommen in der neuen Woche, ging ja gleich gut los, mit blockierten Autobahn-Auffahrten und Protest. Die Stimmung ist schnell zusammengefasst mit „dagegen“, ein bisschen gegen alles, gegen die Abschaffung der Steuervergünstigung bei Agrardiesel, gegen die Lkw-Maut, gegen zu viel Bürokratie (damit ist die Landwirtschaft ja weiß Gott nicht alleine), gegen zumindest (fast) alles, was die Regierung so tut. Bei manchem Autofahrer richtete sich das „Dagegen“ gegen die protestierenden Landwirte. Doch in weiten Teilen der Bevölkerung gab es für sie Zustimmung. Mit dem Schimpfen auf die regierende Ampel kann wohl so ziemlich jeder etwas anfangen. Es ist auch absolut legitim, sich für die eigenen Interessen einzusetzen. Friedlich und im Austausch mit den Ordnungsbehörden. Das war hier der Fall. Als Bürger eines freien Staates muss man dann auch aushalten, dass die andere Meinung und der Protest für einen selbst Umstände verursacht und nervt. Das kann nicht oft genug betont werden.

Die Bauern haben wohl eine Sache besser gemacht, als die Klimaaktivisten der Letzten Generation. Sie haben ihre, wenn auch recht extreme Protestform, vorher genehmigen lassen. Die meisten Menschen waren vorgewarnt, konnten gleich einen anderen (Um-)Weg zur Arbeit fahren oder dank Homeoffice zu Hause bleiben. Damit ernten die Landwirte Verständnis und Zustimmung. Ein schönes Beispiel für „Der Ton macht die Musik“.

Doch es mag auch einen weiteren Grund geben, wieso bei der Letzten Generation weniger Menschen nachsichtig sind. Es ist der Diskussionsgegenstand selbst. Denn Mitstreiter, um den eigenen Unmut auf Politiker auszudrücken, sind schnell gefunden – selbst, wenn man gar keine feste Meinung zu einzelnen Maßnahmen hat oder sie die eigene Lebenssituation gar nicht betreffen. Was ich selbst nicht ändern kann, muss ja schließlich ein anderer verbockt haben. Beim Protest der Klimaaktivisten trifft es letztlich aber jeden Einzelnen und seine Bemühungen, sich klimafreundlich zu verhalten. Auch wer es nicht wahrhaben will und sich dagegen sträubt, ein bisschen kratzt das auch am eigenen schlechten Gewissen. Ich finde es gut, dass Menschen wieder stärker auf die Straße gehen. Wer unzufrieden ist, sollte es ausdrücken, offen darauf hinweisen, bevor und statt dass er sich extremen Parteien anschließt. Nur so gibt es die Chance, dass diese Sichtweise Beachtung findet – nicht indem man widersprüchlichen Aussagen falscher „Wachrüttler“ hinterherläuft. Auf der einen Seite gegen die EU zu wettern, die auf der anderen zu einem guten Teil durch Subventionen die Landwirte finanziert, ist solch ein Punkt.

Nur eine kleine Anregung hätte ich fürs nächste Mal: Liebe Bauern, geht Protest auch erst nach Sonnenaufgang? Mein Schlafrhythmus würde es euch danken!

Helfer nicht im Regen stehen lassen

Ein weiterer Punkt, wenn es in Diskussionen darum geht, dass Politiker endlich reagieren müssen, ist der Fachkräftemangel. Der zeigt sich auch bei der Versorgungssituation mit Ärzten. Vor allem in ländlicheren Gebieten mehren sich seit Jahren die Klagen darüber, keine Nachfolger für Praxen zu finden, auch Krankenhäuser haben Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden. Die Politik scheint das durchaus verstanden zu haben. In der Westpfalz gibt es mit dem Verein „Ärzte für die Westpfalz“ eine Initiative, die an Studierende Stipendien gibt, um ein Medizinstudium in Ungarn zu finanzieren. Diese verpflichten sich dazu, für einen bestimmten Zeitraum nach ihrem Abschluss in der Westpfalz zu praktizieren. Getragen wird der Verein unter anderem von Stadt und Landkreis Kaiserslautern, weiteren Kreisen und Städten, dem Westpfalz-Klinikum und der Zukunftsregion Westpfalz. Die Stipendiaten brauchen noch einige Jahre, bis sie dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und sind auch nur ein kleiner Teil für eine große Region. Wichtig könnten daher auch ausländische Ärztinnen und Ärzte werden. Einige sind bereits hier und kämpfen um die Anerkennung ihres Abschlusses, um die Approbation zu erhalten. Das Verfahren ist kompliziert, oft unübersichtlich, Zuständigkeiten sind nicht immer klar. Das treibt auch Ehrenamtler bei all ihrem großartigen Engagement an ihre Grenzen.

Mentoren müssten her. Bereits ausgebildete Ärzte wären da eine elegante Lösung, denn sie kennen aus eigener Erfahrung die verschiedenen Ansprechpartner und Anlaufstellen, können selbst bei ihrem Arbeitgeber ein gutes Wort für einen Bewerber einlegen, wenn es um Hospitationen und eine erste Anstellung geht. So ließe sich gleich an mehreren Stellen Frust vermeiden, der aktuell ausgerechnet bei denjenigen erzeugt wird, die bereit sind, sich einzubringen, die willig sind, sich zu integrieren und als arbeitender Teil der Bevölkerung einen Beitrag für die Gesellschaft zu erbringen.

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