Kaiserslautern Spaß am Sport und einen vertrauten Trainer

Der FCK- und Lebenshilfe-Athlet Anton Enderle aus Kaiserslautern nimmt vom 19. bis 23. Mai in Düsseldorf an den Nationalen Special Olympics, den Deutschen Meisterschaften für Menschen mit geistiger Behinderung, teil. Nach Karlsruhe, Bremen, Berlin und München sind es bereits seine fünften Nationalmeisterschaften. Vor vier Jahren in Berlin lief er über die 100 und die 1500 Meter zu Gold. In München randalierte sein Knie. Platz vier war dennoch drin. In Düsseldorf strebt der 29-Jährige wieder Gold an.
Die RHEINPFALZ war bei einem der letzten Trainingseinheiten vor dem spannenden Großereignis zu Gast in der Barbarossahalle. FCK-Trainer Amir Nolte ist bereits in der Halle. Ein paar der FCK-U16-Leichtathleten ebenfalls. Mit ihnen trainiert Enderle trotz seines Handicaps. Auch die von der Lebenshilfe zur physiotherapeutischen Unterstützung des gehandicapten Ausnahmeathleten engagierte Lena Wenzel ist schon da. Einer fehlt noch. Die Tür zur Barbarossahalle geht auf, herein kommt ein ziemlich verschwitzter Anton Enderle. „Hallo Toni“, wird er herzlich begrüßt. Er grinst in die Runde und erzählt von seinem Praktikum auf der Gartenschau und dass er nach Feierabend so schnell es ging hierher gedüst sei. Er muss die Fahrradpedale ordentlich getreten haben, jedenfalls ist der Sportler bereits sichtbar aufgewärmt. Das Training, zu dem er derzeit vier Mal in der Woche nach Feierabend von der Gartenarbeit kommend strampelt, kann losgehen. In Düsseldorf hat ihn sein FCK-Trainer Amir Nolte für die 100 Meter Sprint, den Ballweitwurf und das Kugelstoßen gemeldet. „Öfter mal was Neues ausprobieren“, erklärt es der Sportler, der in der Vergangenheit nur unter den Läufern zu finden war. Sein Trainer sieht das Kraftpaket Anton als einen geeigneten Kugelstoßer. Bei den Landesspielen 2013 in Kaiserslautern war Premiere mit dem Erreichen der Silbermedaille. Die Feinheiten mit der Technik, die sitzen noch nicht, weiß der Sportler selbst. Bislang entlässt er die sechs Kilo schwere Kugel meist noch mit purem Krafteinsatz auf die Flugbahn. „Aber bis Düsseldorf klappt das schon“, ist Trainer Nolte guter Dinge, dass sich Antons Kugel mittels der richtigen Technik noch deutlich weiter vom Werfer entfernen wird. Beim Ballweitwurf ist alles gut. Mit der Kraft, die sich der Sportler bei der Gartenarbeit und neuerdings auch im Kraftraum − „Das macht Spaß, da kann man vor dem Spiegel schön posen“, muss Enderle lachen −, angeeignet hat, fliegt der Ball ganz ohne Technik gehörig weit. 55 Meter ist seine eigene Messlatte. Das ist schon mal eine Hausnummer für die Konkurrenz in Düsseldorf. Seine Paradedisziplin bleibt aber wie gehabt der 100-Meter-Sprint. „Das mach’ ich am liebsten, neben dem Fußballspielen“, muss er gar nicht lange überlegen. Fußball ist in Düsseldorf für ihn erst mal nicht angesagt. Eine Woche nach den Meisterschaften wird mit der LebenshilfeMannschaft wieder gekickt. Bis dahin gilt die Konzentration der Kugelstoßtechnik und dem Sprintstart. Ganz sicher sind sich Trainer und Sportler nämlich noch nicht, ob bei den Olympics in Düsseldorf aus dem Block oder frei gestartet wird. „Frei geht besser.“ Sagt Anton. „Aus dem Block üben wir noch, dann kann überhaupt nichts schief gehen“, versichert der 20-jährige Nolte. Was soll in Düsseldorf auch schief gehen. Anton Enderle ist gut drauf, hat Spaß am Sport, seinen vertrauten Trainer an der Seite. Und wenn es trotz der guten Vorbereitung mit den Medaillen nicht so klappt, wie er sich das vorstellt, „dann kann man halt nichts machen“, zeigt sich Enderle ganz entspannt. „Dann komm’ ich heim und trainiere einfach weiter.“ Sein Grinsen verrät, dass er doch schon sehr an sich und den kommenden Erfolg glaubt.