Kaiserslautern Skulpturen aus Natur

Kunst, die organische Formen aufgreift, gerne auch in natürlichen Materialien wie Papier, Pappmaché, Zellstoff oder gleich ganz aus pflanzlichen Fundstücken, sind so etwas wie eine Spezialität der Neustadter Galeristin Ingrid Bürgy-de Ruijter. Namen wie Dorothee Aschoff, Silke Brösskamp, Sophie Casado, Alexandra Deutsch, Sabine Fassl, Christiane Haase, Lisette Verkerk, die sie alle schon in ihrer Galerie Upart im Ortsteil Haardt präsentiert hat, stehen für diese „Programmlinie“, die nun einen weiteren, sehr interessanten Neuzugang verzeichnet: die Münchnerin Alexandra Hendrikoff. Ein Foto auf ihrer Homepage zeigt die Künstlerin im hohlen Inneren eines uralten Baumriesen, und genau diese Geborgenheit in der Natur drücken auch die Werke aus, die die 1965 in Bad Reichenhall geborene Absolventin der Münchner Kunstakademie jetzt in Neustadt zeigt. „Skulptur aus Natur“ lautet der Untertitel der Ausstellung, und zu sehen sind fast ausschließlich Arbeiten aus mit Weizenkleister oder Buchbinderleim verarbeitetem Transparentpapier oder Strohseide, die dann in mühseliger Handarbeit noch mit diversen Pflanzensamen verziert wurden. Fast immer mit dabei sind zarte Löwenzahnschirmchen, die Hendrikoff mit der Pinzette so dicht aufbringt, dass pelzartige Oberflächen entstehen. Was sich hier aber so technisch anhört, entfaltet beim Betrachten einen ganz eigenen, poetischen Reiz. Das gilt vor allem für die geöffneten, an Blütenkelche oder Fruchtkapseln erinnernden Formen, die einen fast glauben lassen, man könne hier tatsächlich tief in die Geheimnisse der Natur eintauchen. Auch Haut ist ein Thema, dass die Künstlerin offensichtlich fasziniert. Man sieht zellartige Strukturen, Membranen, Waben, Blasen, Adern, die biologisch immer ungemein plausibel wirken, aber eben doch weit mehr sind als bloße Naturabbildung. Tatsächlich geht es der Künstlerin in ihren Werken mehr um Erkenntnis als um Mimesis. Man muss ihr aber gar nicht in allen philosophischen und erkenntnistheoretischen Prämissen folgen, um ihre Arbeiten ansprechend zu finden. Gerade in ihrer unglaublichen Zartheit deuten sie an, wie fragil das natürliche Gleichgewicht letztlich ist.

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