Kaiserslautern
Stadtentwicklung in Kaiserslautern: Mit „Icaros“ die Zukunft atmen
„Ich würde sagen, der Sportminister geht mal vor.“ Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) ist es sichtlich nicht ganz wohl bei dem Gedanken, den „Icaros“ zu besteigen. Es ist Montagmorgen im künftigen Transferzentrum „42kaiserslautern“ in der Eisenbahnstraße – und eigentlich wollte der rheinland-pfälzische Landeschef zusammen mit seinem Innen- und Sportminister Michael Ebling (SPD) vor allem eines: die Baustelle im früheren C&A-Komplex besichtigen und einen weiteren Förderbescheid übergeben. An ein Probeliegen auf einer Hightech-Maschine, die ein Fitnessgerät mit einem Flugsimulator kombiniert, hatten vermutlich beide nicht gedacht.
Insofern passt dann auch der Sportminister. Am Ende ist es Daniel DeGroot von der federführenden Science & Innovation Alliance Kaiserslautern, der den „Icaros“ vorführt. Künftig, aller Voraussicht nach ab Februar 2025, sollen auch Besucher des Transferzentrums den „Icaros“ ausprobieren können. Er gehört zum Konzept für die Begegnungsstätte von Wissenschaft und Bürgern, die Vorbildcharakter für Rheinland-Pfalz haben könnte.
Zukunft erlebbar machen
Er sei hier, weil auf der Baustelle die „Zukunft von und für Kaiserslautern zu atmen“ sei, hatte der Ministerpräsident zuvor gesagt. Alles, was den Wissenschaftsstandort Kaiserslautern und die Westpfalz beschäftige, würde in dem neuen Zentrum für jeden erlebbar gemacht. Von einem Schlüsselprojekt spricht denn auch der Innenminister. Nicht nur in Kaiserslautern, sondern überall veränderten sich die Innenstädte. Dafür müssten Lösungen gefunden werden, wie das Transferzentrum eine sein könnte. Bis zum Startschuss im Februar fördert das Land Rheinland-Pfalz das Projekt mit fast 700.000 Euro, danach soll die Anfangsphase noch mitfinanziert werden. Das Transferzentrum firmiert dabei als gemeinnützige GmbH, alleiniger Gesellschafter ist die Science & Innovation Alliance.
„Letter of Intent“ von OB
Zwar nicht finanziell, zumindest aber ideell will die Stadt Kaiserslautern das Projekt begleiten. „Kaiserslautern ist eine arme Stadt, aber wir werden ganz viel dafür tun, damit hier Leben einzieht“, sichert Oberbürgermeisterin Beate Kimmel (SPD) zu. Sie sieht in dem Zentrum vor allem ein „niederschwelliges Angebot ohne Konsumzwang für eine gute Quartiersentwicklung“. Um die Mithilfe zu bekräftigen, überreicht sie einen sogenannten Letter of Intent, eine Art Absichtserklärung, an Schweitzer.
Das Transferzentrum im Erdgeschoss des früheren C&A ist allerdings nur eine Seite der Medaille. Die andere Seite wird von neuen Wohnungen und Büroräumen geprägt. Vermieter ist in allen drei Fällen die Kaiserslauterer PRE GmbH, die den C&A-Komplex vor drei Jahren gekauft hat und 30 Millionen Euro investiert. Büros liegen über dem Transferzentrum, im alten und nun aufgestockten Deichmann-Bereich entstehen Wohnungen. Diese werden ebenso vermietet wie jene in einem Neubau auf dem ehemaligen Parkplatz. Die Geschosshöhe sei den Gebäuden in der Umgebung angepasst, so PRE-Gesellschafter Gunther Pfaff auf Nachfrage.
Vermietung startet bald
Um es mit der Landespolitik, sprich: dem Ministerpräsidenten zu sagen: Es ist eine schöne Aufgabe, Wohnraum für Menschen zu schaffen, die hierher wollen. Damit spielte Schweitzer auf andere Städte mit viel Leerstand an, weil sie als Standort nicht mehr attraktiv sind. Indes kann sich nicht jeder diesen Wohnraum leisten, wie es die OB durch einen Versprecher auf den Punkt bringt: Dass hier bezahlbarer Wohnraum geschaffen werde, verbessert sie schnell in beziehbaren Wohnraum. Kaiserslautern hat also etwas zu bieten, das muss man sich aber leisten können.
Projektentwickler und Investoren wie die PRE könnten es sich hingegen heutzutage bei Neubauten nicht mehr leisten, sozialen Wohnraum zu schaffen, erklärte Gunther Pfaff auf Nachfrage. Die Mietpreise für die insgesamt 4000 Quadratmeter Wohnfläche auf dem Gelände des alten C&A lägen im mittleren bis hochpreisigen Bereich. In ein bis zwei Monaten werde mit der Vermietung gestartet. Bezugsfertig sollen die Wohnungen im nächsten Frühjahr sein.
Noch freie Gewerbefläche
Mit einem etwas früheren Start, voraussichtlich Februar 2025, rechnet die PRE bei den 3000 Quadratmetern Gewerbefläche im Erd- und Obergeschoss des ehemaligen C&A. Sie verteilen sich auf zehn Einheiten, von denen drei das Transferzentrum bilden. Weitere vier seien bereits vermietet, um die 600 Quadratmeter noch frei, so Pfaff.
