Kaiserslautern St.-Franziskus-Schülerinnen führen „Julia und Romeo“ auf

Im Stück gibt es nur Frauenrollen.
Im Stück gibt es nur Frauenrollen.

Eine moderne Theaterversion der größten und berühmtesten Liebestragödie „Romeo und Julia“ von William Shakespeare wurde am Dienstag und Mittwoch in der Alten Turnhalle an St. Franziskus-Gymnasium und -Realschule präsentiert.

In der Bearbeitung von Ulrich Radoy mit dem Titel „Julia und Romeo“ ist die verbotene Liebesbeziehung ausschließlich Frauensache. Romeo tritt nur als Idee und Fantasie in den Monologen von Julia in Erscheinung. Julia steht sehnsuchtsvoll auf dem berühmtesten Balkon der Welt und schaut sprichwörtlich in die Leere – mit Romeo redend, ihn ersehnend.

So werden die Gefühlswelten aller Beteiligten und Betroffenen in konzentrierter Form auf die Bühne gebracht – sprachlich prägnant gestaltet. Eine interessante Bearbeitung des bekannten Themas, die zudem gut geeignet ist für die Mädchenschule.

Von den Interessen der Mütter bestimmt

Die Familien Capuletti und Montagini sind in der italienischen Modebranche verankert und werden ausschließlich von den Interessen der Mütter bestimmt – gespielt von Leni Beinhardt und Neva Topal. Ziel der beiden Frauen ist es, die Kinder gewinnbringend zu verheiraten.

Dies wird wiederum von der Presse sensationslüstern vermarktet – ein Running Gag, der im Laufe des Theaterstücks immer wieder auftaucht: Die beiden Zeitungsverkäuferinnen Brunella (Mia Günther) und Rosalia (Arsinoë Pappert) leiten marktschreierisch durch das prägnante und kurze Stück, und sie peitschen die Handlung mit ihren Schlagzeilen voran. Ihre Auftritte in fulminanten Kostümen gleichen Catwalks, um die Kleidung der beiden Modehäuser zu präsentieren.

Anderer Weg, gleiches Ergebnis

Die Rolle der Julia wird von Leni Jung und Ariane Huf inbrünstig und leidenschaftlich verkörpert. Den gesunden Menschenverstand hingegen repräsentiert die Rolle der mütterlich-liebevollen Amme (Ileana Umlauff). Schwester Laurenzia (Samanta Thunert) fungiert als rettender Engel, denn in den entscheidenden Momenten hat sie weise Ratschläge oder das passende Elixier, um die Probleme zu lösen. Mit von der Partie sind auch immer wieder die beiden Freundinnen Lucia (Elli Klunt) und Paola (Lamiess Almatar). Sie kommunizieren mit Julia fast nur übers Handy – oder sie gehen gemeinsam shoppen.

Nachdem sich Romeo vor den Zug geworfen hat, soll doch Julia den Franzosen, den Mutter Capuletti ,organisiert’ hat, heiraten. Doch die Verliebte erschießt sich aus Verzweiflung, die Tragödie erhält ihre schicksalhafte Bestimmung.

Regie führte in bewährter Weise Claudia Rieger. Das reduzierte Bühnenbild bestand im Kern aus einem tiefroten Samtvorhang, einer Tür und einem Kleiderständer. Musikalisch wurde die Vorstellung von Harald Schnurpfeil an der Gitarre sowie von Sängerin Neva Topal begleitet.

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