Kaiserslautern
SPD hinter der AfD: So haben die Ortsgemeinden und Stadtteile gewählt
Auf den ersten Blick erscheint die SPD als Sieger im Wahlkreis 45 (Kaiserslautern II), sie vereint 26,4 Prozent der Zweitstimmen auf sich. Die AfD liegt bei 25,5 Prozent, die CDU bei 24,4. Doch der Blick auf die Ortsgemeinden offenbart: An vielen Stellen überholt die AfD die Sozialdemokraten deutlich. Dabei dominiert im Wahlkreis Kaiserslautern II traditionell Rot. Die Wahlbeteiligung stieg im Vergleich zur letzten Landtagswahl um etwa sechs Prozentpunkte und liegt im Wahlkreis 45 bei 70,8 Prozent. Ebenfalls auffällig: Mit ihrer Direktkandidatin konnten die Freien Wähler – auf Landesebene an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert – mit Jasmin Awan überzeugen. Die 32-Jährige fährt für ihre Partei 8,6 Prozent der Erststimmen ein.
VG Otterbach-Otterberg: AfD überholt die SPD
In der VG Otterbach-Otterberg gewinnt die AfD (28,8 Prozent) vor den Sozialdemokraten (26,7 Prozent) und der CDU (23,2 Prozent). Von den zwölf Ortsgemeinden liegt nur in fünf die SPD vor der AfD – und dies bis auf Heiligenmoschel jeweils denkbar knapp. Sulzbachtal, Olsbrücken, Hirschhorn, Schallodenbach, Mehlbach, Schneckenhausen und Otterbach fallen an die AfD. In Schneckenhausen wählten gar 41,4 Prozent die Rechtsaußenpartei. Sie verzeichnet dort im Vergleich zur letzten Landtagswahl einen Zuwachs von 26 Prozentpunkten.
In Otterberg, dem Wohnort von Norbert Herhammer, der für die CDU hauchdünn das Direktmandat gewinnen konnte, ist das Votum nicht eindeutig: In drei der fünf Unterwahlbezirke der Wallonenstadt und damit auch in der Stadt insgesamt erhielt er die meisten Stimmen, auf dem Drehenthalerhof ist hingegen Dirk Bisanz (AfD) deutlich und in Otterberg III knapp vor seinen beiden Mitbewerbern von CDU und SPD. Auf Parteienebene jedoch setzte sich in Otterberg die SPD durch (26,8 Prozent, AfD 25,2, CDU 24,2). In Schallodenbach übrigens, wo Herhammer aufgewachsen ist, votierten trotz AfD-Dominanz bei den Zweitstimmen 39,3 Prozent für den Christdemokraten.
Dennis Matheis (SPD), der im Wahlkreis knapp unterlegene Direktkandidat, kann in seinem Heimatort Niederkirchen punkten. Dort kommt er auf starke 39,5 Prozent, steht damit deutlich vor Dirk Bisanz (26,1 Prozent) und Norbert Herhammer (18,4 Prozent). Auch in den Zweitstimmen setzt sich die SPD in der nördlichsten Ortsgemeinde des Wahlkreises an die Spitze (29,2 Prozent), wenn auch nur hauchdünn gegenüber der AfD (28,7 Prozent). Allerdings: Die Verluste gegenüber 2021 sind enorm. Bei der letzten Landtagswahl holte die SPD in Niederkirchen noch 40,5 Prozent, die AfD hingegen nur 13,9 Prozent.
VG Enkenbach-Alsenborn: SPD büßt ein, liegt aber vorn
In der Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn liegen die Sozialdemokraten bei den Zweitstimmen vorn (26,7 Prozent), verlieren aber über elf Prozentpunkte, während die AfD hier im Vergleich zu 2021 mehr als 14 Prozentpunkte gutmacht.
Mehlingen, Sembach, Neuhemsbach und Frankenstein gehen an die AfD. In Sembach und Frankenstein liegt die Partei deutlich vor der SPD, gewinnt über 17 beziehungsweise 20 Prozentpunkte hinzu. Die CDU liegt in allen Ortsgemeinden der VG deutlich unter ihrem Landesergebnis – außer in Waldleiningen. Dort erreichen die Christdemokraten 30,9 Prozent, sind stärkste Kraft vor der SPD (27,5 Prozent). Auch Enkenbach-Alsenborn wählt mehrheitlich schwarz. In allen vier Unterwahlbezirken liegen die Christdemokraten bei Erst- und Zweitstimmen vorn. Die SPD punktet in Hochspeyer und Fischbach, gewinnt dort jeweils vor der CDU.
Kaiserslautern: Der Einsiedlerhof wählt blau
Der Wahlkreis 45 umfasst auch die Stadtteile Erfenbach, Siegelbach, Erlenbach, Morlautern, Einsiedlerhof, Dansenberg, Mölschbach und die beiden Ortsbezirke Lämmchesberg/Uniwohnstadt sowie den Betzenberg. Die SPD liegt insgesamt mit 25,5 Prozent knapp vor CDU (24,4) und AfD (23).
Der Einsiedlerhof fällt aber gleich durch zwei Besonderheiten auf: Die AfD dominiert hier mit 40,8 Prozent der Zweitstimmen, und kann dabei – anders als in den übrigen Wahlbezirken – sowohl an der Urne (49,7 Prozent), als auch in der Briefwahl (27,9 Prozent) die meisten Stimmen auf sich vereinen. SPD und CDU liegen im Gesamtergebnis der Zweitstimmen über 18 Prozentpunkte abgeschlagen hinter der AfD. Im Wohnort von deren Direktkandidat Dirk Bisanz erhält dieser auch die Mehrheit der Erststimmen (41,4 Prozent). Auch der Betzenberg mit seinen rund 4800 Einwohnern wählt mehrheitlich die AfD. 28,8 Prozent bekommt die Partei – in allen drei Urnenwahlbezirken des Betzenbergs liegt sie vorne, nur bei den Briefwählern gewinnt die SPD mit 31,3 Prozent vor der CDU (27,1). Die SPD erzielt auf dem Betzenberg 25,5 Prozent, die CDU 23,6 Prozent.
Die CDU ist im Stadtgebiet nur in zwei Stadtteilen Sieger der Wahl: In Dansenberg liegen die Christdemokraten gar über ihrem Landesergebnis und holen 31,6 Prozent der Zweitstimmen. In Morlautern setzt sich die CDU mit 28,1 Prozent der Stimmen an die Spitze, vor der SPD (26,2 Prozent).
Lämmchesberg und Uniwohnstadt stechen nicht nur deshalb heraus, weil die SPD bei Erst- und Zweitstimme vorne liegt. Auf Rang drei hinter der CDU kommen jeweils die Grünen mit etwas mehr als 17 (Zweitstimme) beziehungsweise fast 19 Prozent (Erststimme), die in den sonstigen Bezirken (außer in Dansenberg) und Ortsgemeinden des Wahlkreises deutlich unter zehn Prozent bleiben.
VG Lambrecht: SPD denkbar knapp vorne
Hauchdünn (0,6 Prozentpunkte) ist der Vorsprung der SPD (27,7 Prozent) vor der AfD in der VG Lambrecht. Vier der sieben Ortsgemeinden gewinnt die AfD, in Esthal liegt die CDU vorn. In Elmstein und Weidenthal kommt die SPD auf über 30 Prozent der Zweitstimmen, liegt damit jeweils drei Prozentpunkte vor der AfD als zweitstärkster Kraft und weit über dem Landesschnitt. Auffällig: In Elmstein landet die AfD (29,2 Prozent) zwar hinter der SPD (32,2 Prozent), gewinnt aber 17,7 Prozentpunkte dazu, während die SPD 8,9 Prozentpunkte verliert. In Neidenfels verzeichnet die AfD gar einen Zuwachs um 18,1 Prozentpunkte. Die SPD verliert fast genauso viele (17,9).