Kaiserslautern STADTGESPRÄCH:
Behandlungsfehler, Abrechnungsbetrug, Organ-Mauscheleien, Hygiene-Skandale, verseuchte Blutkonserven und sogar Missbrauch von Patientinnen durch Ärzte: Die Welt der Medizin und Pharmafirmen hat in den letzten Jahren zahlreiche Negativ-Schlagzeilen produziert. Oft standen nicht Machthunger oder Menschenverachtung, nicht einmal Geldgier als Motive hinter den Eklats. Wobei die finanzielle Situation gerade von Kliniken sicherlich nicht außer Acht gelassen werden darf. Immer mehr Krankenhäuser kämpfen ums Überleben, geraten finanziell stärker unter Druck. Zu den Kliniken, die wie viele andere geldmäßig nicht auf Rosen gebettet sind, gehört auch das Westpfalz-Klinikum mit seinen vier Standorten. Jedes Jahr aufs Neue wird um die schwarze Null gekämpft. Aber dass die Klinik-Welt sogar in Kaiserslautern nicht mehr in Ordnung sein könnte, hätte man nicht unbedingt vermutet. Die anonyme Strafanzeige, wegen der die Frankenthaler Staatsanwaltschaft jetzt in der Neurologie ermittelt, lässt die heile-Welt-Vermutung schrumpfen. Natürlich ist noch nichts bewiesen und eine anonyme Anzeige, bei der man den Gegner nicht kennt, ist auch nicht schön. Aber der Vorwurf gegen die Neurologen lautet: gewerbsmäßiger Betrug. Falsche Diagnosen, unnötige Behandlungen, um mehr Geld abrechnen zu können. Und was ebenfalls ins Bild passt: Es soll sich in erster Linie um Privatpatienten gehandelt haben. Mit solchen Anzeigen und Verdächtigungen ruiniert man sich natürlich den Ruf. Und da das Motto des Klinikums „Medizin mit menschlichem Gesicht“ lautet, nimmt das beinahe schon zynische Züge an. Diffizil ist auch der Fall Friedenskapelle oder Friedenshalle, wie sie jetzt heißt. Erst schreibt die Stadt die Halle aus und sucht einen Mieter, der sie als Kultur- und Begegnungsstätte mietet. Es melden sich die Tai-Chi-Akademie und ein Zusammenschluss von Volkshochschule, Kulturreferat und der Zukunftsregion Westpfalz. Beide Interessenten haben ein interessantes Konzept vorgelegt. Die Ideen beider Interessenten sollten geprüft werden. So weit, so gut. Dann kam Mitte Oktober der Oberbürgermeister und erklärte, es werde geprüft, ob die Friedenskapelle vorübergehend als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden könne. Dagegen regt sich Widerstand. Beileibe nicht gegen die Flüchtlinge. Sowohl die FDP als auch der Verein für Stadtgestaltung und Baukultur, der sich an dem VHS-Projekt beteiligen will, haben Bedenken. Die FDP findet, nicht alles dürfe den Belangen der Flüchtlinge untergeordnet werden, auch die Bedürfnisse der Kaiserslauterer müssten berücksichtigt werden. Der Verein für Stadtgestaltung wendet ein, die klassizistische Halle sei keine Mehrzweckhalle. Da hat der Verein recht. Es fehlen beispielsweise angemessene Sanitär- und Kochgelegenheiten. Bauhistorisch sei die Kapelle zudem als Kulturdenkmal eingestuft. Auch dagegen lässt sich nichts sagen, obwohl das die Stadtverwaltung lange Jahre nicht daran gehindert hat, die Friedenskapelle als Rumpelkammer zu nutzen. Bei aller Liebe zu den Flüchtlingen: Mit den vielleicht 100 oder 150 Quadratmetern in der Kapelle ist ihnen nicht gedient. Richtig zackig war Kaiserslauterns Baudezernent Peter Kiefer unterwegs. Nach der 20 Jahre verspäteten Einweihungsfeier der beiden Theaterskulpturen „Re africano“ und „Angelo caduto“ vor dem Pfalztheater, die der Verein für Baukultur und Stadtgestaltung veranlasst hatte, machte Michael Krauß, der Vorsitzende der Freunde des Pfalztheaters, Dampf, dass die beiden gut vier Meter hohen Masken aus Carrara-Marmor noch gereinigt werden. Und Kiefer fackelte nicht lange, holte ein Angebot für die Reinigung ein. Am Donnerstag standen dann die Gerüste und die Luftdruckreiniger wirbelten den 20 Jahre alten Dreck weg. Super, geht doch. Sogar schnell. In Mehlbach hat der Landesbetrieb Mobilität (LBM) die neu ausgebaute L388, die Ortsdurchfahrt, beanstandet. 70 Einbauteile wie Schieber, Kanalschächte und Hydranten liegen zu tief. Die Baufirma muss noch einmal ran und ihre Arbeit ordentlich machen. Ich weiß nicht, auf wie viele Kanaldeckel die Kontrolleure in Kaiserslautern kämen, die zu tief liegen. Entweder muss der Autofahrer Slalom um die Kanaldeckel fahren oder im Rap-Rhythmus durch die Löcher ploppen. Sicher scheint: Die LBM-Kontrolleure haben die besseren Brillen oder die Lauterer haben ein steifes Genick und können nicht nach unten gucken.