Kaiserslautern Songs am Lagerfeuer
Kein einfaches Unterfangen war das, an einem Sonntagabend zahlendes Publikum durch die klirrende Kälte in ein Konzert zu locken. Denen, die es dennoch taten, wurde in der Friedenskapelle die herzerwärmende Musik der kanadischen Songwriterin Christina Martin serviert.
Sie ist seit etlichen Wochen auf Tour durch Europa und jetzt auch noch von Erkältung geplagt. Und startet den Abend mit der unverblümten Aussage, dass sie möglicherweise nicht ihre volle Gesangsleistung abrufen könne. „Aber ich werde mein Bestes geben“, verspricht sie auf Englisch. Ihre charmante Natürlichkeit wird noch unterstrichen durch die braune, fransenbehangene Wildlederjacke – ganz so, als ob sie eben noch am wärmenden Lagerfeuer gesessen hätte. Schon mit den ersten Songs macht sie unmissverständlich klar, dass ihre musikalischen Botschaften immer mit Beziehungen zwischen Menschen zu tun haben. Das sei ohnehin das Wichtigste im Leben. „It’ll Be Alright“ handelt von dem Umgang mit Schicksalsschlägen (ein Freund ist an Krebs gestorben, d. Red.) und dass man Freunde braucht, die einem helfen wieder den Kopf zu heben und positive Dinge zu sehen. Mit der zweiten Gesangsstimme ihres Begleitgitarristen und der Kombination aus E- und Westerngitarre wird ein voluminöser, runder Sound erzielt, der in dieser minimalistischen Besetzung ein Stück weit überrascht. Trotz oftmals „schwerer“ Songinhalte wird mit der Musik keinerlei traurige Stimmung erzeugt. Die Harmonien sind geschickt gesetzt, die Melodieführung der Stimme gekonnt durch Füllstücke der zweiten Gitarre ergänzt. Nicht umsonst wurde die Kanadiern mehrfach mit Preisen für ihr Songwriting dekoriert. Klar, darf auch ein Liebesleid-Stück nicht fehlen („Two Hearts“). Das schrieb Christina Martin nach einer Trennung und lernte just bei der Studioarbeit an diesem Stück ihren Gitarristen und jetzigen Mann Dale Murray kennen. Und ja, sie verkündet scherzend zwischen den Songs, dass sie das verflixte siebte Jahr gerade hinter sich gebracht haben. Während Christina eine akzentuierte Begleitgitarre – der Firma Martin – spielt, steuert Dale hier wunderbar melodiöse und unaufdringliche Tonfolgen bei. Die Geschichten ihrer Songs bleiben fast immer sehr persönlich. In „Lungs Ars Burning“ geht es um extreme Lebenserfahrungen in der eigenen Familie. Beide Musiker haben jeweils einen Bruder durch Drogenabhängigkeiten verloren. Ohne diese eingestreuten Infos für die Zuhörer würden viele Nicht-Muttersprachler den Songs gar nicht solch eine Tiefe abnehmen. Denn die Musik wirkt sehr angenehm, lädt zum konzentrierten Hören ein, zeitweise verliert man sich – im besten Sinne – in der Entspannung. Alle Gesangsvorträge von Christina Martin stecken voller Emotionalität und wirken authentisch. Sie macht damit selbst einfach arrangierte Songs zu „Hinhörern“. Dabei kann sich Christina Martin auf ihren punktgenau agierenden Gitarrenmann in diesem Duo absolut verlassen. Da wird nichts übertönt oder durch hektische Fingerläufe an die Wand gespielt, sondern es wird sehr gekonnt songdienlich agiert. Schließlich sollen Songs und Inhalte im Vordergrund stehen, wie Dale Murray im kurzen Gespräch verrät. Er selbst hat ebenfalls schon Preise als Produzent eingeheimst und seine Frau war die Erste, die im Studio davon profitieren durfte. Dass Christina Martin sich auch besonders im Pop-Rock-Genre zuhause fühlt und sie entsprechend weitere stimmliche Facetten auf Lager hat, beweist sie zu leicht angerockter Gitarre mit dem Titelsong ihrer neuen CD „Impossible To Hold“. Auch Popsongs mit voller Bandbegleitung (vom Smartphone) kann sie und steigt singend von der Bühne zum Publikum hinab. In einer musikalisch stark reduzierten Ballade mit gezupfter E-Gitarre kommt ihr stimmlicher Ausdruck mit passendem Vibrato wunderbar zur Geltung. Das intensive Konzert präsentiert das Ehepaar Martin/Murray ohne Pause; was zwar nicht so geplant war, aber den Höreindruck und das Eintauchen in die Musik umso mehr verstärkte.